Sprachen der Liebe
Was die «Love Languages» Paaren wirklich bringen
Liebevolles Paar in einer Wohnung
Liebevolles Paar in einer Wohnung
Joseffson. DPA

Welche Love Language sprichst du? Die Sprachen der Liebe sind ein beliebtes Konzept, wenn auch wissenschaftlich nicht belegt. Wann und warum es trotzdem hilfreich sein kann und wo die Grenzen liegen.

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Siegen (dpa/tmn) – Wechselt Ihr Partner ungefragt Ihre Autoreifen, wenn es nötig ist – hält aber wenig von Händchenhalten? Vielleicht drückt er seine Liebe eher durch Hilfsbereitschaft aus als durch körperliche Nähe. Das ist zumindest eine Interpretation, wenn man dem Konzept der «Fünf Sprachen der Liebe» folgt.

Das Modell ist besonders auf Tiktok, Instagram und Co. populär. Entwickelt hat es Gary Chapman, ein US-amerikanischer baptistischer Pastor, der es vor allem auf Beobachtungen aus seiner Kirchengemeinde stützt. Wissenschaftlich ist das Konzept kaum belegt – doch in der Praxis kann es helfen, Missverständnisse aufzudecken und Wertschätzung gezielter auszudrücken.

Die fünf Sprachen – eine griffige Metapher

In seinem 1992 erschienenen Buch («Die fünf Sprachen der Liebe») beschreibt Chapman fünf Wege, wie Menschen Liebe zeigen und empfangen:

  • Physical Touch, auf Deutsch Zärtlichkeit
  • Words of Affirmation, also Lob und Anerkennung
  • Acts of Service, sprich Hilfsbereitschaft
  • Quality Time, Zweisamkeit
  • Gifts, Geschenke

Die Grundidee: Liebe wird unterschiedlich wahrgenommen. Wer versteht, wie der Partner oder die Partnerin Zuneigung am besten empfängt, kann seine Wertschätzung gezielter ausdrücken.

Warum das Konzept nützlich sein kann

Empirisch ist das Konzept wenig untermauert. Eine breit angelegte wissenschaftliche Analyse aus dem Jahr 2024 (erschienen in der Zeitschrift «Current Directions in Psychological Science») kommt etwa zu dem Schluss, dass die vorhandene Forschung die zentralen Grundannahmen der Liebessprachen nicht stützt.

Es gibt demnach kaum belastbare Belege dafür, dass Menschen jeweils eine einzige bevorzugte Liebessprache haben, dass es genau fünf davon gibt oder Paare zufriedener sind, wenn sie dieselbe Sprache der Liebe sprechen.

Wertschätzung ausdrücken

Trotzdem hat das Modell einen praktischen Wert. Denn Studien zufolge hängt Beziehungsglück vor allem von allgemeiner Wertschätzung ab. Da kann es hilfreich sein, wenn Paare wissen, auf welche Weise sie diese sich am besten zeigen können.

Über die Love Language des Partners «können wir unsere Wertschätzung so ausdrücken, dass sie wahrgenommen und verstanden wird», sagt Diplom-Psychologin und Paartherapeutin Sarah Willeke. Das wirke wie ein «Bindungsverstärker».

Missverständnisse übersetzen

Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Wer die Liebessprache des Partners für sich selbst richtig übersetzen kann, trägt dazu bei, Missverständnisse in der Beziehung aufzudecken und zu bewältigen.

Ein Beispiel: Wenn im Alltag Berührungen fehlen, kann man dies als Liebesmangel empfinden – obwohl der Partner häufig Komplimente macht. Weiß ich aber, dass mein Partner seine Liebe über Komplimente ausdrückt, «kann ich das für mich übersetzen, auch wenn die eigene primäre Sprache der Liebe etwa körperliche Zuneigung ist», erklärt die Psychologin.

Eine gemeinsame Sprache finden

«Mir ist es aber wichtig zu betonen, dass es nichts Absolutes ist: Wir alle haben nicht die eine Love Language, sondern eine Mischung», sagt Willeke. Um herauszufinden, welche Liebessprachen in der Beziehung wichtig sind, empfiehlt Willeke, konkrete Situationen zu schildern.

Etwa: «Als du mir meine Lieblingsschokolade aus dem Supermarkt mitgebracht hast, hatte ich das Gefühl, dass du an mich gedacht hast. Es hat sich gut angefühlt, dass du dir Gedanken darüber machst, was mir eine Freude macht. Ich habe mich dadurch sehr geliebt gefühlt.»

Wo das Konzept zu kurz greift

Trotzdem könne das Modell nicht alle Beziehungserwartungen erfüllen und abdecken. «Selbst wenn beiden Beziehungspersonen die Love Language des jeweiliges anderen bekannt ist, heißt es nicht, dass dieser von jetzt auf gleich adäquat darauf reagieren kann und möchte», stellt Willeke klar. Neben Bedürfnissen müssten auch Grenzen besprochen werden.

Zudem lassen sich grundlegende Beziehungskonflikte nicht allein über Liebessprachen lösen. «Wenn Nähe und Verbindung erschüttert sind, muss zunächst wieder eine Basis geschaffen werden, die partnerschaftliche Konfliktbewältigung erleichtert», sagt Willeke. Erst dann steige die Bereitschaft, auf die Bedürfnisse des anderen einzugehen.

Auch die Autorinnen und Autoren der genannten Studie warnen davor, Liebessprachen zu strikt anzuwenden. Stattdessen schlagen sie die Metapher einer gesunden, ausgewogenen Ernährung vor: Erfolgreiche Beziehungen brauchen verschiedene «Nährstoffe».

Zwar können einzelne Komponenten zeitweise fehlen – etwa körperliche Nähe in Fernbeziehungen. Doch besonders stabil seien Partnerschaften, wenn mehrere Komponenten zusammenkommen, also etwa: Paare Zeit miteinander verbringen, Wertschätzung zeigen, Zuneigung ausdrücken, sich unterstützen und einander das Gefühl geben, etwas Besonderes zu sein.

Achtsamkeit von Anfang an

Da das Konzept inzwischen weit verbreitet ist, werde es oft schon in der Kennenlernphase thematisiert. Willeke zufolge ein Signal für «eine gewisse Achtsamkeit für Beziehungen, Sensibilität für unterschiedliche Bedürfnissen und eine erste Bereitschaft und Offenheit, sich auf den anderen einstellen zu wollen».

© dpa-infocom, dpa:260208-930-660363/1

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