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Koblenz

Beglückendes Finale, starke Saison: Krönender Abschluss der Anrechtskonzerte

Andreas Pecht

Mit einem aufrührenden Ausrufezeichen zum Saisonschluss entließ das Koblenzer Musik-Institut am Wochenende sein Publikum in den Sommer. Beglückung, Gänsehaut hier, gar ein Tränchen da.

Hat das örtliche Publikum in nur einer Spielzeit für sich eingenommen: Garry Walker, neuer Chefdirigent der Rheinischen Philharmonie.
Hat das örtliche Publikum in nur einer Spielzeit für sich eingenommen: Garry Walker, neuer Chefdirigent der Rheinischen Philharmonie.
Foto: Thomas Frey

„Das große Tor von Kiew“, finaler Teil von Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“, setzte mit seiner zu Herzen gehenden, jubilierend-harmonischen Klangpracht den Anrechtskonzerten des Musik-Instituts 2017/18 den rechten Schlussakkord. Denn es war eine starke Spielzeit.

Nicht nur der Intendant des Instituts ist weit mehr als zufrieden. Dr. Olaf Theisen spricht von einer „musikalisch enorm spannenden Saison“, vom „beeindruckenden Ankommen Garry Walkers“, des neuen Chefdirigenten der Rheinischen Philharmonie. Er spricht von seiner Freude darüber, dass das Publikum sich auch für Werke jüngerer Zeit offen zeigte, und selbstredend darüber, dass alle zehn Konzerte bestens besucht, viele ausverkauft waren. Theisen ist glücklich, dass der Chor des Musik-Instituts unter Matthias Breitschaft eine sehr gute Entwicklung nimmt und dass das Beethoven Orchester Bonn als traditioneller Gast beim Musik-Institut seit Generationen mit seinem neuem Chef Dirk Kaftan den Durchhänger der Vorjahre überwunden hat.

Spielkultur der Rheinischen fortentwickelt

Wer mag, kann die 15 Teile der 1874 von einer Ausstellung mit Gemälden Viktor Hartmanns inspirierten Mussorgski-Komposition als bilanzierenden Beleg dessen auffassen, wie Garry Walker in seinem ersten Koblenzer Jahr die ohnehin hohe Spielkultur der Rheinischen auf eigene Weise fortentwickelt hat. Natürlich wird die berühmte Orchesterbearbeitung von Maurice Ravel gegeben – die in der Rhein-Mosel-Halle erklingt als einerseits glasklare, maximal disziplinierte Realisation, die andererseits in feinster, oft verspielter, launiger, vielfarbig-trefflicher Gefühlsmusikalität durch den so weit gefächerten Ausdruckskosmos der „Bilder einer Ausstellung“ flaniert, schwebt, trottet, marschiert, tanzt.

Wohlkalkulierte Leichtigkeit bis hin zum verschmitzten Spielwitz, Entwicklung des Klangs aus der Stille heraus und Beeindruckung eher durch bezauberndes Pianissimo denn überwältigendes Fortissimo, Gefasstheit, Klarheit, Durchhörbarkeit auch bei extrem komplexen oder wild aufschäumenden Kompositionen: Mit solcher Manier hat Walker das Publikum binnen einer Saison für sich eingenommen.

Hochkarätiger Solist vervollkommenet den Abend

Dieser Linie folgen er und die Rheinische auch im ersten Abendteil. Das geht zum Auftakt mit Sergej Prokofjews Tanzsuite aus „Lieutenant Kijé“ noch leicht von der Hand. Das wird anschließend bei Sergej Rachmaninows Rhapsodie über ein Thema von Pagagnini für Klavier und Orchester (op. 43) zur kniffeligen, ja durchaus anstrengenden Herausforderung. Hochkarätiger Solist ist mit zupackendem Spiel Alexej Gorlatsch. Der 29-jährige Klavierprofessor und ARD-Musikpreisgewinner geht seinen Part mit selbstbewusster Interpretation und einer bravourösen Spieltechnik an, bei der selbst die schnellsten Läufe und wildesten Akkordkaskaden nie verwaschen, sondern jeder Anschlag auch seinen Eigenwert behält.

Die Rhapsodie ist wegen ihrer zwischen Solist und Orchester oft versetzten Rhythmusbetonungen, Vorhalte und komplexen Binnenstrukturen ein für die Musiker enorm schwieriger, mit Stolpersteinen gespickter Weg. Dass die beiden Partner an einigen Stellen kaum die Ideallinie der Gemeinsamkeit finden, ist im regionalen Konzertleben eher die Regel als die Ausnahme. Dass nun in Koblenz bei diesem Werk die Regel seltene Ausnahme bleibt, spricht am Ende einer bemerkenswerten Saison für Reife und Vermögen der Rheinischen Philharmonie unter Garry Walker.

Von unserem Autor Andreas Pecht

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