Mainz/Frankfurt (dpa) – Monatelange Einschränkungen bei der Bahn und aufwendige Bauarbeiten auf wichtigen Straßen um Mainz, Wiesbaden und Darmstadt bremsen Pendler und Firmen aus. Nun schlägt die regionale Wirtschaft Alarm.
«Die Verkehrslage im Raum Mainz hat inzwischen ein kritisches Niveau erreicht», sagte die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Rheinhessen, Karina Szwede, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Sie spricht von erheblichen Staus sowie unplanbaren Fahrtzeigen und formuliert klare Forderungen.
ADAC warnt vor Staus um das 1. Mai-Wochenende
Auch der ADAC sieht infolge der Bauarbeiten erhebliche Verkehrsbehinderungen und warnt mit Blick auf das 1. Mai-Wochenende vor zahlreichen Staus. «In den vergangenen Jahren zählte der 30. April regelmäßig zu den staureichsten Tagen des Jahres», sagte ein Sprecher in Frankfurt.
«Besonders hoch ist die Staugefahr am Donnerstagnachmittag und -abend sowie am Freitagvormittag auf den Routen in Richtung Süden, in die Alpen, zu den Küsten und in andere Ausflugsregionen. Am Sonntagnachmittag ist zudem mit leicht erhöhtem Rückreiseverkehr durch Tagesausflügler zu rechnen.»
Baustellen auf zahlreichen Autobahnen
Szwede von der IHK listet Einschränkungen am Mainzer Autobahnring auf, Sperrungen der Autobahn 643 an der Anschlussstelle Mombach nahe der fast schon berüchtigten Schiersteiner Brücke sowie die länger als erwartet dauernden Sanierungsarbeiten an der Autobahnbrücke auf der A671 bei Hochheim – voraussichtlich bis Anfang Juni.
Vor allem Letzteres sorgt derzeit nahezu täglich für Blechkarawanen etwa in Mainz-Kastel auf hessischer Seite und auf der Theodor-Heuss-Brücke über den Rhein zwischen Mainz und Wiesbaden.
«Durch die Sperrung der Mainbrücke Hochheim im Zuge der A671 ist der gesamte Mainzer Ring, also auch die A643 und die Schiersteiner Brücke, als Umleitungsstrecke verkehrlich stärker belastet», heißt es bei der Autobahn GmbH des Bundes. «Die Arbeiten sind jedoch erforderlich, denn so wird die Verkehrssicherheit der Infrastruktur gewährleistet. Verkehrssicherheit kommt allen Nutzerinnen und Nutzern der Autobahn zugute.»
Auch die A60 zwischen Rüsselsheimer Dreieck und Mainspitz-Dreieck muss derzeit als Entlastungsstrecke zur gesperrten Hochheimer Mainbrücke zusätzlichen Verkehr aufnehmen, wie der ADAC-Sprecher sagte. Wegen der Bauarbeiten auf dem Abschnitt sei mit zusätzlichen Staus in den nächsten Wochen zu rechnen.
An vielen Autobahnen wird gearbeitet
Zwischen der Rheinbrücke Schierstein und dem Schiersteiner Kreuz wird die A643 sechsspurig ausgebaut, zudem wird das Schiersteiner Kreuz ausgebaut – noch bis 2030, wie der ADAC-Sprecher sagte. «Aufgrund der Baustellenverkehrsführung kommt es regelmäßig zu Rückstaus auf A643 in Fahrtrichtung Wiesbaden und A66 in Fahrtrichtung Frankfurt. Ebenso staut es sich nachmittags regelmäßig auf der Schiersteiner Brücke von Wiesbaden in Richtung Mainz.»
Erhebliche Verzögerungen noch bis Ende Oktober seien auch auf der A3 zwischen Mönchhof-Dreieck und Wiesbadener Kreuz zu erwarten, weil die Fahrbahn dort grundlegend erneuert werde.
Fahrbahnerneuerungen stehen auch auf der A60 zwischen dem Rüsselsheimer Dreieck und dem Mainspitz-Dreieck in Fahrtrichtung Osten an. Dabei werde die Anschlussstelle Rüsselsheim-Königstädten gesperrt, so der ADAC. Bis Anfang Mai werde die Baustellenverkehrsführung aufgebaut, die Bauarbeiten dauerten voraussichtlich bis Mitte November. Auch dies trage zu Verkehrsbehinderungen bei.
Erhebliche Belastungen für Beschäftigte und Firmen
«Für Beschäftigte bedeutet das eine erhebliche Belastung im Arbeitsalltag, für Unternehmen eine spürbare Einschränkung der Erreichbarkeit ihrer Standorte», sagte IHK-Vertreterin Szwede. Besonders gravierend sei die Situation für den Güterverkehr. Logistik‑ und Speditionsunternehmen berichteten von deutlichen Verzögerungen, gestörten Abläufen und steigenden Kosten.
Zugverkehr ebenfalls deutlich eingeschränkt
Doch damit nicht genug: Verschärfend komme hinzu, dass auch der Schienenverkehr im Raum Mainz seit Monaten erheblich eingeschränkt sei. Grund sind Bauarbeiten am und um den Eisenbahnknoten Mainz, die Sperrungen, eingleisige Verkehre, Umleitungen und Zugausfälle auf Strecken von Mainz Richtung Worms, Alzey, Frankfurt und Wiesbaden nach sich ziehen.
Zeitweise, etwa während der kompletten Sperrung der Kaiserbrücke zwischen Mainz und Wiesbaden, seien zentrale Bahn-Verbindungen vollständig entfallen oder nur mit großem Zeitverlust nutzbar gewesen. «Für viele Beschäftigte und Unternehmen ist die Bahn damit derzeit keine verlässliche Alternative zum Auto», sagte Szweder.
Wenn sowohl Straße als auch Schiene gleichzeitig an ihre Grenzen gerieten, gerate die Funktionsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsraums Rhein‑Main unter Druck. «Die Wirtschaft erwartet dringend eine bessere Koordinierung von Baustellen, kurzfristige Entlastungen, sofortige gemeinsame pragmatische Entscheidungen aller Ebenen und vor allem verlässliche Perspektiven für die Verkehrsinfrastruktur.»
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