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Koblenz

Die Jagd nach Renz wird zur Mystery-Tour Koblenz

Koblenz neu erleben: Im Mai startet ein Hörspiel zum Mitnehmen, bei dem die Teilnehmer durch die Altstadt hetzen. Sie suchen den merkwürdigen Wisssenschaftler Christian Renz. Doch Vorsicht: Die Jagd nach Renz ist nichts für schwache Nerven.

Schummrige Umgebung, zwielichtige Gestalten – und eine vermisste Person: Wo ist Renz? Die Suche nach dem geheimnisvollen Wissenschaftler gibt den Handlungsrahmen für die neue Mystery-Audiotour durch Koblenz vor, die im Mai startet. Per MP3-Player werden die Teilnehmer geführt. 
Foto: Kosmetschke
Schummrige Umgebung, zwielichtige Gestalten – und eine vermisste Person: Wo ist Renz? Die Suche nach dem geheimnisvollen Wissenschaftler gibt den Handlungsrahmen für die neue Mystery-Audiotour durch Koblenz vor, die im Mai startet. Per MP3-Player werden die Teilnehmer geführt.
Foto: Kosmetschke – Tim Kosmetschke

Koblenz – Wo ist Christian Renz? Und was ist dieser Renz überhaupt für ein Typ? Zwielichtig ist er auf jeden Fall, man sagt, er sei Biologe, kommt aus Koblenz. Jedenfalls ist er verschwunden – unter mysteriösen Umständen. Seit Oktober wird er vermisst. Die Spuren führen nach Koblenz. Und diese Spuren sorgen bei allen, die von ihnen erfahren, für Gänsehaut. Irgendwas ist faul an diesem Renz. Nur was?

Martin Podzun, Initiator der Mystery-Audio-Tour "Schängel-Komplott", verspricht ein besonderes Erlebnis.
Martin Podzun, Initiator der Mystery-Audio-Tour "Schängel-Komplott", verspricht ein besonderes Erlebnis.
Foto: honorarfrei

Von Mai an können sich abenteuerlustige Menschen auf die Spur von Christian Renz begeben. Sie können sich an die Fersen des merkwürdigen Wissenschaftlers heften und quer durch die Koblenzer Altstadt hetzen. Doch Vorsicht: Die Jagd nach Renz ist nichts für schwache Nerven.

Dafür sorgt Martin Podzun, und der freundlich lächelnde junge Koblenzer macht einem eigentlich gar keine Angst. Im Gegenteil: Höchst sympathisch erzählt der Betriebswirt, der bei einer großen Versicherungsgruppe arbeitet, von seinem Projekt. Bald geht es los: Dann startet die Mystery-Audiotour in Koblenz, die Podzun erdacht und mit viel Leidenschaft umgesetzt hat. Titel der kriminalistischen Schnitzeljagd: "Das Schängel-Komplott". "Das Mystery-Thema hat mich schon immer gefesselt", erzählt er. "Und seit gut fünf Jahren arbeite ich daran, so etwas in Koblenz umzusetzen. Endlich ist es geschafft!"

In der Tour steckt Engagement

In den nächsten Tagen startet die Werbung für die Tour, bei der Podzun von der Koblenz-Touristik und einigen Einzelhändlern unterstützt wird, in der aber vor allem ehrenamtliches Engagement steckt. Dann werden in der ganzen Stadt schwarz-gelbe Plakate hängen, darauf das schemenhafte Gesicht des fiktiven Christian Renz und eine Internetadresse. Das Verrätseln gehört zum Konzept, Martin Podzun will neugierig machen. Das Schängel-Komplott richtet sich an Leute, die Lust auf Nervenkitzel haben.

Im Gespräch mit der RZ verrät Martin Podzun ein bisschen mehr – und beobachtet fröhlich-gespannt, wie die Geschichte von Renz beim Gegenüber verfängt. Immer wieder fällt er in den Erzählton, rezitiert kurze Passagen aus dem Text der Audiotour. Da wird der Teilnehmer von der Stimme Renz‘ angesprochen: "Schau dich um. Was siehst du? Getarntes Wachpersonal? Nimm dich in Acht vor blauen Hemden. Siehst du Gestalten mit eckigen Objekten in den Taschen? Dubiose Typen mit Rucksäcken? Wer beobachtet dich im Vorbeigehen? Wer von ihnen versucht, besonders unauffällig zu wirken? Schau in ihre Gesichter. Geh dicht an der Wand entlang. So unterlaufen wir den Blickwinkel der Kamera." Wer Podzun so zuhört, kann sich vorstellen, wie sich Paranoia anfühlt.

Was muss man sich unter einer Audiotour vorstellen? Das Prinzip ist recht einfach: Podzun hat einen Text geschrieben, der die fiktive Geschichte von Christian Renz mit einer Route, einem Fußweg durch die Altstadt verknüpft. Wer sich auf das Abenteuer Schängel-Komplott einlässt, leiht einen MP3-Player, auf dem ein professioneller Schauspieler den Text aufgesprochen hat. Sphärische, nervenaufreibende, auch mal entspannende Musik macht das Hörerlebnis perfekt.

Am Startpunkt Jesuitenplatz drückt der Tour-Teilnehmer, der entweder solo oder mit einem Partner unterwegs ist, auf "Play". Und dann führt ihn die Stimme im Ohr durch Koblenz. Nach und nach gerät der Teilnehmer dann in den Sog der Geschichte. "Realität und Fiktion überlagern sich, die Passanten werden unfreiwillig und, ohne dass sie es merken, zu Statisten in einem Hörspiel, das nur der Träger des MP3-Players erlebt", verspricht Podzun ein spannendes Erlebnis.

Und noch mehr: "Normalerweise gehen wir immer auf denselben Wegen durch die Stadt. Dabei kann es sich lohnen, mal nach oben zu schauen oder anders abzubiegen." Wer die Audiotour mitmacht, der wird Koblenz "mit anderen Augen sehen", wie Podzun glaubt. Es geht durch Tiefgaragen und Nebengassen, auch mal über Hinterhöfe. "Alles ist öffentlich zugänglich, niemand muss irgendwo rein, wo man nicht rein darf", sagt der Initiator des Projekts.

Man muss nicht rennen können

Man muss auch nicht über eine besonders ausgeprägte Fitness verfügen. Um die Tour in der geplanten Stunde zu schaffen, muss man nicht schnell laufen oder gar vor irgendetwas wegrennen. Außer vielleicht vor seinem selbst gemachten Grusel, denn alles spielt sich in der Fantasie ab.

Die wird allerdings ordentlich gefordert. Renz, so viel stellt sich nach und nach heraus, hat etwas auf dem Kerbholz. Er war an irgendwelchen Experimenten mit einer Droge namens Mnemosyne beteiligt und musste offenbar untertauchen. In Koblenz scheint es unterirdische Laboratorien zu geben, betrieben von einem – wie es sich für Verschwörungstheorien gehört – nicht näher beschriebenen "System", von dem auf jeden Fall eine subtile Gefahr ausgeht. Renz habe, so die Legende, seinem Sohn einen MP3-Player mit Informationen geschickt. Kurz darauf verschwand der Sohn. Ob die Tourteilnehmer als Träger eines solchen Players nun auch in Gefahr sind?

Das anonyme System verfügt jedenfalls über eine Menge Sicherheitsanlagen, über Kameras, Schranken, Gitter und Antennen. Die Stimme im Ohr weist den Tour-Teilnehmer auf solche real existierenden Anlagen hin – im Kopf des Teilnehmers setzt sich ein Bild zusammen, er stellt die Realität und vielleicht sogar sich selbst infrage. "Man muss sich natürlich drauf einlassen", sagt Podzun.

Genre-Vorbilder aus dem Kino

"Nicht alle Handlungsfäden werden aufgelöst, das ist keine Geschichte, die stringent von A nach B führt." Podzun verweist auf Vorbilder aus dem Genre Conspiracy, etwa auf den Film "eXistenZ" von David Cronenberg oder auch den Oscar-Hit "Inception" von Christopher Nolan. Auch die "Matrix"-Filme funktionieren auf vergleichbare Weise – eine Science-Fiction-Scheinwelt existiert neben der realen Welt. Oder mittendrin.

Es gibt mehr Dinge zwischen Mosel und Rhein, als die Schulweisheit sich erträumen lässt – zumindest für alle, die sich auf das Wagnis Schängel-Komplott einlassen. "Das Ziel ist es, Emotionen zu erzeugen", sagt Martin Podzun. Und diesen Renz zu finden. Diesen seltsamen Renz …

Von unserem Redakteur Tim Kosmetschke

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