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    Kann und sollte Koblenz Kulturhauptstadt? Das sagen die OB-Kandidaten

    Am 24. September wird ein neuer Amtsträger für die Stadt Koblenz gewählt. Und der müsste auch eine Bewerbung um den europäischen Titel Kulturhauptstadt 2025 mittragen, wenn sich die Stadt zu einer Bewerbung entschließt – doch wer tut das?

    Wird Koblenz zum Schauplatz internationalen Interesses im Rahmen eines Kulturhauptstadt-Jahres? Dafür bräuchte es zunächst ein Ja zu einer Bewerbung. Der künftige Oberbürgermeister der Stadt müsste dies mitstemmen.
    Wird Koblenz zum Schauplatz internationalen Interesses im Rahmen eines Kulturhauptstadt-Jahres? Dafür bräuchte es zunächst ein Ja zu einer Bewerbung. Der künftige Oberbürgermeister der Stadt müsste dies mitstemmen.
    Foto: Sascha Ditscher

    Es geht ein Ruck durch die Stadt: Eine mögliche Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt 2025 ist in aller Munde, für eine RZ-Serie besprechen wir mit Akteuren über Ideen, Potenziale und die Sinnhaftigkeit einer Bewerbung. Auch die Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters (OB) diskutieren, ob sich Koblenz in die Bewerbungsphase stürzen sollte. Bis Mitte 2019 müsste die Bewerbung bei der EU eingereicht werden. Der nächste OB müsste die Anstrengungen einer Bewerbung mitstemmen. Die OB-Wahl findet an diesem Sonntag statt.

    Der scheidende Amtsträger Joachim Hofmann-Göttig ist bereits aktiv geworden. Er forderte im August, dass die Bewerbungskosten nicht als freiwillige Leistungen gelten, sondern im Nachtragshaushalt 2017 eingestellt werden. Wie die Kandidaten zur Causa Kulturhauptstadt stehen, verraten sie im Kurzinterview.

    Folgende Fragen haben wir den vier OB-Kandidaten gestellt:

    1. Koblenz erwägt eine Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025. Dieses Vorhaben würde in Ihre Amtszeit fallen, würden Sie die OB-Wahl für sich entscheiden. Wie würden Sie das Projekt  Kulturhauptstadt 2025 unterstützen – und warum?
    2. Was könnte aus Ihrer Sicht auch gegen eine Bewerbung sprechen?
    3. Welche koblenzspezifische Leitidee würden Sie in den Mittelpunkt einer Bewerbung stellen?

    CDU-Mitglied aber unabhängiger OB-Kandidat: Bert Flöck.
    CDU-Mitglied aber unabhängiger OB-Kandidat: Bert Flöck.
    Foto: Sascha Ditscher

    Bert Flöck: Das Amt des Baudezernenten hat Flöck aktuell inne, sein beruflicher Werdegang führte ihn durch diverse Verwaltungsstellen. Er leitete unter anderem das Kulturamt, die Koblenz-Touristik sowie das Haupt- und Personalamt. Das CDU-Mitglied tritt bei der Wahl parteiunabhängig an.

    Frage 1: Es gibt mehrere Gründe für Koblenz, sich als Kulturhauptstadt Europas zu bewerben. Eine Zuerkennung des Titels setzt auch voraus, dass bis 2025 in die kulturelle Infrastruktur investiert wird. Es können so über einen kurzen Zeitraum sehr viele Kräfte und Mittel gebündelt werden. Es werden damit Werte geschaffen, die sich weit über das eigentliche Kulturhauptstadtjahr hinaus positiv für die Stadt auswirken. Diese positiven Effekte hat die Bundesgartenschau 2011 im Nachgang eindrucksvoll bewiesen. Weiterhin würde Koblenz in den internationalen Fokus rücken, was für den Tourismus und das Stadtmarketing sehr positiv wäre. Das gilt im Übrigen schon für den Bewerbungsprozess, unabhängig davon, ob Koblenz den Zuschlag erhält. Ich würde mich als Oberbürgermeister zusammen mit der Kulturdezernentin als Motor sehen, der durch sein Engagement die hohe Bedeutung für die Stadt zum Ausdruck bringt.

    Frage 2: Gegen eine Bewerbung spricht aus meiner Sicht nichts. Natürlich werden zusätzliche Mittel erforderlich. Ich bin überzeugt, dass dies gut investiertes Geld ist. Auch hier sehe ich eine Parallele zur Bundesgartenschau. Ich sage bewusst zusätzliche Mittel, da für mich auf keinen Fall akzeptabel wäre, wenn wir bei den kulturellen Einrichtungen und Projekten die erforderlichen Mittel einsparen müssten oder gezwungen wären, Steuern zu erhöhen. Insoweit hoffe ich hier auf ein klares Signal der finanziellen Unterstützung des Landes und ein entsprechendes Verhalten unserer Aufsichtsbehörde.

    Frage 3: Der Rhein als Europa verbindendes Element oder die Kultur- und Festungsstadt Koblenz könnten aus meiner Sicht geeignet sein. Für mich ist wichtig, dass die Bevölkerung, die Kulturschaffenden und Institutionen in den Entwicklungsprozess eingebunden werden. Nur wenn diese den Gedanken und die Leitidee einer Kulturhauptstadt mitentwickeln und mittragen, kann ein solches Projekt erfolgreich werden. Klar ist, dass die Leitidee unsere kulturelle Identität ausdrückt und einen Bezug zu Europa hat. Sie muss zukunftsgerichtet sein.

    SPD-Mitglied aber unabhängiger OB-Kandidat: David Langner.
    SPD-Mitglied aber unabhängiger OB-Kandidat: David Langner.
    Foto: Sascha Ditscher

    David Langner: Seit 1994 ist er Mitglied der SPD, tritt jedoch bei der OB-Wahl parteiunabhängig an: Langner studierte Politik- und Literaturwissenschaft, schaffte mit 30 den Sprung in die Landespolitik. Aktuell ist er Staatssekretär im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie.

    Frage 1: Ich halte die Bewerbung für eine riesige Chance, unsere Stadt nachhaltig zu entwickeln – weit über den eigentlichen kulturellen Bereich hinaus. So könnten wir zum Beispiel auch dringend benötigten zusätzlichen Wohnraum unter dem Aspekt der Baukultur gewinnen. Als Oberbürgermeister von Koblenz würde ich die Akteure in der Stadt eng miteinander vernetzen und einbinden, die Bürgerinnen und Bürger einbeziehen sowie meine Kontakte nach Mainz nutzen und dort um Unterstützung werben. 

    Frage 2: Gegen eine Bewerbung spricht aus meiner Sicht nichts, weil wir auch auf dem Weg erreichen können, dass sich das Kulturangebot nochmals verbessert, wir einzelne Akteure und Initiativen besser verzahnen und uns auch mit der Region besser abstimmen können.

    Frage 3: Den Gedanken „Krieg und Frieden“ in den Mittelpunkt zu stellen, halte ich für sehr gut. Von den Römern über die Festungsanlagen der Preußen bis hin zur jüngsten Geschichte der Bundeswehr ließen sich dort einige Anknüpfungspunkte finden. Im Herzen Europas hat unsere Stadt vieles erlebt und durchlitten. Daraus die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen, ist für mich ein stimmiges Konzept.

    FDP-Kandidat für die Koblenzer OB-Wahl: Torsten Schupp.
    FDP-Kandidat für die Koblenzer OB-Wahl: Torsten Schupp.
    Foto: Privat

    Torsten Schupp: Er ist ein politischer Quereinsteiger, von Berufs wegen her ist Schupp Friseurmeister, zudem Partysänger und DJ. Er brachte es vom Geschäftsführer der FDP-Fraktion 2009 zum Ratsmitglied. Im Stadtrat ist er Vorsitzender einer Zweierfraktion. Er tritt als OB-Kandidat für die FDP an.

    Frage 1: Selbstverständlich würde ich als erster Bürger der Stadt die Bewerbung als Kulturhauptstadt mit allen Mitteln, die einem Oberbürgermeister zur Verfügung stehen, unterstützen. Bereits mit der Bundesgartenschau konnten wir erleben, welch einen Schub diese Gartenschau nicht nur für Koblenz gebracht hat. Die Bundesgartenschau war ein Investitionsmotor für die ganze Region. Knapp 500 Millionen Euro wurden in der Region im Zusammenhang mit der Bundesgartenschau 2011 investiert. So wie zur Bundesgartenschau könnten auch im Rahmen der Kulturhauptstadt 2025 viele nachhaltige Projekte auf den Weg gebracht beziehungsweise abgeschlossen werden.

    Frage 2: Die Kosten! Daher muss im Vorfeld ganz klar mit dem Land Rheinland-Pfalz geregelt sein: Wenn wir uns als Kulturhauptstadt bewerben und gegebenenfalls den Zuschlag dafür erhalten, darf dies nicht dazu führen, dass uns die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion die Haushalte nicht genehmigt. Außerdem erwarte ich vom Land eine ausreichende finanzielle Unterstützung.

    Frage 3: 2025 wären 60 Jahre, nachdem Koblenz erstmals über 100 000 Einwohner kam und Großstadt wurde. Das Thema „Von der Großfestung zur Großstadt“ bringt an sich bereits viele kulturelle Themen mit sich. Natürlich sind die Festungsanlagen Feste Franz, Fort Konstantin, Fort Asterstein und Ehrenbreitstein ein kulturelles Pfund, das unbedingt einzubinden ist und mit dem wir unter allen anderen Bewerbern über ein geschichtliches und kulturelles Alleinstellungsmerkmal verfügen. Auch das Thema Wasser/Flüsse bietet viel Platz für Kultur. Vielleicht könnte man in diesem Zusammenhang auch noch einmal(ig) die Sommerfestspiele auf der Rheinlache (Sommer-Operette) aufleben lassen. Hier müssten natürlich die Anwohner mitgenommen werden. Ebenso würde ich das Projekt meines Friseurkollegen Oliver Zimmermann, „Christo für Koblenz“, unterstützen. Allein dieses Projekt würde unserer Stadt eine weltweite Aufmerksamkeit verschaffen.

    OB-Kandidat für Bündnis 90/Die Grünen: Hans-Peter Ackermann.
    OB-Kandidat für Bündnis 90/Die Grünen: Hans-Peter Ackermann.
    Foto: Sascha Ditscher

    Hans-Peter Ackermann: Auf fast 20 Jahre Arbeit im Stadtrat kann Ackermann zurückblicken – eine kommunalpolitische Biografie, zu der ihn nach eigener Aussage „urgrüne“ Themen führten. Der Diplom-Betriebswirt tritt als OB-Kandidat für Bündnis 90/Die GRÜNEN an. Zudem betreibt er in Güls ein Gasthaus.

    Frage 1: Ich würde mich für eine Bewerbung der Stadt Koblenz entscheiden. Ich sehe die Bewerbung selbst als gute Marketingmaßnahme. Wenn wir den Titel bekämen, würde das der Stadt einen ähnlichen Schub verpassen wie die Bundesgartenschau 2011. Koblenz könnte sich als internationale Stadt präsentieren. Gerade nachdem die Alternative für Deutschland (AfD) hier schon diverse Veranstaltungen der deutschen und europäischen Rechten organisiert hat, würde Koblenz als Kulturhauptstadt ein Zeichen setzen. Generell gilt es, die Bevölkerung mit in die Entscheidungsprozesse rund um die Kulturhauptstadt einzubinden. Ich würde ein hauptamtlich tätiges Gremium einsetzen, welches die neu zu gründenden Agendagruppen koordiniert, deren Vorschläge sammelt und ein nachhaltiges, rundes Konzept entwickelt, wie sich Koblenz für das Jahr als Kulturhauptstadt aufstellt. 

    Frage 2: Gegen eine Bewerbung spricht natürlich das unternehmerische Risiko – wir müssen als Stadt schon für die Bewerbung Investitionen tätigen. Und mit Städten wie Dresden, Chemnitz, Kassel, Hannover und Nürnberg ist die Konkurrenz groß. Aber wie bereits erwähnt, schätze ich die Chancen größer ein als die Risiken.

    Frage 3: Als Ergebnis wünsche ich mir einen Imagewechsel von Koblenz: weg vom Image der Beamten- und Bundeswehrstadt zu mehr Internationalisierung. Koblenz hatte schon immer eine Bedeutung in Europa, Koblenz ist eine der ältesten Städte Deutschlands, Teile von ihr gehören zum Unesco-Welterbe. Das ist unser Trumpf. Wir haben hier viele Kulturdenkmäler: Hier könnte man Geschichte erlebbar machen und moderne Kunst integrieren. Die schon begonnene Wiederbelebung der Festungsanlagen ist dafür ein wichtiger Schritt. Mein Fokus würde auch darauf liegen, die Kreativwirtschaft zu stärken. Koblenz hat eine große Kulturszene, das Potenzial müssen wir nutzen, indem wir ihr Freiräume schaffen. Der zweite Fokus läge auf dem Tourismus: Wir haben als einzige Stadt an Rhein und Mosel ein Alleinstellungsmerkmal. Das spiegelt sich in unseren touristischen Angeboten nicht ausreichend wider. Es fehlt das typische Leben am und vor allem auch auf dem Fluss. 

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