Bakterien und Viren
Im Pool planschen Krankheitserreger immer mit
Im Pool planschen Krankheitserreger immer mit
Kinder stehen in einem Planschbecken.
Sebastian Kahnert. DPA

Schon ein Schluck Poolwasser kann bei Kindern zu Durchfall führen. Kleine Becken im Garten ohne Pumpe sind besonders riskant. Fachleute warnen aber vor Panikmache.

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Lübeck/Kleve (dpa) – Auf der Oberfläche schwimmen tote Insekten sowie Haare und Reste von Sonnenschutzmittel, an den Rändern des Garten-Pools wachsen die ersten grünen Algen. In solchen trüben Becken badet niemand gerne. Doch auch wenn das Wasser noch klar aussieht, können sich darin Mikroorganismen tummeln, die krank machen. Das bedeutet nicht immer gleich, dass jemand auch erkrankt – aber es kann passieren.

Um welche Krankheiten geht es?

Das wohl häufigste Problem sind Darmerkrankungen. Eine jüngst veröffentlichte globale Überblicksstudie zu Schwimmbädern kommt zu dem Schluss, dass Magen-Darm-Probleme vor allem durch Parasiten aus der Gruppe der Kryptosporidien verursacht werden. Diese Einzeller, die Bauchschmerzen, leichten Durchfall und manchmal Fieber auslösen, finden sich auch manchmal in privaten Pools.

Häufiger zu finden sind wahrscheinlich Fäkalkeime wie Enterokokken und Escheria-Coli-Bakterien (E.coli). Sie kommen im Darm vieler Tiere vor, auch im Menschen. Meist sind sie harmlos. Einige E.coli-Bakterien können aber Übelkeit, Durchfall und Fieber verursachen.

Wie gelangen Krankheitserreger in den Pool?

Einige sind bereits im eingelassenen Wasser, das weder aus dem Hahn noch aus dem Grundwasser steril ist – auch wenn es grundsätzlich sehr gering belastet ist. Vor allem kommen Erreger aber durch Urin und Fäkalien der badenden Menschen sowie über Tiere wie etwa über Vogelkot hinein. Manche Mikroorganismen fliegen auch durch die Luft heran.

«Da, wo Wasser ist, ist Leben», sagt Iris Chaberny, Direktorin des Instituts für Krankenhaus- und Umwelthygiene an der Uniklinik Schleswig-Holstein. «Das ist an sich erst einmal nicht schlimm, es muss nicht immer gleich zu Erkrankungen führen. Wir müssen nicht hysterisch werden.»

Wie schlimm belastet sind private Pools?

«Dazu haben wir tatsächlich gar keine Daten», sagt der Mikrobiologe Dirk Bockmühl von der Hochschule Rhein-Waal. «Es gibt schlicht und ergreifend keine Studien dazu.» Das ist anders als bei Schwimmbädern, wo Fachpersonal auf die Wasserqualität achtet, und als bei natürlichen Badegewässern, in denen die Keimbelastung gemessen wird.

Klar ist aber: In vielen Pools finden Mikroorganismen super Voraussetzungen. Ist es warm und die Sonne scheint auf die Oberfläche, erwärmt sich das Poolwasser oft schnell, was die Vermehrung verbessert.

«Es geht auch um Dreck», sagt Bockmühl. «Wenn ein Kind von der Wiese kommt und dann mit den dreckigen Füßen in den Pool steigt, erfolgt ein Eintrag von organischer Substanz. Hinzu kommen solche Sachen wie Sonnencreme, das ist auch eine organische Belastung.» Diese Nährstoffe förderten das Keimwachstum.

Und wie kommen die Erreger in den Menschen?

Eine Studie aus dem Jahr 2017 prüfte, wie viel Schwimmbadwasser Menschen aus Versehen schlucken. Erwachsene Schwimmer in einem Bad in den USA nahmen durchschnittlich zehn Milliliter pro Stunde auf, Kinder etwa viermal so viel. Ein Kind schluckte sogar mehr als einen Viertelliter.

Damit sich jemand infiziert, sei eine bestimmte Dosis nötig, erklärt Bockmühl. Kühlten sich Erwachsene in einem Pool ab, tränken sie das Wasser eher nicht in großen Mengen. «Geht es aber um kleine Kinder, die darin spielen, kann durchaus ein Risiko bestehen.» Auch weil bei ihnen ein gleich große Menge eher zu einer Erkrankung führen könne.

Außerdem gibt es noch eine weitere häufige bakterielle Infektion durch Pools: die Gehörgangsentzündung. Sie wird durch Wasser verursacht, das sich längere Zeit im äußeren Gehörgang befindet und dort den schützenden Ohrschmalz ausschwemmt. «Wir sehen seit Beginn der Hitzewelle vermehrt Gehörgangsentzündungen bei Kindern, die viel getaucht sind», erklärt Tanja Brunnert, Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzt*innen (bvkj). Übertragbar ist diese Infektion aber nicht.

Sieht man dem Wasser an, ob es schädlich ist?

Nicht unbedingt. Sei das Wasser klar, bedeute das nicht, dass keine gefährlichen Mikroorganismen darin lebten, sagt Bockmühl. Umgekehrt aber gelte schon: Stehe das Wasser wochenlang im Pool und sehe schmutzig aus, sei es auch belastet. «Schwimmen dort Blätter und Sonnencreme-Reste, haben die Organismen viele Nährstoffe.»

Wichtig ist bei der Beurteilung auch, ob es sich um kleinere Pools ohne Pumpe und ohne Chlor handelt – dann wird dem Wachstum kaum etwas entgegengesetzt. «Handelt es sich aber um einen Pool, der wunderbar ausgebaut ist mit Desinfektionsanlage und Filteranlage, dürfte das Wasser in Ordnung sein», führt Chaberny aus. Auch Brunnert rät, gerade für Kinder einen Pool zu verwenden, in dem das Wasser aufbereitet wird.

Was können Pool-Besitzer noch tun?

Das Umweltbundesamt empfiehlt, den Pool abzudecken, mit einem Laubkescher zu säubern, die Wände mit Bürsten zu schrubben und das Wasser zu filtern. Auch Chemikalien wie Chlor könnten genutzt werden.

Vor allem bei kleineren Pools müsse aber irgendwann das Wasser erneuert werden. Zum Vergleich: In öffentlichen Bädern werden täglich 30 Liter Wasser je Badegast gegen frisches Wasser ausgetauscht. Das ist natürlich schwierig, wenn – wie gerade in den Städten München und Landau – kein Wasser aus der Leitung für das Befüllen von Pools verwendet werden darf. Andere Gemeinden wie Hille, Hüllhorst, Bad Oeynhausen und Löhne in Ostwestfalen raten wegen des Wassermangels davon ab.

Bockmühl schreibt in seinem Sachbuch «Keim daheim»: Haben Keime kein Wasser, können sie nicht überleben. «Wenn Sie die Burschen loswerden wollen, müssen Sie ihnen den Hahn abdrehen.» Gerade das Wasser von kleinen, aufblasbaren Baby-Planschbecken lasse sich abends wunderbar zum Blumengießen verwenden.

Umweltbundesamt zu Pool-Hygiene

Überblicksstudie zu Ausbrüchen von Infektionskrankheiten durch Pools

Allgemeinverfügung der Stadt München

© dpa-infocom, dpa:260728-930-447583/1

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