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Koblenz "Ganz Ohr" mit Alissa Walser – Literatur kann magisch sein

Koblenz ist wieder "ganz Ohr" - beim dritten Literaturfestival. Jetzt gab es zwei höchst unterschiedliche Veranstaltungen im Reigen der Lesetage: Im Circus Maximus stellten sich junge "Poetry Slam"- Wortartisten vor, und im Görreshaus war Alissa Walser mit ihrem Debütroman zu Gast.

alissa walser
So unterschiedlich können Literaturabende sein: Alissa Walser stellte ihr Debüt "Am Anfang war die Nacht Musik" ganz klassisch im Görreshaus vor...
Foto: Fotos: Ganz Ohr/Kai Mylle

Koblenz ist wieder "ganz Ohr" - beim dritten Literaturfestival, das noch bis zum 21. März bekannte Autoren in die Stadt bringt. Jetzt gab es zwei höchst unterschiedliche Veranstaltungen im Reigen der Lesetage: Im Circus Maximus stellten sich junge "Poetry Slam"- Wortartisten vor, und im Görreshaus war Alissa Walser mit ihrem Debütroman zu Gast.

Für eine Debütantin ist sie schon nicht mehr ganz jung. Die 48-jährige Alissa Walser setzte den Lesereigen beim Koblenzer Literaturfestival "Ganz Ohr" im Görreshaus fort - ein Leseabend so magisch wie ihr erstes Buch. Was nicht zuletzt der einnehmenden Ausstrahlung der Autorin geschuldet ist.

Sie hat einen stechend klaren Blick, wenn sie das Publikum fixiert. Sie liest akzentuiert, kein Wort wird verschluckt, jedes hat Bedeutung. Der Zuhörer bemerkt sofort: Hier will jemand, dass seine Geschichte nicht einfach gehört, sondern dass sie verstanden wird. In diesen Sätzen ist nichts zufällig.

Alissa Walser ist die Tochter des Erfolgsautors Martin Walser, doch selbstbewusst genug, sich nicht an ihm messen zu lassen. Die Frage von Journalisten, ob sie Angst hätte, mit dem Vater verglichen zu werden, konterte sie unaufgeregt: "Wieso Angst? Ich selbst tue es nicht, will aber keinen daran hindern. Und ist doch klar: Wer sucht, der findet." Ihre Lesung in Koblenz eröffnet sie mit einer Erklärung: Ihre Geschichten entstehen aus einem Zettelkasten, in dem sie "Über- und Unterbelichtetes" aufbewahrt. Notizen, Gedankenfetzen. "Es geht mir um das Stumme, um das, was nicht übersetzt werden kann", erklärt sie ihren Anspruch. Das Scheitern des Gefühls am System des Verstandes ist das große Thema ihres Romans "Am Anfang war die Nacht Musik". Es geht um die wunderliche Liebes- und Heilungsgeschichte der blinden Pianistin Maria Theresia Paradis und des Wiener Arztes Franz Anton Mesmer. Eine magische Beziehung, die Walser mit dem Willen zur Präzision beschreibt. Die Pianistin etwa hat "einen Blick, der sich kaum blicken lässt", ihr Gesicht ist "Wachs mit Wachs geschminkt, ihr Haar ein Pudergebirge". Der Pianist am Flügel im Görreshaus spielt auf, wie um die Magie von Walsers Text in der Musik fortzusetzen.

Eine Ahnung von der besonderen Beziehung des Mediziners und der Pianistin hat das Koblenzer Publikum bekommen. Literatur kann magisch sein - kein schlechtes Gefühl für ein Literaturfestival.

Rena Lehmann

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