Volleyball-Bundesliga
Suhl holt das Wolfs-Double: «Mehr als ein Traum»
VfB Suhl - Dresdner SC
Im Konfettiregen stemmten die Suhlerinnen die Meisterschale in die Luft.
Michael Reichel. DPA

Sektdusche, Konfettiregen und Party mit den Fans: Suhl jubelt nach dem Sensations-Double. Trainer Hollosy kann kaum fassen, was sein kleines Team erreicht hat.

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Suhl (dpa) – Als seine Spielerinnen noch kurz zögerten, ob der Matchball zum Volleyball-Double wirklich für sie gegeben wird, rannte Suhls Trainer Laszlo Hollosy schon in ihre Arme zur Jubeltraube. Nach den ersten Umarmungen schlug der Ungar etwas ungläubig die Arme über dem Kopf zusammen. «Das ist mehr als ein Traum», sagte der Trainer des Überraschungsteams dem Mitteldeutschen Rundfunk nach dem entscheidenden 3:0 gegen den Dresdner SC zur Meisterschaft in der heimischen Sporthalle Wolfsgrube.

2020 kam Hollosy nach Thüringen, um in der Vision von Präsident Alexander Mantlik das «Wolfsrudel» zu einem Playoff-Team zu formen. Jetzt haben die Suhlerinnen nach dem Pokal die erste Meisterschaft der Club-Geschichte geholt. «Ein kleines Team wie der VfB Suhl – wenn man unser Budget mit dem von Dresden, Stuttgart oder Schwerin vergleicht – und wir gewinnen den Pokal und die Meisterschaft. Das ist unglaublich», sagte Hollosy.

Für sein Team um Kapitänin Roosa Laakonen und Liga-Topscorerin Monika Brancuska gab es goldenen Konfettiregen und vom Coach eine Sektdusche. Mit der Meisterschale machten sich die Suhlerinnen dann schnell auf den Weg zu ihren treuen Fans. Die 1.800 Anhänger hatten die kleine Halle mal wieder in einen «Alptraum» für die Gegnerinnen verwandelt, wie Hollosy es nennt. «Diese Energie in dieser Halle ist der Wahnsinn», sagte auch Dresdens Coach Alexander Waibl vor der Partie der «Thüringer Allgemeinen».

Suhl dominiert die Liga

Die Thüringerinnen gehörten schon in den vergangenen Jahren zu den besten Teams der Bundesliga, doch der Doppel-Triumph ist trotzdem eine kleine Sensation. Insbesondere auch in dieser Dominanz. Nur ein Heimspiel verlor Suhl in dieser Saison, am zweiten Spieltag nach fünf Sätzen gegen Dresden. In den Playoffs gewann der VfB alle sieben Spiele und gab insgesamt nur vier Sätze ab. «Schaut euch diesen Fortschritt an, mir fehlen die Worte», sagte der Trainer.

Erst im dritten Satz kam bei seinem Team am Mittwoch etwas Nervosität auf. Auch Hollosy konnte vor Anspannung kaum noch hinschauen. «Da war schon ein bisschen mehr Aufregung drin als normal», sagte Außenangreiferin Svea Naujack beim Streamingdienst Dyn. «Es muss alles sacken, es ist sehr überwältigend. Vor allem das Double geschafft zu haben, das ist was sehr Besonderes.»

Waibl gratuliert den Gegnerinnen

Die Gäste aus Sachsen müssen sich wie schon im Vorjahr mit der Vize-Meisterschaft begnügen. In der gesamten Finalserie kämpfte das Team mit einer Infektwelle. Trotz Moral und eines großen Willens reichte es nicht, zumindest noch ein weiteres Heimspiel zu sichern.

«Vielleicht hätten wir die Serie noch ein bisschen offener gestalten können, wenn wir alle in einer guten gesundheitlichen Verfassung dabei gehabt hätten», sagte Waibl. Selbst in Bestbesetzung wäre es für sein Team aber eine riesige Aufgabe gewesen, sagte er. «Glückwunsch an Suhl, sie sind verdient Meister geworden und haben verdient das Double gewonnen.»

Wie es bei den Thüringerinnen weitergeht, wird spannend. Die überraschenden Erfolge dürften bei anderen Clubs Begehrlichkeiten wecken. Für die Champions League und den Supercup erfüllt die Wolfsgrube nicht die Anforderungen.

Deswegen wird der VfB für diese Spiele vermutlich ins nahe Coburg in Bayern umziehen. «Für den Supercup sind wir in den finalen Gesprächen», sagte Mantlik der «Thüringer Allgemeinen». Es ist aber davon auszugehen, dass die frenetischen Fans auch diese Halle in einen «Alptraum» für die Gegnerinnen verwandeln.

© dpa-infocom, dpa:260423-930-982463/1

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