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Koblenz

Konzert des Koblenzer Musik-Instituts: Virtuose Flötentöne und gebremste Lebensfreude

Ein hierzulande wenig bekanntes Stück aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts; zwei nahezu unbekannte Kompositionen aus jüngerer und jüngster Zeit; abschließend ein Evergreen des romantischen Repertoires aus dem Jahr 1850: Das für das 6. Anrechtskonzert beim Koblenzer Musik-Institut avisierte Programm versprach einen interessanten Abend.

Der französisch-spanische Gastdirigent Diego Masson gestaltet einen interessanten Konzertabend mit der Rheinischen Philharmonie, in dessen Mittelpunkt die Flötenkunst der selbstbewussten Jasmine Choi steht. Foto: Katie Vandyck/Agentur
Der französisch-spanische Gastdirigent Diego Masson gestaltet einen interessanten Konzertabend mit der Rheinischen Philharmonie, in dessen Mittelpunkt die Flötenkunst der selbstbewussten Jasmine Choi steht.
Foto: Katie Vandyck/Agentur

Beim Anrechtskonzert des Musik-Instituts steht die Flöte, genauer die Querflöte, im Mittelpunkt. Ein Instrument also, das zwar in der Alten Musik wie auch der neueren Kammermusik als Führungsinstrument häufig vertreten ist, dessen solistischer Einsatz mit großem Sinfonieorchester indes aber eher selten vorkommt. Ein vielversprechender Abend, der die Gäste des Musik-Instituts also erwartet.

Gastdirigent reich an Erfahrung

Der Rheinischen Philharmonie steht in der Rhein-Mosel-Halle diesmal der 82-jährige spanisch-französische Gastdirigent Diego Masson vor, bekannt als Kenner und Förderer der Musik vor allem des 20. Jahrhunderts. Aus diesem Metier dirigiert er zu Beginn Samuel Barbers kleines Orchesterstück „First Essay“ aus dem Jahr 1937, anschließend das dreisätzige Konzert für Flöte und Orchester opus 39 von Lowell Liebermann, Jahrgang 1961, entstanden 1991.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.musik-institut-koblenz.de

Beide Werke stellen auch für klassisch-romantisch orientierte Hörgewohnheiten kein Problem dar, weil sie die vertrauten Harmonieräume nie wirklich überschreiten. Und: Weil Massons Dirigat eine für sein Herkommen aus der Boulez-Schule beinahe befremdende Neigung aufweist zu gemäßigter Interpretation sowie zu romantisch gerundetem, sehr weichem und warmem Klang. So gerät das Barber-Stück für die Zuhörer zum wohligen Bad in der orchestralen Verarbeitung eines elegischen Themas, das feinsinnig von einer Instrumentgruppe zu anderen durchgereicht wird.

Hernach bei Liebermanns Flötenkonzert folgt Masson getreulich der unverkennbaren Absicht des Komponisten, dem Soloinstrument weitest mögliche Räume zu lassen. Das Orchester wird sehr stark zurückgenommen, schafft Platz für die dominante Entfaltung der Flötenkünste von Jasmine Choi. Und denen lauscht man gern, lässt sich mitnehmen ins Reich unterschiedlicher Ausprägungen von Melancholie, sinnt über schlichte Hirtenmelodien und schwebende Geisterklänge und ist ebenso fasziniert von rasend schnellen, ewig langen Tonfolgen.

 Jasmine Choi gehört ganz offenkundig zu den Weltbesten. Sie und Maestro Diego Masson ernten Jubelstürme in Koblenz. Foto: Katie Vandyck/Agentur
Jasmine Choi gehört ganz offenkundig zu den Weltbesten. Sie und Maestro Diego Masson ernten Jubelstürme in Koblenz.
Foto: Katie Vandyck/Agentur

Diese Grundstimmung greift nach der Pause Solbong Kims „Sacred Meadow“ für Flöte, Streichorchester und Harfe aus dem Jahr 2005 wieder auf. Wobei der 1981 geborene Komponist und koreanische Landsmann von Jasmine Choi das Orchester hier in neuzeitliche Harmoniewelten führt – die allerdings zumeist nur als sehr leises Raunen und Rauschen einen zarten Hintergrund ausmalen. Die wunderbar aufspielende, selbstbewusste Freundlichkeit wie Fraulichkeit ausstrahlende Solistin gehört in ihrem Fach zur Riege der Weltbesten und hat das Koblenzer Auditorium schnell für sich gewonnen. Laute Lacher und basses Staunen während des Spiels, schließlich Jubelstürme erntet sie für ihre ebenso humorige wie furios flötenartistische Zugabe „Great Train Race“.

Behagliche „Rheinische“

Zum Abschluss des Abends gibt es den Klassiker: Robert Schumanns 3. Sinfonie, die „Rheinische“. Und darüber gehen die Meinungen nun sehr weit auseinander. Masson dirigiert vor allem in den drei Mittelsätzen ein extrem langsames Tempo. Da wird etwa der mit „feierlich“ überschriebene vierte Satz quasi zum Requiem, verströmen die „lebhaft“ betitelten Ecksätze eins und fünf eher Behaglichkeit denn rheinische Lebensfreude. Das Koblenzer Staatsorchester kommt einem vor wie ein Porsche, der mit angezogener Handbremse gefahren wird und vielleicht auch deshalb hier oder dort nicht optimal rundläuft. Das Publikum sieht es dem betagten Maestro aber nach – und dankt mit kräftigem Schlussapplaus für ein ansonsten doch interessantes und genussreiches Konzert.

Von unserem Autor Andreas Pecht

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