40.000
Aus unserem Archiv

Kommentar pro: Respekt ist keine Frage des Aussehens

Um es gleich klarzustellen: Ich kann Tattoos nicht leiden, finde sie eher unattraktiv und nicht sonderlich erstrebenswert für meinen eigenen Körper. Doch das ist mein persönlicher Geschmack. Und da sind wir auch bereits beim Kern des Problems: Nur weil ich Tattoos nicht mag oder eine bestimmte Gruppe von Menschen, etwa die vom Psychologen Markus Thielgen befragten 241 Personen, Tattoos mit einer bestimmten Weltsicht verbindet, kann das nicht als Rechtfertigung dienen, Polizisten diesen Körperschmuck zu verbieten. Dies würde ein absurdes Zerrbild von Tattoos fördern, das sich offenbar über Jahrhunderte festgesetzt hat.

Christian Kunst hat nichts gegen Tattoos bei Polizisten

Wollen wir dann auch Deutschtürken oder einem Migranten mit dunkler Hautfarbe untersagen, Polizist zu werden? Auch bei diesen Gesetzeshütern wird man bei Befragungen sicherlich Deutsche finden, die deren Autorität infrage stellen – im schlimmsten Fall, weil sie fremdenfeindlich sind. Natürlich schließen wir diese Menschen nicht vom Polizeidienst aus. Im Gegenteil: Es ist für die Akzeptanz und den Respekt gegenüber Polizisten extrem wichtig, dass sie ein Spiegelbild der Gesellschaft sind. Und dazu gehören farbige Menschen ebenso wie Tattoo-Träger.

Es mag ja sein, dass es im Jahr 1908 gebildete Menschen wie den Wiener Architekten und Designtheoretiker Adolf Loos gegeben hat, die Tattoos als Rückfall in vormoderne Zeiten interpretiert haben. Sollten sich solche gelinde gesagt abstrusen Vorurteile bis heute gehalten haben, dann ist es höchste Zeit, diesen mit realen Erlebnissen zu begegnen. Man schaue sich nur einmal den GSG9-Beamten an, der den mutmaßlichen Mörder von Susanna in die Justizvollzugsanstalt Frankfurt I gebracht hat: Er hat ein Tattoo am muskelbepackten Arm. Ich kenne viele Menschen, denen diese Kombination aus Muskeln, Staatsgewalt und Tattoos gehörigen Respekt einflößt. Doch letztlich gilt: Respekt gewinnt ein Polizist nicht durch sein Aussehen, sondern vor allem durch die Art seines Auftretens – freundlich und bestimmt im Ton sowie konsequent bei der Umsetzung von Recht und Gesetz. Dazu gehört auch die Freiheit, mit seinem Körper machen zu können, was man will – auch wenn dies nicht jedem gefällt.

Kommentar
Meistgelesene Artikel
Anzeige
epaper-startseite
Anzeige
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
  • Lokalticker
  • Regionalsport
  • Newsticker
Das Wetter in der Region
Mittwoch

5°C - 11°C
Donnerstag

3°C - 9°C
Freitag

2°C - 9°C
Samstag

0°C - 7°C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Das Wetter in Koblenz
Mittwoch

4°C - 11°C
Donnerstag

3°C - 9°C
Freitag

2°C - 9°C
Samstag

0°C - 7°C
UMFRAGE
Schnörzen, Dotzen oder Gribschen - Wer tut's noch?

Nach dem Martinszug ziehen die Laternenkinder mit ihren Eltern nochmal los. Sie klingeln an Haustüren, singen Martinslieder und bekommen dafür Mandarinen, Nüsse oder Süßigkeiten. Dieser Brauch heißt je nach Region Schnörzen, Dotzen oder Gribschen. Aber gibt es diese Tradition überhaupt noch?

Anzeige
Wirtschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!