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Remagen

Im Rausch der Farben: Arp Museum startet in die neue Saison

Andreas Pecht

Mit einem Tag der offenen Tür bei freiem Eintritt und der Eröffnung zweier neuer Ausstellungen startet das Arp Museum in Remagen-Rolandseck an diesem Sonntag in seine Saison 2018. Das Motto: "Farbenrausch".

Wie nuancenreich die Gemälde Gotthard Graubners sind – hier "Lapilli" von 1995 -, zeigt sich erst im längeren Hinschauen. Dazu lädt aktuell das Arp Museum ein.
Wie nuancenreich die Gemälde Gotthard Graubners sind – hier "Lapilli" von 1995 -, zeigt sich erst im längeren Hinschauen. Dazu lädt aktuell das Arp Museum ein.

Nachdem das Arp Museum 2017 mit Henry Moores Großplastiken die erfolgreichste Einzelpräsentation (75 000 Besucher) seiner zehnjährigen Geschichte verzeichnen konnte, steht das neue Jahr unter dem Leitmotto „Farbenrausch“. Eines der Zentren bildet ganzjährig die jetzt beginnende Schau „Gotthard Graubner. Mit den Bildern atmen“. Bis Mitte des Jahres widmet sich parallel eine kleine Kabinettausstellung der kreativen Freundschaft zwischen Kurt Schwitters und Hans Arp.

Fast jeder hierzulande hat schon einmal ein Kunstwerk Graubners gesehen. Denn zwei sehr große, „Begegnungen“ betitelte Bilder von ihm hängen seit 1988 im Schloss Bellevue, dem Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten. Und meist, wenn das Staatsoberhaupt dort vor die Kameras tritt, füllt abstrakte, farbintensive Graubner-Kunst einen Teil des Hintergrundes. Das Arp Museum hat nun die erste große Einzelausstellung nach dem Tod des rheinischen Modernekünstlers 2013 auf die Beine gestellt. 51 Arbeiten des Mannes, der 20 Jahre Professor für freie Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf war und auf der Museumsinsel Hombroich lebte, umreißen die Schwerpunkte seines Œuvres.

Weitere Infos im Internet unter www.arpmuseum.org

Tiefe auf den zweiten Blick

Berühmt ist Graubner vor allem für die sogenannten Farbraumkörper. Mit viel Freiraum im Hauptsaal des Richard-Meier-Baus verteilt, kann jedes Werk dort seine mit wechselndem Tageslicht wechselnde Farb- und Materialwirkung verströmen – sofern der Betrachter sich in Ruhe darauf einlässt. Denn auf den ersten Blick wirken diese Bilder unscheinbar, spielen die meisten nur mit Nuancen einer einzigen Farbe, zeigen etwas verwaschene Oberflächen in Grün oder Blau oder Rosa-Orange oder bräunlich oder schwarz her.
Wer es beim ersten Blick belässt und auf Überwältigung durch Kunst wartet, hat nichts von dieser Ausstellung. Wer mit intellektueller Interpretationslust an Graubner geht, ebenso wenig. Denn diese abstrakten Bilder erzählen nichts, haben kein Thema und keinen Gegenstand als nur die Farbe und das Trägermaterial selbst. Der Künstler tat, wonach ihm war, oder was er glaubte, tun zu müssen. Dem Publikum ersteht daraus ein Angebot zur individuellen Versenkung, Kontemplation, Meditation beim Betrachten.

Schon die Bezeichnung „Farbraumkörper“ oder auch „Objekt-Bilder“ weist auf eine Eigentümlichkeit dieses Œuvres hin. Es handelt sich da nicht einfach um zweidimensionale Gemälde. Graubner hat vielmehr Leinwand, Papier oder Perlonstoff über verschieden dicke Lagen aus synthetischer Watte gespannt und darauf mit Pinsel, Besen, Lappen, Schwamm etliche Schichten unterschiedlicher Farben aufgebracht. Jedes nun wie ein Kissen weich auch in die dritte Raumdimension greifende Werk ist Ergebnis eines offenen Experiments mit divergierenden Saugkräften des Untergrundes und Konsistenzen der verwendeten Farben.

Auf diese Weise lassen sich denn beim geruhsamen Hinschauen bald Mikrostrukturen, Farbverläufe und -schichtungen, Tiefenwirkungen erkennen, die den Betrachter auf ungeahnte Wege des je eigenen Sinnens und Empfindens locken. Dazu passen geradezu programmatisch jene zehn Schwarz-Weiß-Fotos, die Graubner 1976 in Bhutan machte: Sie zeigen buddhistische Mönche tanzend aktiv und doch in sich versunken.

Schöpferische Freundschaft

Die zweite Ausstellung setzt bis Juni die Reihe „Rendez-vous des amis“ des Museums fort. Angedockt an die Dauerpräsentation über das Werk der Hauspatrone Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp ist ein Kabinett, in dem die 1918 begonnene schöpferische Freundschaft zwischen Arp und Kurt Schwitters thematisiert wird. Schön zu sehen ist, wie der Dadaist Arp und Schwitters als Begründer seiner eigenen Ein-Mann-Bewegung MERZ sich gegenseitig Ideen und Inspirationen zuspielten. Wie die beiden vor allem in Form oft ungewöhnlicher bis witziger Kollagen nach den Schrecken des Ersten Weltkrieges „aus Kaputtem etwas Neues“ machten. Ähnlich der Dada-Ausstellung 2016 irritiert allerdings auch bei dieser Präsentation der distanzierte akademische Ernst der Ausstellungsmacher etwas, der zum übermütigen, ja anarchischen Charakter jenes Rendezvous nicht recht passen will.

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