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    Kulturhauptstadt Koblenz: Auch das Scheitern kann eine Chance sein

    Kassel, Bremen, Karlsruhe: Diese drei Städte sind gescheitert – und haben doch gewonnen. So sieht es zumindest Claus Hoffmann, Werkleiter der Koblenz-Touristik. Im Hinblick auf die Frage, ob sich Koblenz um den Titel als Kulturhauptstadt Europas 2025 bewerben soll, hat sich Hoffmann mit Städten befasst, die diesen Schritt schon einmal wagten, aber nicht ans Ziel kamen: Als in Deutschland zuletzt die Bewerbungsphase um den Titel der Kulturhauptstadt lief, gingen Kassel, Bremen und Karlsruhe mit ins Rennen. Erfolglos – Essen durfte sich mit der Ruhr.2010 vor sieben Jahren als kulturelle Metropolregion hervortun. Aber, sagt Hoffmann, auch wenn die Bewerbung seinerzeit für keine der drei Städte den erhofften Titel brachte, zog allein schon der Prozess, dass sich die Städte mit eigenen Stärken und Schwächen auseinandersetzten, überall positive Effekte nach sich.

    Claus Hoffmann findet die Festungsanlagen, hier Fort Asterstein, zwar großartig, um von ihnen ausgehend ein Leitbild für Koblenz als Kulturhauptstadt Europas zu entwerfen. Es gibt seiner Meinung nach allerdings auch ein großes Aber.  Foto: Jens Weber
    Claus Hoffmann findet die Festungsanlagen, hier Fort Asterstein, zwar großartig, um von ihnen ausgehend ein Leitbild für Koblenz als Kulturhauptstadt Europas zu entwerfen. Es gibt seiner Meinung nach allerdings auch ein großes Aber.
    Foto: Jens Weber

    Die Stadtentwicklung bekam einen Schub, die kulturelle Szene vernetzte sich stärker als bislang, blühte mit neuen Formaten auf. Bundesweit berichtete die Presse über die Kommunen, der Bekanntheitsgrad stieg. Zudem identifizierten sich die Einwohner mit ihrer Heimat, mehr Tagestouristen besuchten die Städte. Und: Strukturelle Veränderungen und kulturelle Projekte wurden wegen der Bewerbung angeschoben, in Kassel wurde beispielsweise die Museumslandschaft neu geordnet und kräftig in sie investiert.

    Positiver Schritt

    All diese Erkenntnisse hat Claus Hoffmann zusammengetragen. Der Chef der Koblenz-Touristik war von der Stadtführung damit beauftragt, Antworten auf die Frage zu finden, ob bereits eine Bewerbung um den Titel der Kulturhauptstadt lohnend für eine Stadt sein kann, selbst wenn am Ende nicht der Titel stehen sollte. Auf Kassel, Bremen und Karlsruhe bezogen war dies der Fall – Hoffmann liegen entsprechende Auswertungen vor. Nur: Könnten diese positiven Effekte auch auf Koblenz zutreffen, falls die Stadt sich bewirbt – darüber stimmt der Stadtrat Anfang November ab – und am Ende nicht ausgezeichnet werden sollte?

    „Nichts spricht dagegen“, ist Hoffmann überzeugt, schränkt aber ein: „Sofern wir den Prozess nutzen, die Bewerbung ernst genommen wird, richtig gut gemacht ist, mit den Stärken und Potenzialen unserer Stadt entwickelt wird und die Menschen in dieser Stadt inspiriert.“ Ein Leitgedanke müsse her. Nur mit ihm kann der Bewerbungsprozess fruchtbar sein – und nur mit einem sinnigen Konzept kann am Ende womöglich der Erfolg stehen.

    Diese Meinung hat Hoffmann nicht allein. Seit der Vorschlag, Koblenz könne sich um den Titel als Kulturhauptstadt Europas bewerben, in der Stadt diskutiert wird, weisen Ideengeber, Beteiligte und Experten darauf hin, dass ein Leitgedanke unverzichtbar ist: Koblenz soll seine Position als mögliche Kulturhauptstadt Europas entlang einer tragenden, auf Entwicklung ausgerichteten Idee formulieren, die den europäischen Gedanken mit Alleinstellungsmerkmalen der Stadt verbindet. Viel Potenzial sieht Claus Hoffmann im Thema Festungsstadt, das bereits von mehreren kulturellen Akteuren in Koblenz ins Gespräch gebracht wurde. „Ich finde diese Idee richtig gut – wir haben mit unseren Festungsanlagen etwas Einmaliges“, sagt er, bevor zu einem Aber überleitet.

    Gutes, aber schwieriges Thema

    „Wir müssen klar sehen und verstehen, dass eine Festungsstadt nichts Sympathisches hat. Für uns in Koblenz und der näheren Region mag das Thema Festung mit Kultur verbunden sein, weil wir mit der Festung Ehrenbreitstein schon gut dastehen.“ Aber schon in Bonn habe man ein ganz anderes Verständnis von einer Festung. „Sie steht für etwas Geschlossenes und Martialisches – bedingt aus der Historie“, sagt Hoffmann. Die große Kunst für eine erfolgreiche Bewerbung und ein Leitbild dürfte es deshalb sein, das Thema Festungsstadt in Koblenz so zu spielen, dass sich dieser abweisende Eindruck hin zu einem offenen und europäischen Charakter wandelt.

    Gelingt dies, gelingt es Koblenz, für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt ein schlüssiges Konzept zu entwickeln, über das ehemals militärisch genutzte Liegenschaften im Sinne einer modernen Stadtplanung neu erlebbar gemacht werden, könnte die Stadt eine Vorbildrolle einnehmen: Vor ähnlichen Herausforderungen stehen europaweit etliche Städte mit militärischem Erbe, sie suchen in internationalen Ideennetzwerken wie etwa dem von der EU geförderten Projekt Maps nach Anregungen. Daran lässt sich ablesen: Das Thema Neunutzung und Öffnung ist europaweit relevant. „Wenn wir all unsere Festungsanlagen kulturell öffnen und mit der Stadt und den Koblenzern in Verbindung bringen, sind wir in jeder Hinsicht weit vorn“, ist Hoffmann überzeugt.

    Neben dem Thema Festungsstadt sieht er weiteren Schwerpunkt, den Koblenz ebenfalls überzeugend ausarbeiten könnte, weil er sowohl die Stadt als auch die Region prägt, die laut dem Chef der Koblenz-Touristik unbedingt in alle Überlegungen zu Kulturhauptstadt bezogen werden müsse. Es geht um den Wein. „Das ist eine Thematik, die wir authentisch spielen könnten, weil sie zu unseren natürlichen Stärken gehört“, sagt Hoffmann. Hier spricht der Touristiker aus ihm, der generell findet, dass die Stadt auch unabhängig von den Überlegungen zur Kulturhauptstadt wesentlich mehr aus dem Thema Wein machen müsste – sowohl für die Koblenzer als auch für die Touristen. „Es gibt auf jeden Fall Entwicklungsbedarf“, sagt Hoffmann. Diese Potenziale könnten seiner Meinung nach in einer Bewerbung um die Kulturhauptstadt, in einem kulturellen Leitbild für Koblenz mitbedacht werden.

    An der Ausarbeitung möchte sich der Chef der Koblenz-Touristik gern beteiligen. Er kommt aus der Werbung und liebt es, wie er sagt, strategisch und konzeptionell zu arbeiten und Ideen zu entwickeln. Generell aber sieht er die Federführung des ganzen Vorhabens beim Kulturamt, er sagt aber auch: „Wie seinerzeit für die Bundesgartenschau brauchen wir auch für die Kulturhauptstadt externe Hilfe, eine Entwicklungsgesellschaft.“

    Ein Leitbild hilft

    Ob diese nun, sollte sie eingesetzt werden, Koblenz bis zum Titel führt oder die Stadt irgendwann im Bewerbungsprozess ausscheidet, könne niemand voraussagen. „Wichtig ist aber“, sagt Hoffmann, „dass wir uns auf den Entwicklungsprozess einlassen, den ein Leitbild für die Stadt mit sich bringen kann.“ Hier zitiert Hoffmann gern den ehemaligen Bremer Kultursenator Hartmut Perschau. Der sagte seinerzeit, als Bremen noch Chancen auf die Kulturhauptstadt 2010 hatte, sinngemäß: Sollte die Stadt ungerechtfertigterweise nicht den Zuschlag bekommen, gingen sämtliche Planungen so weiter, als ob Bremen tatsächlich ausgezeichnet worden sei. „Wenn wir so denken, kann Koblenz nur gewinnen“, sagt Hoffman. Scheitern als Chance.

    Was denken Sie über Koblenz als Kulturhauptstadt Europas 2025? Wir freuen uns über Zuschriften per E-Mail an kultur@rhein-zeitung.net oder an RZ Kultur, Projekt Kulturhauptstadt, August-Horch-Straße 28, 56070 Koblenz. Mit ihrer Zuschrift stimmen Sie einer möglichen Veröffentlichung zu (Kürzungen vorbehalten). Alle bisher erschienenen Teile finden Sie online unter ku-rz.de/kkhe2025

    Von unserer Redakteurin Anke Mersmann

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