Pendler leiden
Sperrungen und Staus machen Autofahren in Rhein-Main zu Qual
Stau auf der A5
Staus sind ein nahezu alltägliches Bild auf den Autobahnen im Rhein-Main-Gebiet.
Hannes P. Albert. DPA

Sehr viel Geduld, mehr noch als sonst, müssen Autofahrer gerade im Rhein-Main-Gebiet aufbringen. An vielen Stellen wird gebaut, Sperrungen tun ihr Übriges. Daten des ADAC zeigen das ganze Ausmaß.

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Mainz/Rüsselsheim (dpa) – Vollsperrung der Mainbrücke Hochheim auf der Autobahn 671, Bauarbeiten auf der wichtigen A3, der A60 und der A643 – vielen Autofahrern in Rhein-Main treibt all das Schweißperlen auf die Stirn. Fahrten verlängern sich im ohnehin chronisch staugeplagten Ballungsraum mit seinen vielen Pendlerinnen und Pendlern nochmal teils erheblich oder kaum mehr kalkulierbar – eine nicht mal 50 Kilometer lange Fahrt von Mainz nach Frankfurt kann da schon mal zwei Stunden dauern. Und in manchen Orten entlang betroffener Autobahnen leiden Menschen unter mehr Ausweichverkehr.

Eine Auswertung des ADAC Hessen-Thüringen für die Deutsche Presse-Agentur zeigt, dass es vom 20. März – an dem Tag wurde die Mainbrücke Hochheim an der A671 für Sanierungsarbeiten dichtgemacht – bis zum 20. Mai dieses Jahres deutlich mehr Stau auf vielen Autobahnabschnitten gegeben hat als im Vorjahreszeitraum.

Viel mehr Staustunden auf vielen Strecken

Das ist freilich nicht nur Folge der Brückensperrung, auch Bauarbeiten auf der A3 zwischen dem Mönchhof-Dreieck und dem Wiesbadener Kreuz, auf der A60 zwischen dem Rüsselsheimer Dreieck und dem Mainspitz-Dreieck und auf der A643 zwischen Schiersteiner Brücke und dem Schiersteiner Kreuz wirken sich mächtig aus.

Laut ADAC stieg die Zahl der Staustunden auf der A67 zwischen dem Rüsselsheimer Dreieck und dem Mönchhof Dreieck in der einen Fahrtrichtung von 29 auf 220 Staustunden, in der anderen Richtung von 97 auf 217 Staustunden. Nicht besser auf der A66 zwischen dem Schiersteiner Kreuz und dem Wiesbadener Kreuz: In der einen Richtung wurden aus 104 nun 206 Staustunden, in der anderen aus 165 nun 281 Stunden.

Auf der A643 zwischen Schiersteiner Straße und Dreieck Mainz verdoppelten sich die Staustunden in die eine Richtung von 124 auf 253, in der anderen stiegen sie von 333 auf 420 Stunden. Deutlich mehr Stau gab es laut ADAC auch auf der Bundesstraße 43. Die werde als Ausweichroute zur A60 und A67 genutzt und führe durch Rüsselsheim, Ginsheim-Gustavsburg sowie das zu Wiesbaden gehörende Mainz-Kastel.

Beispiel Rüsselsheim zeigt Folgen für den Verkehr innerorts

Von der Stadt Rüsselsheim heißt es, der Innenstadtverkehr sei wegen der Bauarbeiten auf den nahen Autobahnen und damit verbundener Sperrungen von Auffahrten stark belastet. «Die Umleitungsempfehlungen greifen häufig nicht, weil sich ortskundige Autofahrerinnen und -fahrer immer den kürzesten Weg suchen.» Für Anwohner bedeute das zusätzlichen Lärm, Abgase und längere Anfahrtszeiten zu ihren Grundstücken oder Parkplätzen.

Die Stadt würde sich eine bessere und langfristige Baustellenkoordination wünschen. Dazu gehöre, dass das übergeordnete Interesse von Autobahn GmbH und der Verkehrsbehörde Hessen Mobil nicht über kommunale Interessen gestellt werde. Im Fall der Rüsselsheimer Stadtteile Königstädten und Haßloch habe es in den vergangenen zwei Jahren schon große Belastungen wegen Baustellen auf einer Landesstraße gegeben.

Aktuell sei ungünstig, dass parallel zu den Arbeiten auf der A60 Bauarbeiten auf der A671 in der Nähe von Rüsselsheim liefen. Hinzu kämen Baumaßnahmen der Bahn. Das führe aufgrund von Streckensperrungen zu Schienenersatzverkehr, der noch einmal mehr Fahrzeuge auf die Straßen bringe.

Handwerkskammer: Betriebe reagieren auf Verkehrsprobleme

Ein paar Kilometer weiter in Mainz betont die Handwerkskammer Rheinhessen, das hochbelastete Verkehrssystem rund um die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt und das benachbarte Wiesbaden sei seit Jahren ein Ärgernis für Betriebe. «Eine Maßnahme beziehungsweise Ursache folgt auf die nächste, und das Ergebnis sind einfach ganz oft und ganz viele Staus», sagt Hauptgeschäftsführerin Anja Obermann.

Firmen reagierten darauf unterschiedlich, manche seien dazu übergegangen, Aufträge auf der anderen Rheinseite weitgehend zu meiden, andere versuchten ihre Anfangs- und Endzeiten anzupassen, erzählt sie. «In wirtschaftlich guten Zeiten haben diese Strategien auch weitgehend gut funktioniert – in der Zeit der Rezession ist das allerdings sehr viel schwieriger.»

Der ADAC empfiehlt beim Navigieren und für das Umfahren von Blechkarawanen Routing-Apps verschiedener Anbieter. Diese könnten zwar die Bildung von Staus in Ortsdurchfahrten nicht voraussagen, änderten ihre Empfehlungen aber binnen Minuten, wenn ein Stau entstehe. Dass die Möglichkeiten von Umfahrungen an Grenzen stoßen, weiß auch der ADAC.

Tipps zur Stressreduktion

Das Straßennetz in Rhein-Main sei hochbelastet, betont auch der Automobilclub. Darüber hinaus habe sich in den vergangenen Jahrzehnten ein erheblicher Sanierungsstau im Autobahnnetz aufgebaut. «Für Autofahrer gibt es kaum sinnvolle Alternativen für notwendige Fahrten. Für wenige Verbindungen stellt der ÖPNV eine gleichwertige beziehungsweise schnelle Alternative dar.»

Um Stress zu reduzieren, sollte laut ADAC mehr Zeit für die Wege eingeplant werden. «Wer kann, sollte Fahrten während der Rushhour vermeiden», rät der Club. Die einfachste Art der Stressreduktion sei, vermeidbare Reisen zu verschieben oder erst gar nicht anzutreten – nicht ganz einfach für Menschen, die jobbedingt unterwegs sind.

Arbeitgeber könnten nach Meinung des ADAC beispielsweise befristete Ausnahmeregelungen für mobiles Arbeiten oder das Arbeiten im Homeoffice anbieten. Denkbar sei, Pendlern, die von Sperrungen wie im Fall der Mainbrücke Hochheim betroffen sind, gezielt bis zum Ende der Sperrung den Abbau von Überstunden zu ermöglichen.

Dass auch Sperrzeiträume nicht immer in Stein gemeißelt sind, zeigte sich zuletzt am Beispiel der Mainbrücke Hochheim. Zunächst war eine Freigabe Ende April vorgesehen, nun wird es laut Autobahngesellschaft vor Juli nichts.

© dpa-infocom, dpa:260608-930-188024/1

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