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    Koblenz

    Der Traum von Freiheit

    Was einer tut, der eingesperrt ist? Er stiehlt sich fort in Gedanken. Genau das hat auch Dorél Dobocan getan, als er in seinem Heimatland Rumänien unter dem Diktator Nicolae Ceausescu versuchte, als Künstler zu überleben.

    Der Traum von Freiheit
    Gemalte Entgrenzung: In „Irrtum des Zauberers“ ziehen Wolken mitten durchs Zimmer.
    Foto: Museum

    Von unserer Redakteurin Nicole Mieding

    Koblenz - Was einer tut, der eingesperrt ist? Er stiehlt sich fort in Gedanken. Genau das hat auch Dorél Dobocan getan, als er in seinem Heimatland Rumänien unter dem Diktator Nicolae Ceausescu versuchte, als Künstler zu überleben.

    Weil er nicht sagen durfte, was er zu sagen hatte, fand Dobocan sein malerisches Ausdrucksmittel, indem er sich in Symbole und Metaphern flüchtete. Weil eben „der Mond oder ein Papierflieger auch für einen Diktator unverfänglich ist“, wie er sagt. Bis heute hat sich der seit 1978 in Mainz lebende Künstler diesen Stil bewahrt: Die Gemälde des 59-Jährigen zeigen surreale Welten, in denen der Traum von Freiheit doch immer offenbar ist. „Frei(t)räume“ heißt darum auch die Ausstellung, mit der die Stadt Koblenz am Samstag um 11 Uhr ihr neues Justizzentrum einweiht.

    Zentrales Motiv der rund 45 Gemälde, die im Erdgeschoss des Behördenneubaus Flur und Foyer schmücken, ist der Himmel. Denn über den Wolken ist eben nicht nur für Reinhard Mey die Freiheit grenzenlos. Wenn Dobocan nach einem Fluchtversuch wieder einmal ins Gefängnis gesperrt wurde, blieb ihm als einzige Aussicht der Himmel. Sofern er nicht in Isolationshaft saß und die winzige Zelle mit einem kleinen Oberlicht ausgestattet war, zogen an dem Fensterschlitz ab und zu ein paar Wolken vorbei, und der politische Häftling schaute auf diesen kleinen blauen Flicken, von dem er doch wusste, dass er unendlich war.

    Die in Gefangenschaft erlebte Situation findet sich in vielen Bildern des Malers wieder. So quellen in seinem Gemälde „Zimmer mit Aussicht“ dicke, strahlend weiße Wolken durchs Fenster. Kuschelig wie ein warmes Federbett stehen sie in klarem Kontrast zur Kühle und Kargheit des Raumes. Aus der Darstellung spricht die große Sehnsucht eines Eingeschlossenen, der sich wünscht, in Kontakt mit dem Draußen zu sein. Und der sich wünscht, die Welt käme zu ihm herein. Auch „Der freie Raum“ ist ein solcher Traum. In dem Ölgemälde ziehen Schäfchenwolken durch ein Zimmer, durch dessen Fenster lockt von draußen eine sanft geschwungene Landschaft in verheißungsvollem Grün.

    „Eine Zelle ist für mich etwas Vertrautes“, erzählt der Maler, der zur Eröffnung seiner Ausstellung nach Koblenz gekommen ist. Er war „15 Jahre Opfer einer Justiz, die weder Recht noch Menschenrechte kannte“. Umso mehr empfindet Dobocan es heute als Genugtuung, seine Kunst in einem Gebäude zu zeigen, in dem „Bürger ihre Grundrechte geltend machen können“, wie der rheinland-pfälzische Justizminister Heinz Georg Bamberger betonte.

    Auch wenn Dobocan längst in Freiheit lebt – das Gefühl des Eingesperrtseins schleppt er auch mit knapp 60 Jahren noch mit sich herum, wie er sagt. In Koblenz hat er seine Erinnerungen an die Haft ganz konkret verarbeitet, indem er im Justizzentrum eine Isolierzelle zum Kunstraum umfunktioniert hat. Der liegt hinter einer schweren Eisentür. Eine kleine Luke darin steht offen und erlaubt durch einen verglasten Sehschlitz den Blick nach drinnen. Es ist dunkel, aber an der Wand direkt gegenüber hängt ein Gemälde, auf dem ein Papierflieger über Wolken segelt. Das gemalte Fenster nach draußen ist ein heller Hoffnungsschimmer. Und sein Verfasser der lebendige Beweis dafür, dass Kunst ein wertvoller Freiraum ist und die Fantasie sich über jede Grenze hinwegsetzt.

    Z Die Ausstellung „frei(t)räume“ öffnet an diesem Sonntag, 6. Februar, 11 Uhr, und ist bis zum 27. März im neuen Justizzentrum während der Dienstzeiten zu sehen: Mo bis Do 8–16.30 Uhr und Fr 8–13 Uhr sowie nach Vereinbarung, der Eintritt ist frei. Begleitend zeigt das Mittelrhein-Museum im Rahmen der Schau „Menschenbilder“ im Gewölbekeller Zeichnungen von Dorél Dobocan, geöffnet Di bis Sa 10.30–17 Uhr, So u.Feiertag 11–18 Uhr, Eintritt 3,50 Euro

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