Feingefühl ist gefragt
Wie mache ich Komplimente, die ins Herz gehen?
Paar genießt Lunch in einem Café
«Ich verbringe einfach gerne Zeit mit dir»: Das ist ein Kompliment, das direkt ins Herz gehen dürfte - und meist gut ankommt.
Phillip Waterman. DPA

Machen Komplimente glücklich? Sollten sie eigentlich, tun sie aber nicht immer. Denn manchmal versteckt sich dahinter schlicht eine Abwertung oder gar Anzüglichkeit. Wie macht man es denn richtig?

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Karlsruhe (dpa/tmn) – Damit kann man beim Gegenüber immer landen: «Schön, dass du da bist». Und: «Die Farbe steht dir super». Solche Komplimente funktionieren nach Worten der Karlsruher Familientherapeutin Marie Lorch ganz wunderbar.

Was hingegen gar nicht geht, sind Sätze wie: «Du hast dich ja gar nicht verändert» oder «Hast du abgenommen?» Gibt es goldene Regeln für gute Komplimente?

Was macht ein gutes Kompliment aus?

Dient es einem Zweck oder wird manipulativ eingesetzt, dann verliert es seinen Wert und sei eigentlich kein Kompliment mehr, sagt Marie Lorch. «Ein Kompliment, ein gutes Kompliment, ist absichtslos.»

Sie hat das Format «Einfach bessere Komplimente. Der Boss Move für Männer» entwickelt und leitet in Online-Calls Männergruppen an, sich auf dem Gebiet der Komplimente zu üben. «Leichtigkeit ist die beste Voraussetzung für Wertschätzung», sagt sie.

Unbefangene Komplimente seien auch in Zeiten von #MeToo sehr wohl möglich und nicht per se riskant. Man müsse sich die Lust am Flirten, am Spielerischen bewahren, «denn wenn alles so bierernst wird und so verflacht, dass sich keiner mehr was traut, geht uns echter Spaß flöten und das wollen wir nicht – Männer wie Frauen».

Welche psychologischen Effekte haben Komplimente?

Nicht nur die Empfänger von einem Kompliment, sondern auch der Sender profitiert, wie die Diplompsychologin Monika Eckstein vom Heidelberger Institut für Medizinische Psychologie sagt. «Allein das Schicken eines Kompliments, also auch das Kompliment geben und vorbereiten, hat schon starke belohnende und emotionale Aspekte», sagt die Erstautorin einer Studie aus dem Jahr 2023.

Dafür waren 40 heterosexuelle Paare einbezogen worden, die sich gegenseitig Komplimente machten und deren Hirnströme währenddessen gemessen wurden. Bei Männern und Frauen habe das Geben und Bekommen von Komplimenten gleichermaßen positive Gefühle ausgelöst, sagte sie, «es gab keine Unterschiede».

Aber: Männer haben mehr Potenzial, sich in diesem Bereich noch zu «verbessern», sagt Familientherapeutin Lorch. «Sie unterschätzen das Komplimentemachen oft.»

Wie finde ich den richtigen Ton?

Bei sexuell konnotierten Komplimenten ist Feingefühl gefragt, sagt die Familientherapeutin. Man solle da besonders auf die Resonanz des Gegenübers, gerade auch in längeren Beziehungen, achten. «Dann weiß ich ja normalerweise, was gefällt dem Menschen, was kommt gut an, was kommt nicht so gut an.»

Generell gelte: «Erlaubt ist, was gefällt.» Wichtig sei, mit der Zeit ein Feingefühl dafür zu entwickeln, was ehrlich und was nicht ehrlich gemeint sei. Ein gutes Kompliment sei kein Übergriff, erläutert Lorch. Es sage nicht «Ich beurteile dich», sondern «Ich sehe dich». «Auf eine schöne, würdevolle Art.»

Was lässt man lieber, wenn es um Komplimente geht?

Manche Komplimente aber sind keine – sondern versteckte Beleidigungen. «Man sieht dir dein Alter nicht an» oder «Heute siehst du aber gut aus» – sowas komme nicht gut an. Sie können leicht missverstanden werden.

Übrigens: Zu viele Komplimente sind auch nicht gut. «Dann kann man das nicht mehr ernst nehmen», warnt Marie Lorch.

Grundsätzlich gelte: Wer eher auf Nummer sicher gehen möchte, kommentiert nicht das Äußere eines Menschen, sondern die Wirkung. «Statt „Tolles Kleid!'“ können Sie beispielsweise sagen: „Diese Farbe steht dir richtig gut“.» Anstelle von «Du siehst klasse aus» solle man lieber sagen: «Ich mag dein Lachen.»

Wie nimmt man ein Kompliment an?

Komplimente annehmen – das will aber ebenfalls gelernt sein. Ein Klassiker ist: Der Mann lobt ein Kleidungsstück, das an der Frau gut aussieht, und die Frau wiegelt ab mit den Worten: «Das war ganz günstig.» Oder die Frauen winken gleich ungläubig ab.

Das sind auch die Erfahrungen von Holger Conrad, der bei der Coachin Marie Lorch Nachhilfe zum Thema «Boss Move» bekam. Ein gewisser Alltag hatte sich in seiner Ehe natürlich eingeschlichen, sagt der 56-Jährige aus dem Landkreis Karlsruhe, deswegen habe er das Coaching einfach auch mal durchlaufen wollen. «Ich war noch nie der geborene Lober.»

Aber kaum habe er seiner Frau Komplimente gemacht, habe sie gesagt, «das sagst du ja nur so» – «und dann war das auch wieder nicht recht». Er sei quasi bei seiner Frau erst einmal auf ungläubiges Staunen beziehungsweise Unverständnis gestoßen, bis sie die Komplimente als wirklich ernst gemeint habe würdigen können.

«Komplimente macht man wie ein Geschenk und nimmt sie an wie ein Geschenk», sagt Marie Lorch dazu. «Das will gelernt sein» – und Annehmen von Komplimenten müsse genauso trainiert werden. «Keine Witze machen und nichts relativieren – sondern sich einfach freuen», rät die Expertin.

Und es gibt noch für alle viel zu lernen in Sachen Komplimente: Sie bietet nun auch den «Girl Boss Move für Frauen» und eine Corporate Edition für Teams an. Denn auch im Job sind Komplimente und Wertschätzung ebenso sensibles wie wichtiges Thema. Gute Komplimente scheiterten im Alltag am häufigsten an einer Sache: «Sie werden nicht gemacht.»

© dpa-infocom, dpa:260922-930-723114/1

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