Energiewende
Deutschland produziert 2026 so viel Sonnenstrom wie noch nie
Solarstrom - Solar-Anlage auf einem Dach
Bis Ende September wurde in Deutschland mehr Solarstrom erzeugt als im gesamten Vorjahr. (Symbolbild)
Caroline Seidel. DPA

Bereits Ende September hat die Solarstromproduktion in Deutschland den Vorjahreswert übertroffen. Welche Faktoren haben zu diesem Rekord geführt? Und welche Rolle spielen Balkonkraftwerke?

Lesezeit 2 Minuten

Berlin (dpa) - In Deutschland ist in diesem Jahr bereits Ende September mehr Solarstrom erzeugt worden als im gesamten vergangenen Jahr. Bis zum 27. September seien 90,2 Terawattstunden Solarstrom produziert worden und damit mehr als im Gesamtjahr 2025 mit 90,0 Terawattstunden. Dies teilte der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) in Berlin unter Berufung auf Daten der Energy-Charts des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE mit. Der Verband erklärte den 27. September deshalb zum diesjährigen «Solar Day».

Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist weiter auf dem Vormarsch: Im ersten Halbjahr hatte Sonnenstrom laut Statistischem Bundesamt einen Anteil von 17,8 Prozent an der insgesamt ins Netz eingespeisten Strommenge, 3,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Nur Windstrom hatte in den ersten sechs Monaten mit 29,4 Prozent einen noch höheren Anteil. Insgesamt produzierten die Erneuerbaren in den ersten sechs Monaten 59,1 Prozent des eingespeisten Stroms.

Gründe für Rekord: Viele Sonnenstunden und neue Anlagen

Eine Strommenge von 90 Terawattstunden, die 2026 bislang durch Sonnenenergie gewonnen wurden, ist sehr viel. 2025 wurden in Deutschland laut Statistischem Bundesamt insgesamt 438 Terawattstunden Strom ins Netz eingespeist. Eine Terawattstunde sind eine Milliarde Kilowattstunden, in Ziffern: 1.000.000.000. Zum Vergleich: In Hamburg wurden im vergangenen Jahr 10,7 Terawattstunden Strom verbraucht. Haushalte in Deutschland haben oft einen Stromverbrauch von 2.000 bis 4.000 Kilowattstunden.

Zu dem Rekord trugen nach Angaben des Verbands sowohl ungewöhnlich viele Sonnenstunden als auch der weitere Ausbau der Photovoltaik bei. Neue Anlagen entstünden auf Wohn- und Gewerbegebäuden sowie auf Freiflächen. Zugleich gewännen Batteriespeicher an Bedeutung. «Solarenergie ist längst keine Nischentechnologie mehr. Sie ist Bürgerenergie, Unternehmensenergie und eine tragende Säule unserer Stromversorgung», sagte BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig.

Kritik an EEG-Novelle und Netzpaket

Der Verband warnte vor diesem Hintergrund vor neuen Investitionshürden durch die geplante EEG-Novelle 2027 und das sogenannte Netzpaket. «Der Solarrekord ist ein Grund zur Freude, aber kein Grund zum Zurücklehnen», sagte Körnig. «Gerade jetzt dürfen wir die Investitionsbereitschaft von Bürgern und Unternehmen nicht ausbremsen.»

Mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und dem Netzpaket will die Bundesregierung den Ausbau der Erneuerbaren eigenen Angaben zufolge stärker an Kosteneffizienz, Versorgungssicherheit und tatsächlicher Netzkapazität ausrichten. Konkret geplant ist eine bessere regionale Steuerung des Zubaus. Außerdem sollen ab 2027 kleine, meist privat installierte Solaranlagen mit unter 25 Kilowatt installierter Leistung keine dauerhafte Förderung mehr bekommen.

6,3 Millionen Solaranlagen erzeugen Strom

In Deutschland waren Ende August gut 6,3 Millionen Solaranlagen in Betrieb, wie aus einer Auswertung von Daten der Bundesnetzagentur durch das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) hervorgeht. Sie verfügten zusammen über knapp 130 Gigawatt Kapazität. Unter den Anlagen waren laut Bundesnetzagentur knapp 1,5 Millionen Steckersolargeräte, sogenannte Balkonkraftwerke. Sie verfügten zusammengenommen über eine Leistung von gut 1,6 Gigawatt.

Photovoltaik-Stromerzeugung in Deutschland lässt sich grob in mehrere Segmente einteilen: Am verbreitetsten sind Dachanlagen auf privaten und gewerblichen Gebäuden. Solarmodule sind mittlerweile auch direkt in Fassaden- oder Dachelementen integriert.

Daneben gibt es Freiflächenanlagen etwa auf Feldern oder entlang von Autobahnen. Ein wachsendes Segment ist die Agri-Photovoltaik, bei der eine landwirtschaftlich genutzte Fläche gleichzeitig zur Stromerzeugung genutzt wird. Angebaut wird dabei etwa Obst oder Hopfen. Es gibt aber auch Agri-PV-Anlagen mit Tierhaltung, bei der auf der Fläche Nutztiere wie etwa Schafe gehalten werden.

Von Floating-PV, also schwimmender Photovoltaik, spricht man, wenn die Solarmodule auf Wasserflächen installiert sind. Dies wird zum Beispiel auf früheren Kiesgruben gemacht. 

Solaranlagen auf Freiflächen erstrecken sich oft über mehrere Hektar. Einer der größten ist der Energiepark Witznitz in Sachsen. Er erstreckt sich nach Angaben des Betreibers Move On Energy über 500 Hektar ehemalige Bergbauflächen südlich von Leipzig und hat eine Leistung von 650 Megawatt. 1,1 Millionen Solarmodule sind dort verbaut.

© dpa-infocom, dpa:260928-930-754693/2

Ressort und Schlagwörter

EnergieWirtschaft

Top-News aus der Region