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    Koblenz

    Jungautorin aus der Eifel lässt eine Liebe scheitern: Svenja Gräfen über ihre Generation im Rausch

    Ein Roman wird Sound: Mit ihrem Debüt „Das Rauschen in unseren Köpfen“ legt die gebürtige Rheinland-Pfälzerin Svenja Gräfen eine Collage der Melodien vor. Die 1990 in der Eifel geborene Autorin gastierte jetzt in der Buchhandlung Reuffel, um klingen zu lassen, was mit ihr auch eine ganze Generation umtreibt, einfach weil sie Jugend atmet und am Anfang aller Lebensaufgaben steht: das Scheitern, das Verzagen in der Liebe.

    Svenja Gräfen debütiert mit einem Großstadtroman.
    Svenja Gräfen debütiert mit einem Großstadtroman.
    Foto: Buchhandlung Reuffel

    Ihre „Geschichte einer unmöglichen Liebe“, wie Gräfen sie nennt, ist vorrangig melancholisch. Denn Inspiration schöpfte sie aus einer Phase trauriger Folkmusik, und konkret aus einem Song: „Skinny Love“ von Bon Iver. „Er erzählt, wie es ist, eine Beziehung einzugehen, nicht weil man sich Hals über Kopf ineinander verliebt, sondern weil man Hilfe, weil man Rettung sucht“, sagt sie. Daraus erwachse eine dünne, zerbrechliche Liebe. Und genau so einer setzt sie ihre Protagonisten Lene und Hendrik aus.

    Unverhofft stolpern beide an einem U-Bahnhof ineinander und dann durch eine gemeinsame Zeit. „Sie bleiben aneinander kleben“, lieben sich schon, aber auf eine ohnmächtige Art und Weise, die sie häufig sprachlos macht. So werden Umarmungen und Momente des Sich-ohne-Worte-Verstehens zu ihren Dialogen. Durch dieses Universum schleichen, stürmen und fallen sie in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Gräfens ungestellt direkte und deshalb pointierte Sprache lässt die Sätze ihrer Kapitel mal kriechen, mal hasten, etwa durch rege Assoziationsketten oder sich Zeit nehmende Situationsbeschreibungen, die die verrauchten Kulissen studentischer Küchen schmecken lassen. Es ist auch die Melodie einer Poetry-Slammerin, die in den Roman drängt.

    Jahre hat sie als Alltagspoetin auf den Bühnen Deutschlands Texte vorgetragen und Erfahrungen gesammelt, merklich: Das Publikum darf sich über eine ausdrucksstarke Leserin freuen, die zudem sympathisch unkompliziert auftritt. Offen gesteht sie: „Von Poetry-Slams bin ich gewohnt, nicht allein den Abend schmeißen zu müssen“, um daraufhin klarzustellen: „Immer, wenn ich das Buch mit großer Geste zusammenklappe, dürfen Sie husten, tuscheln, klatschen oder in Ihren Taschen kramen.“ Ihre Zuhörer entscheiden sich für Applaus.

    Ausgewählt hat Gräfen einzig Kapitel, die die Liebesgeschichte zwischen Lene und Hendrik umreißen und auf ihren Zerfall hinweisen. Eine Ex und eine Angststörung, ja Panik, stellen sie auf die Probe. Nicht selten ertränken die beiden diese Probleme in Klubs zu wummernden Bässen, die vergessen machen und zum wiederkehrenden Begleitton des Romans werden. Auf der Taxifahrt nach Hause ist es dann Phil Collins' Song „In the Air Tonight“ – ein Fingerzeig auf den Sound der Elterngeneration. Die bildet die Nebenstränge des Romans. Sowohl Lenes als auch Hendriks Familiengeschichte legen offen, wo manche Probleme der Jetztzeit wurzeln könnten.

    Und so überlagern sich die Sounds zu einem Rauschen über 240 Seiten. Es ist die Stärke Gräfens, diesen Klang zu treffen. Dass es manchmal so wirkt, als würden sich ihre Figuren wie unter einer Käseglocke durch die Welt bewegen, vom Leben berauscht und durch die Welt rauschend, ohne selbst je zu konkret Handelnden zu werden oder Antworten zu finden, oder sie auch nur finden zu wollen, wird dem Titel gerecht, irritiert aber auch.

    „Das Rauschen in unseren Köpfen“ zieht vorbei wie das Nebenbei-Medium Radio, rein und wieder raus, wenn man nicht konzentriert ist. Ob das der etwas apathisch anmutende Sound ihrer Generation ist? „Das würde ich nicht so dogmatisch sehen. Der Roman ist auch zuversichtlich“, sagt Gräfen. Diese Klangfarbe lässt sich nur beim Lesen entdecken.

    Von unserer Redakteurin Melanie Schröder

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