Ottawa/Washington (dpa) - Nach den geplatzten Verhandlungen spitzt sich der Zollstreit zwischen den USA und Kanada wieder zu. Noch in der Nacht traten Zölle in Höhe von 50 Prozent auf eine Reihe kanadischer Güter in Kraft. Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte Gegenmaßnahmen an, die im September greifen sollen. Auf die Frage eines Journalisten, warum man heute den Eindruck eines Handelskrieges habe, sagte Carney: «Wenn du angegriffen wirst, befindest du dich im Krieg - wir wurden angegriffen.»
Aussagen des Handelsbeauftragten der US-Regierung, Jamieson Greer, machen derweil wenig Hoffnung auf eine rasche Lösung des Konflikts, im Gegenteil: Gegenmaßnahmen gegen die von Kanada angekündigten Zölle seien bereits in Arbeit, sagte er.
Trumps Zölle sollten bereits am Mittwoch in Kraft treten
Verhandler der beiden Nachbarstaaten hatten bis in die Nacht zum Samstag über eine Vereinbarung beraten, um die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle abzuwenden. Trump hatte im Juli neue Zölle in Höhe von 50 Prozent auf eine Reihe von Produkten angekündigt, die bereits am Mittwoch hätten in Kraft treten sollen. Betroffen wären kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar - also etwa fünf Prozent der Einfuhren insgesamt -, darunter etwa Hockeyschläger, Möbel und Wein. Kurz vor Ablauf der Frist verkündete der US-Präsident einen Aufschub. Seitdem liefen Verhandlungen unter Hochdruck.
Zuletzt war unter anderem die Rede davon, dass die eigentlich schon ad acta gelegte Erweiterung der Keystone Pipeline wieder vorangetrieben wird, ein Wunschprojekt von Trump. Im Gegenzug hätten Kanadas Provinzen unter anderem den Verkaufsstopp US-amerikanischen Alkohols aufheben können. Noch am Mittwoch hatte sich Trump zuversichtlich gezeigt. «Ich glaube, wir haben eine Vereinbarung mit dem Premierminister, und zwar eine gute Vereinbarung für alle.»
Carney: Begründung für US-Zölle wechseln ständig
Nach dem Abbruch der Gespräche in der Nacht warfen sich nun beide Seiten vor, eine Einigung mit kurzfristigen Forderungen verhindert zu haben. Carney wies zudem darauf hin, dass die USA immer neue Gründe fänden, um ihre Zölle gegen Kanada zu rechtfertigen. Unter anderem sei es bereits um Fentanyl, um den Rauch von Waldbränden, um Steuern gegen US-Tech-Konzerne oder um einen kanadischen Werbespot gegangen, der den früheren US-Präsidenten Ronald Reagan zitierte.
Als Reaktion kündigte Carney Gegenzölle ab dem 8. September an. Die Maßnahmen würden sich auf Sektoren wie Stahl, Milchprodukte, landwirtschaftliche Ausrüstung und Elektrogeräte konzentrieren, teilte Carney mit. «Das ist eine gezielte Reaktion, um unsere Industriezweige zu schützen und zu verteidigen und ihnen zu ermöglichen, auf dem kanadischen Markt mit US-Produkten zu konkurrieren.»
US-Regierung arbeitet bereits an Antwort auf Kanadas Gegenzölle
Der US-Handelsbeauftragte Greer teilte mit, die USA hätten Kanada bessere Bedingungen geboten als jedem anderen großen Handelspartner. «Das ist eine verpasste Gelegenheit für Kanada, mit den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten.» Dem Sender Fox News sagte Greer, er treibe nun Maßnahmen voran, die auf die kanadischen Gegenmaßnahmen reagieren. «Wir haben keine neuen Gespräche mit den Kanadiern geplant.»
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