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Brey

Große Baukunst verbirgt sich im Untergrund

Feste Schuhe, Schutzhelme, Taschenlampen – Wanderer, die die römische Wasserleitung in der Nähe von Brey erkunden wollen, müssen sich auf einen abenteuerlichen Abstieg gefasst machen. Vier Meter geht es über schmale Stiege durch eine unscheinbare Luke in die Tiefe.

Foto: Martina Koch

Im Abstand von sechs bis zwölf Metern dringt fahles Tageslicht durch runde Schächte, dazwischen herrscht Dunkelheit und eine Enge, die einen Klaustrophobiker in die Verzweiflung treiben könnte.

Haben sich die Augen an das Halbdunkel gewöhnt, geht es über glitschige Steine im Schneckentempo voran. Unter den Füßen plätschert unaufhörlich das Wasser durch eine schmale steinerne Rinne: 7200 Liter pro Stunde, 170 000 Liter pro Tag. Von wo es kommt und wohin es fließt, bleibt bis heute ein Geheimnis der antiken Römer, die den Aquädukttunnel vor knapp 2000 Jahren durch den Berg trieben. Vermutlich versorgte diese Leitung die Bäder und Gartenanlagen einer nachweislich in der Nähe von Brey gelegenen Villa rustica mit frischem Quellwasser.Das kilometerlange Bauwerk geriet nach dem Ende der römischen Herrschaft lange in Vergessenheit, bis es Bürger, die im Zweiten Weltkrieg Schutz vor Bombenangriffen suchten, wiederentdeckten.

Als Schutzraum ist die Tunnelröhre in der Tat gut geeignet: An vielen Stellen kann ein Erwachsener in ihr bequem aufrecht stehen und die massiv gemauerten Wände scheinen locker noch weitere 2000 Jahre standzuhalten. Bis heute flößt das Bauwerk seinen Besuchern Ehrfurcht ein: Wie unfassbar schwer die römischen Arbeiter geschuftet haben müssen, um diese bis zu zwei Meter breite Röhre ins Gestein zu meißeln – und das alles für ein Gut, für das wir heutzutage nur noch den Wasserhahn aufzudrehen brauchen.

Martina Koch

Anmeldung zu Gruppenführungen zur römischen Wasserleitung bei der Touristeninformation Rhens, Tel. 02628/960 556

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