München (dpa) – Noch mal einen Film drehen – das will Schauspielstar Senta Berger (84) nach dem Erfolg ihres aktuellen Kinofilms nicht ausschließen. «Who knows? Ich will mich nicht festlegen wie ein Politiker, der alles dann wieder umstoßen muss», sagte die 84-Jährige bei einer Sondervorführung der Tragikomödie «Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke», die ihr Sohn Simon Verhoeven inszeniert hat und die demnächst die Marke von einer Million Zuschauern knacken dürfte. Eigentlich sei dieser Film «ein schöner Abschied», befand Berger, «aber sollte jetzt irgendwas kommen ...».
«Wie „Mary Poppins“ ohne Schirm»
Für die berühmte Schauspielerin war der Abend in München der erste Auftritt seit einem Unfall Mitte Januar, als sie vor einer Lesung mit Schauspielkollege Friedrich von Thun in Hamburg von der Bühne gestürzt war und sich den Oberschenkelhals gebrochen hatte. «Es ist nun mal passiert und es war meine Schuld, verdammt noch mal», sagte Berger. «Wir waren spät dran, es musste alles schnell gehen. Und ich war so erwartungsfroh, 1000 Leute, ausverkauft, schön – okay, fangen wir an. Und dann habe ich so wie Mary Poppins ohne Schirm einen sehr energiegeladenen großen Schritt ins Leere gemacht.»
Reha-Urlaub mit Kinobesuch
Berger kam in Hamburg ins Krankenhaus, wo sie operiert wurde, später ging es in eine Reha-Klinik südlich von München, wo sie immer noch in Behandlung ist. Für die Kinovorführung reiste sie extra an. «Ich habe Urlaub, Erprobungsurlaub, und fahre dann anschließend wieder zurück», sagte sie. Ihre Aufgabe in der Reha: «Ich übe Alltag jeden Tag. Trotzdem wird es so sein, dass mir viele Dinge schwerfallen, dass ich erst merke, wie viel mir runterfällt, was ich aufheben muss, was noch nicht so toll geht.» Ihr Motto in dieser Zeit: «Tag für Tag».
Durchbeißen oder hängenlassen?
Trotzdem sieht die 84-Jährige blendend aus und ist vergnügt und gewohnt charmant an diesem Abend – auch wenn sie beim Gehen natürlich noch auf Hilfe angewiesen ist. Doch Berger entschied sich nach dem ersten Schock infolge des Unfalls dafür, alles für ihre Genesung zu tun: «Dann gibt es halt auch so eine Disziplin: beiße ich mich da jetzt durch oder lasse ich mich hängen? Was habe ich für eine Alternative? Ja, ich hatte keine.»
Geholfen haben ihr in der Zeit vor allem ihre beiden Söhne Simon und Luca sowie das viele Lob für den Film, der auf dem Roman «Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke» von Joachim Meyerhoff beruht. «Ich lag im Krankenhaus, da gingen ganze Schwestern-Belegschaften in den Film rein und sie kamen am nächsten Tag, um mir zu sagen, wie sie es gefunden haben – Ja, ganz toll», freute sich Berger, die darin die Großmutter von Joachim (Bruno Alexander), der in München die renommierte Otto Falckenberg Schule für Schauspiel besucht und darüber einerseits glücklich ist, andererseits aber auch mit manchen Tücken und skurrilen Anforderungen im Unterricht zu kämpfen hat.
Tourstart im Mai
Ihre Lesung «Loriot – Szenen einer Ehe» will Berger auch wieder aufnehmen. «Ich bin sozusagen noch im Krankenstand bis Ende April und dann gehe ich mit Friedrich von Thun auf Tour.» Das Warten auf die vollständige Genesung fällt der energiegeladenen Schauspielerin alles andere als leicht, die in Grünwald bei München wohnt. «Ich finde, für meine Begriffe bin ich sehr geduldig gewesen von Anfang an, auch wissend, dass ich mein Schicksal nicht mehr wenden kann», erklärt sie und lacht.
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