Bedeutender Medizinerpreis
Nobelpreis statt Nachtruhe: Deisseroth war schon bettfertig
Bekanntgabe Nobelpreis - Physiologie oder Medizin
Karl Deisseroth, einer der drei Preisträger des Nobelpreises für Medizin 2026, telefoniert zu Hause in Stanford, Kalifornien, mit seinem Handy.
Noah Berger. DPA

US-Forscher Deisseroth ist mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet worden. Gerechnet hat er damit nicht, sagt er. Er dachte, als Nächstes stünden Pausenbrote auf dem Programm.

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Stanford (dpa) – Die Nachricht über seinen Medizin-Nobelpreis hat den US-Forscher Karl Deisseroth auf dem Weg ins Bett überrascht. «Ich wollte gerade schlafen gehen, ich war bettfertig», sagte der 54-Jährige, den die Deutsche Presse-Agentur per Telefon an der US-Westküste in Stanford erreichte. Den Anruf habe er um kurz nach Mitternacht Ortszeit erhalten. «Ich wusste, dass ich früh aufstehen musste, um meinen Kindern Pausenbrote zu machen und sie morgens zur Schule zu bringen.»

Deisseroth wurde gemeinsam mit den Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel für ihre Entdeckungen im Bereich lichtgesteuerter Ionenkanäle und Optogenetik ausgezeichnet. Ihn freue besonders, dass die Forscher ihre Arbeit nun einem breiteren Publikum näherbringen können, sagte der Wissenschaftler der Stanford-Universität. «Was diese Art von Wissenschaft über das Gehirn aufklären kann, dürfte meiner Meinung nach jeden interessieren – ob Wissenschaftler oder nicht.»

Auszeichnung sei «unglaublich überraschend und beglückend»

Optogenetik ist eine Methode, mit der sich Zellen – meist Neuronen – mit Hilfe von Licht präzise an- oder abschalten lassen. «Falls man vorher noch Zweifel hatte, kann man jetzt nicht mehr daran zweifeln, dass das Verhalten von Tieren durch die Aktivität klar definierter Zellen gesteuert wird, auf die wir zugreifen können», sagte der Forscher. «Das ist auch philosophisch bedeutsam, weil es zeigt, dass die Biologie allem zugrunde liegt.» Alles, was man sich als Ergebnis der Aktivität des Gehirns vorstellen könne, sei grundsätzlich mit der Optogenetik untersuchbar.

Ein Versuch mit Mäusen hatte etwa gezeigt, dass sich auch aggressives Verhalten auslösen lässt: Eine Maus griff eine andere an. Diese Erkenntnis habe möglicherweise auch Bedeutung für die Menschheit: «Je besser wir verstehen, woher unsere Gefühle kommen, desto mehr Hoffnung haben wir, sie ins Positive zu wenden, Probleme zu überwinden und dort, wo sich Chancen bieten, sie zur Entfaltung zu bringen.»

Die Auszeichnung nannte er «unglaublich überraschend und beglückend». Wie er feiern werde, wisse er bislang nicht. «Aber ich möchte später heute mit den Leuten in meinem Labor zusammenkommen. Ich möchte diese Freude und diesen Moment mit ihnen teilen», sagte der Wissenschaftler. «Außerdem gebe ich gerade in diesem Quartal einen Kurs über Optogenetik. Ich glaube, für die Studierenden könnte das jetzt etwas ganz Besonderes sein.»

© dpa-infocom, dpa:261005-930-792616/1

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