Aus Überforderung
Stress um Medienzeit: Was Eltern keinesfalls sagen sollten
Ein Junge guckt auf sein Smartphone
Viele Kinder und Jugendliche verbringen zu viel Zeit mit digitalen Medien, was bei Eltern oft zu Sorge und Überforderung führt.
Annette Riedl. DPA

Drohen, beschämen, entwerten: Viele Eltern greifen zu harten Sprüchen, wenn sie sich Sorgen um die Mediennutzung ihrer Kinder machen. Warum das die Situation oft verschärft und wie es besser geht.

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Dresden (dpa/tmn) – Stundenlang zocken, Videos auf Tiktok schauen oder durch Instagram scrollen: Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland haben einen riskanten oder gar krankhaften Medienkonsum. Bei den Eltern löst das große Sorgen aus – und häufig auch Überforderung. Sie wollen strikt durchgreifen und reagieren hart.

Das ist aber der falsche Ansatz, so Florian Buschmann, Experte für Medienkompetenz und Berater zum Thema Mediensucht. Viele Eltern seien verzweifelt und wollten ihr Kind wachrütteln, griffen dann aber zu Formulierungen, die ihr Kind beschämen oder entwerten. Manche drohen mit Handyentzug oder geben dem Nachwuchs die Schuld für den gesamten Familienstress.

Welche Sätze Scham und Druck auslösen

Problematisch sind dem Fachmann zufolge etwa Formulierungen wie:

  • «Diese Online-Freunde sind doch keine echten Freunde.»
  • «Andere Kinder schaffen das doch auch, nur du nicht.»
  • «Du machst unsere ganze Familie kaputt mit deinem Verhalten.»
  • «Wenn du noch einmal ans Handy gehst, schmeiße ich es weg.»
  • «Du bist ein Online-Junkie.»

Buschmann zufolge erzeugen solche Aussagen «enormen Druck, Scham und das Gefühl, falsch zu sein». Sie können dazu beitragen, das Selbstwertgefühl des betroffenen Kinds zu schwächen.

Mit problematischen Folgen: «Genau das treibt viele Kinder noch tiefer in die digitalen Welten hinein», so der Berater. Und im Zweifel lernen Kinder so hauptsächlich, dass es besser ist, die eigene Nutzung zu verheimlichen.

Orientierung, Verlässlichkeit und Verständnis

Der Mediensuchtberater macht Vorschläge, wie Eltern besser reagieren können. Mütter und Väter sollten vor allem das Gefühl vermitteln, dass sie ihr Kind verstehen wollen. Daneben bräuchten Kinder Orientierung mit klaren Grenzen, Verlässlichkeit und Eltern, die ihre eigene Mediennutzung reflektieren.

Hilfreiche Sätze können etwa so aussehen:

  • «Ich mache mir Sorgen, weil du so viel Zeit am Handy verbringst. Lass uns gemeinsam nach einer Lösung suchen.»
  • «Mir ist wichtig, dass du genug Schlaf, Bewegung und Zeit mit Freunden außerhalb des Bildschirms hast. Wie können wir das zusammen besser hinbekommen?»
  • «Ich möchte verstehen, was dir an diesem Spiel oder an diesen Videos so wichtig ist. Erklär es mir mal.»
  • «Wir brauchen klare Regeln für Medienzeiten. Und ich halte mich selbst auch daran.»

Wichtig ist, dass Eltern Warnsignale ernst nehmen: Wenn Schule, Hobbys, Freundschaften oder Schlaf dauerhaft unter der Mediennutzung leiden, ist es Buschmann zufolge sinnvoll, das Gespräch zu suchen und gegebenenfalls fachliche Hilfe in Anspruch nehmen.

© dpa-infocom, dpa:260522-930-116248/1

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