Notstand Nur in ihrer Existenz bedrohte Landwirte werden unterstützt - Regional sind die Schäden höchst unterschiedlich
Schäden je nach Region unterschiedlich: Wie der Bund den Dürre-Opfern hilft
Ein Bauer in Brandenburg bringt die neue Rapssaat aus: Vielerorts sind die Böden nach der Hitzephase staubtrocken. Foto: dpa
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Berlin. Ein Notstand nationalen Ausmaßes, Ernteeinbußen in Milliardenhöhe, hohe Belastungen für die Versicherungen – der Dürre-Sommer 2018 ist schon jetzt in die Geschichtsbücher eingegangen. Nun springt der Staat den Not leidenden Landwirten zur Seite.

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Welche Landwirte können auf Nothilfen des Staates hoffen?

Von den insgesamt 340 Millionen Euro werden nur Bauern profitieren, deren Existenz durch die Dürre dieses Sommers bedroht ist. Nach Einschätzung der Länder sind das bundesweit etwa 10.000 Höfe. Das heißt, jeder 25. Betrieb wirtschaftet aktuell im existenziell kritischen Bereich. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner erklärte, es gehe nach „Betroffenheit und Bedürftigkeit“. Die Länder sollen die Betriebe identifizieren, die nach dem Kriterium der Existenznot durch die Dürre der Nothilfe bedürfen. Viehbauern sollen besonders schnell Finanzmittel erhalten können, da vielerorts das Futtermittel knapp ist. Einige Betriebe haben sogar schon begonnen, ihre Viehbestände zu reduzieren. Die Bauern sollen auch schon Zahlungen erhalten können, bevor die Bund-Länder-Vereinbarungen dazu fertig sind.

Werden die Nothilfen des Bundes eine Ausnahme bleiben?

Zuletzt hatte der Bund den Landwirten in dem ebenfalls sehr heißen Sommer 2003 Nothilfen gezahlt. In diesem Jahr ist die Lage für die Bauern allerdings noch kritischer. Es habe die bisher höchste Temperaturanomalie seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881 gegeben, betonte Agrarministerin Klöckner. Da in der Zukunft mit weiteren Wetterextremen zu rechnen ist, werden sich die Landwirte wohl auf ständig wiederkehrende Schäden einstellen müssen. Zurzeit ist ein Modell in der Diskussion, wonach die Landwirte aus ihren Gewinnen steuerfrei Rücklagen bilden dürfen, die sie dann bei Schäden durch Wetterextreme einsetzen könnten.

Welche Regionen in Deutschland sind von den Ernteausfällen besonders betroffen?

Am heftigsten hat die Dürre den Norden und den Osten erwischt. Schleswig-Holstein verzeichnet Ernteeinbußen von 31 Prozent. Unter einem Rückgang von 27 Prozent leiden die Brandenburger Bauern. Es folgen Sachsen-Anhalt mit 26 Prozent und Mecklenburg-Vorpommern mit 25 Prozent. Deutschlandweit gibt es einen Rückgang von knapp 16 Prozent. Bislang sind aber noch nicht alle Erntedaten bekannt. Die Entscheidung Klöckners, von einem Witterungsereignis „nationalen Ausmaßes“ zu sprechen, beruht insbesondere auf den bundesweit geringen Erträgen von Getreide und Winterraps.

Wie sieht die Lage in Rheinland-Pfalz aus?

Rheinland-Pfalz ist von der Dürre nicht so sehr betroffen wie andere Bundesländer. „Die Trockenheit hat bei uns keine existenzbedrohenden Ausmaße angenommen“, berichtet das Wirtschaftsministerium. Die Getreideernte liegt leicht über dem Mittel der vergangenen Jahre, die Preisentwicklung sei erfreulich. Beim Grünland ist die Lage ernster: Der dritte Schnitt war vielerorts unterdurchschnittlich, allerdings waren die beiden ersten Schnitte in der Regel sehr gut. Um dennoch betroffenen Betrieben zu helfen, hat das Land rund 10.000 Hektar ökologische Vorrangflächen zur Futternutzung freigegeben. Am Hilfsprogramm des Bundes wird sich Rheinland-Pfalz allerdings nicht beteiligen. „Die einzelnen Betriebe müssen nachweisen, dass sie wegen der Trockenheit in ihrer Existenz bedroht sind. Somit würde ein Hilfsprogramm in Rheinland-Pfalz ins Leere laufen.“

Wie ist die Lage im nördlichen Rheinland?

Nach vorsichtigen Schätzungen des Rheinischen Landwirtschafts-Verbands (RLV) können weit mehr als 500 Betriebe nun auf Hilfe hoffen. Im Rheinland klagt der RLV insbesondere über Ernteausfälle bei Mais, Grünland und Kartoffeln. Die Zahl der Höfe könnte noch steigen, sollte die Dürre im September weiter anhalten.

Werden die Nothilfen von Bund und Ländern die Sorgen der Bauern zerstreuen?

Nein. Denn es erhalten ja nur die existenziell bedrohten Landwirte zusätzliche Mittel. Zudem haben Bund und Länder einerseits sowie der Bauernverband andererseits unterschiedliche Rechnungen über die Verluste. Während es nach den Daten der Agrarministerien der Länder bei der Getreideernte einen Rückgang von knapp 16 Prozent gab, errechnete der Bauernverband ein Minus von 26 Prozent. Die Bauern hatten ursprünglich Hilfe von 1 Milliarde Euro gefordert. Der RLV fordert deshalb langfristige Lösungen, „um auch in Zukunft besser für Extremwetterereignisse gewappnet zu sein“.

Was schwebt den Verbänden vor?

Die rheinischen Bauern fordern neben einem besseren Versicherungsschutz – wie es ihn etwa in den Niederlanden gibt – auch mehr Forschungsgelder. Das Geld soll in die Erforschung wetterresistenterer Sorten, in neue Anbaumethoden und einen verbesserten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln fließen.

Und was bedeutet die Dürre für die Verbraucher?

In den Regalen wird es immer genügend Lebensmittel geben, betont Julia Klöckner. Ganz ohne Auswirkungen auf die Preise dürfte es nach Einschätzung des Bauernverbands aber nicht gehen. Bei Hitze geben Kühe weniger Milch, das senkt auch den Gehalt an Eiweiß und Fett. Vor allem im Osten wird daher gerade deutlich weniger an die Molkereien geliefert, was die Preise stabilisieren oder sogar treiben könnte.

Wo könnten sich höhere Preise noch niederschlagen?

Bei Brot und Brötchen ist der Anteil von Getreide am Gesamtpreis verhältnismäßig gering im Vergleich zu Personal- und Energiekosten. Einbußen zeichnen sich allerdings auch bei der Kartoffelernte ab. Bei Obst- und Gemüsesorten konnten Bauern die Ernte mit Bewässerungsanlagen besser vor Ausfällen retten, dies kostete aber auch extra. Generell kaufen Handelsketten ihre Ware allerdings längst nicht mehr nur national ein, sondern weltweit.

Von Maximilian Plück, Sascha Meyer und Eva Quadbeck

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