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    Kommentar: Eine radikale Ausweitung der Pfandpflicht wäre völlig verfehlt

    Ein Liebesverhältnis hatten die Deutschen zu ihrem Flaschen- und Dosenpfand nie. Schließlich ist es an vielen Stellen geradezu absurd: Da müssen Verbraucher 25 Cent Pfand für Mineralwasser bezahlen, während die 1,5-Liter-Plastikflasche beim Discounter nur 19 Cent kostet. Für Bierflaschen aus Glas werden 8 Cent fällig, andere sind pfandfrei oder kosten wegen eines Bügelverschlusses extra, auf manche Plastikflaschen werden 15 Cent Pfand erhoben, andere sind wiederum frei. Einen Überblick hat da kaum noch jemand. Und dass selbst große Supermarktketten längst nicht alle Flaschen zurücknehmen müssen, sorgt oft genug für Ärger an den Automaten.

    Jan Drebes kommentiert
    Jan Drebes kommentiert

    Jan Drebes zur geplanten Pfandpflicht für Weinflaschen

    Es ist daher gut und richtig, dass mit der geplanten Reform des Verpackungsgesetzes auch das Pfandsystem überarbeitet wird. Zwar plant Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) leider keine radikale Reform, die endlich mehr Übersicht bringen würde. Aber zumindest dahingehend soll sich etwas ändern, dass Verbraucher beim Einkauf mehr Überblick bekommen, welche Verpackungen Einweg oder Mehrweg sind. Dass Flaschenpfand in manchen Fällen tatsächlich eine positive Wirkung hat, zeigt das Beispiel der PET-Einwegflaschen: Die Rückgabequote der unökologischen Plastikflaschen hat sich mit den erhobenen 25 Cent Pfand deutlich erhöht, sie liegt laut einer Studie für die Deutsche Umwelthilfe sogar bei 99 Prozent. So ergibt eine Pfandpflicht Sinn, mehr Mehrweg sowieso.

    Dass Pfand jedoch nicht die Einwegverpackungen verdrängt, verdeutlichen die Absatzzahlen der Dosenhersteller. Nachdem der frühere Umweltminister Jürgen Trittin mit dem Dosenpfand einst sämtliche Einwegpackungen für Getränke aus den Regalen verbannen wollte, wurden schlagartig tatsächlich weniger Getränkedosen verkauft. Mittlerweile erholen sich die Verkaufszahlen aber wieder, und die Industrie wähnt sich schon auf gutem Weg zu alten Gewinnen.

    Das ist zwar nicht im Sinn der Umwelt. Völlig fehl am Platz wäre jedoch eine radikale Ausweitung der Pfandpflicht, etwa auch auf sämtliche Glasflaschen, wie es die Stellungnahme der Länder im Bundesrat zumindest andeutet. Das ist nicht nur ökologischer Unsinn, da die Milch- und Saftkartons bestens recycelt werden können und es auch beim Altglas kein Umweltproblem gibt. Es wäre auch wegen des deutlich höheren Aufwands für die Entsorger falsch. Zudem würden die steigenden Kosten beim noch aufwendigeren Sortieren der Flaschen wohl schnell für höhere Abfallgebühren sorgen. Glücklicherweise erweist sich der Vorstoß einzelner Bundesländer bisher aber nur als ein Sturm im Weinglas.

    Initiative im Bundesrat: Kommt jetzt eine Pfandpflicht für Weinflaschen?
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