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Koblenz

Das Leben ist besser, wenn man sich verhört

"Man merkt, auch der Schnee hat es langsam satt zu fallen, wenn er gar nicht mehr geräumt wird." Axel Hacke hat eine Begabung: Er erzählt Geschichten, in denen alles eine Seele hat. Im Café Hahn malte er Episoden aus seinen Büchern und Kolumnen jetzt klanglich aus.

Axel Hacke
Axel Hacke bei "Ganz Ohr" im Café Hahn: Der Kolumnist entdeckt das Zauberhafte im Normalen.
Foto: Ganz Ohr/Kai Myller

Koblenz – "Man merkt, auch der Schnee hat es langsam satt zu fallen, wenn er gar nicht mehr geräumt wird." Axel Hacke hat eine Begabung, die in Zeiten von Chat und SMS selten geworden ist: Er erzählt Geschichten, in denen alles eine Seele hat, alles mit einem sympathischen Gesicht versehen wird und der Erzählung Farbe und Nachhaltigkeit gibt. Im Café Hahn malte er viele Episoden aus seinen Büchern und Kolumnen klanglich so schön aus, dass sie bereits die Runde in den Büros und Kaffeekränzchen der Region machen dürften.

Das Geheimnis seines Erfolgs ist nicht der platte Witz, sondern die liebenswerten Absurditäten, die der Alltag reihenweise bereithält - wenn man nur genau hinschaut: Da ist der Vater, der sich in Notlügen verstrickt, weil er den Nimbus des Alleswissers vor dem Sohn nicht einbüßen will. Wie ist das denn nun mit den Flamingos? Können die nicht fliegen und wenn doch, warum sind sie dann immer noch im Münchner Zoo zu finden? Eltern wissen genau, mit welch erbarmungsloser Logik ein Kind nachhaken kann. Hacke hat derer gleich vier zu Hause.

Man kann sich so schön in Hackes Geschichten und Stimme hineinfühlen: Ausgehend von einer absurden Begebenheit - nehmen wir zum Beispiel Raben, die Nüsse auf die Straße fallen lassen, damit darüberrollende Autos sie aufknacken - lässt der 54-Jährige vor den Augen der Zuhörer einen Film ablaufen, der seinen Charme daraus zieht, dass er eben nicht übertreibt, sondern Schritt für Schritt auf jener Absurdität aufbaut. "Sicherer ist es natürlich, wenn sie die Nüsse über einer Ampel abwerfen und sie dann nur in der Grünphase fressen", fabuliert Hacke, um sich zugleich auf die internationale Ebene aufzuschwingen: "Englische Raben würden sich natürlich anstellen, arabische ihre Nüsse lieber aufsprengen." Bildlicher geht Vorlesen kaum.

Perfektioniert hat er diese gemeinsame Reise mit seinem Publikum mit falsch gehörten Liedtexten: "Der missverstandene Text ist ohnehin besser und fantasievoller", bilanziert er aus zahlreichen Leserzuschriften, in denen ihm diese von falschem Liedgut berichten, das sie über Jahre mit sich rumschleppten. Da trällert Howard Carpendale von "Schweinespuren im Sand", Hilde Knef gibt sich in den Wünschen ihrer unaufmerksamen Zuhörer tierlieb: "Für mich soll"s rote Rosen regnen, mir sollten sämtliche Hunde begegnen ..." Ohnehin neigten die Deutschen dazu, Tiere in Lieder hineinzuhören.

Jeder hört eben das, was ihm gerade am besten passt. So wie der Junge, der sich auf den Besuch des "Erdbeerschorschs" am nächsten Tag in der Schule freute. Dieser entpuppte sich auf Nachfrage der Mutter bei der Lehrerin zwar als Erzbischof - doch zur Erheiterung ganzer Säle taugt er allemal. Halleluja! Peter Lausmann

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