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    Koblenz als Kulturhauptstadt: Höchste Zeit, sich Raum zu nehmen

    Einen Satz kann Elena Heth nicht mehr hören: „Koblenz ist eben eine Pendlerstadt!“ Überstrapazierte Worte. Etwa wenn es darum geht zu erklären, warum kaum studentisches Leben, warum kaum eine junge Kulturszene im Alltag der Stadt präsent ist.

    Kulturwissenschaftlerin Elena Heth fordert mehr Räume für junge Kultur – damit Kreative Koblenz nicht den Rücken kehren.
    Kulturwissenschaftlerin Elena Heth fordert mehr Räume für junge Kultur – damit Kreative Koblenz nicht den Rücken kehren.
    Foto: Sascha Ditscher

    „Ich finde es schade, wenn man vom Ende her denkt. Also sinngemäß: Wir haben eine Pendleruni, und daran können wir nichts ändern. Wir sollten mehr in Möglichkeiten denken“, sagt Elena Heth. Genau das könnte eine Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt 2025, die derzeit auf Stadt- und Landesebene diskutiert wird, wenn es nach ihr geht, in Gang setzen: Das Ausloten der Möglichkeiten, um etwa junge Menschen in der Stadt zu halten. Ein Rezept hat sie parat.

    Kann Koblenz 
Kulturhauptstadt?
    Die Stadt erwägt eine Bewerbung für den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2025. Wir sprechen mit Akteuren über Ideen, Potenziale und die Sinnhaftigkeit einer Bewerbung – heute mit Elena Heth, Kulturwissenschaftlerin und Mitarbeiterin des Kulturamts

    Heth, die selbst in Koblenz Kulturwissenschaft studierte und nun den Sprung ins Kulturamt geschafft hat, macht klar, dass es in erster Linie Raum für Ideen braucht. Nicht nur zum Leben, sondern auch zur kreativen Nutzung. „Alle wachsenden Städte haben das Problem, bezahlbaren Wohnraum für durchschnittliche Einkommen zur Verfügung zu stellen oder eben für junge Menschen, die wenig haben. Denken Sie an unkonventionelle Wohnprojekte, um diesem Problem zu begegnen. Wohnen gegen Hilfe könnte ein Modell sein.“

    Was denken Sie über „Koblenz als Kulturhauptstadt Europas 2025“? Wir freuen uns über Zuschriften per E-Mail an kultur@rhein- zeitung.net oder an RZ Kultur, Projekt Kulturhauptstadt, August-Horch-Straße 28, 56070 Koblenz. Mit ihrer Zuschrift stimmen Sie einer möglichen Veröffentlichung zu (Kürzungen vorbehalten). Auch unter den einzelnen Serienteilen auf der Facebook-Seite der Rhein-Zeitung freuen wir uns über Diskussionsbeiträge.

    Auch Leerstände hat sie im Blick: Konversionsflächen etwa würden förmlich danach schreien, als Räume nutzbar gemacht zu werden. Dafür bräuchte es kürzere Wege und ein Entgegenkommen auf Verwaltungsebene sowie ein offenes Ohr für Ideen, die nicht schon im Vorfeld etwa aufgrund von Bauvorschriften beerdigt werden. Von alternativer Soziokultur bis Kultur- und Kreativwirtschaft sei laut Heth so vieles denkbar. „Das heißt ja nicht, dass wir Berlin werden sollen, aber Alltags- und Nischenkultur ist für junge Menschen nun mal ein nicht unwichtiger Aspekt für die Lebensqualität einer Stadt.“ Nischenkultur also, wie sie die Kulturwissenschaftlerin selbst schon einmal begründet hat?

    Vor drei Jahren initiierte Heth einen Kreativort: den Freiraum. Der Verein startete aus studentischem Engagement, begriff sich aber stets als Forum für alle. Rund 70 Menschen unterstützten die Initiative zu Beginn – mit Tatendrang. Und mittlerweile: eine Handvoll Engagierte ist geblieben. „Obwohl wir ein junger Verein sind, teilen wir das gleiche Problem wie Traditionsverbände – Nachwuchssorgen.“ Warum das so ist? „Ich denke, wie in allen Lebensbereichen ändert sich der Zeitgeist. Vereinsarbeit schreckt ab, es muss verstärkt projektbezogen gedacht werden. Keiner will sich mehr binden oder das Gefühl von Verpflichtung auf Lebenszeit haben.“

    Wie Ehrenamt künftig attraktiv gestaltet werden kann – für Heth ein weiteres Beispiel dafür, wie Koblenz zum „Zukunftslabor“ werden könnte. Vorurteile müssten dafür überkommen werden. Dass etwa kulturelles Engagement immer noch stark abhängig vom Bildungsniveau wahrgenommen wird, findet Heth schwierig. „Es gibt ja nicht nur Studenten in der Stadt, sondern noch ganz viele andere junge Leute. Diese Barrieren einzureißen und einen echten Austausch zu fördern, ist erstrebenswert.“ Nur in soziodemografischen Gruppen zu denken, führt für sie nicht zum Ziel; vielmehr sollten gemeinsame Bedürfnisse, Ziele und Wünsche zum verbindenden Element werden. Sowohl praktische Räume als auch Denkräume gemeinsam zu nutzen, sich zu vernetzen, auszutauschen – für sie notwendige Bausteine im Puzzle Stadtentwicklung und Kultur.

    Die wissenschaftliche Kompetenz, die sich vor Ort konzentriert, sollte daher auch nicht länger als Elfenbeindisziplin betrachtet werden, zumal viele junge Kulturangebote in der Stadt eben vor allem auf studentisches Engagement zurückzuführen sind – ein Geben und Nehmen also schon vorhanden ist. Auch deshalb hält es Heth für einen Fehler, dass kulturbezogene Studiengänge wie die Kunstwissenschaft abgewickelt werden. Nicht nur diese Fachrichtung müsste in Koblenz erhalten, sondern weitere kreative Studiengänge am Campus angesiedelt werden. Sicher, eine mutige Forderung, die zeigt, worum es bei einer Kulturhauptstadtbewerbung gehen soll – Koblenz' Stärken und Schwächen zu benennen, das Mögliche zu denken, das große Denken.

    Von unserer Redakteurin Melanie Schröder

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