Niederlande/Belgien:
Doppelter Fahrspaß: Flussschiff mit Fahrrad
Die Windmühlen im Freilichtmuseum nördlich von Zaandam sind das Ziel der geführten Radtour der A-ROSA Sena von Amsterdam aus.
Die Windmühlen im Freilichtmuseum nördlich von Zaandam sind das Ziel der geführten Radtour der A-ROSA Sena von Amsterdam aus.
Jörg Peter Herrmann

Von Jörg Peter Herrmann

Lesezeit 5 Minuten

Tropische Hitze, steile Berge, Monsterschlaglöcher und Regengüsse im Regenwald - nach unserem Abenteuer auf dem AIDA-Bambusrad in der Karibik konnte eigentlich nichts Besonderes mehr kommen. Na ja, zumindest ist uns nichts eingefallen, dass diese Radtouren noch hätte übertreffen können. Außer vielleicht …

Wie wäre es denn zum Beispiel mit einer ausgedehnten Radtour durch eine quirlige Großstadt? In Deutschland natürlich undenkbar. Viel zu gefährlich. Aber in Holland - warum nicht? Gedacht, getan: Auf der entspannenden Flusskreuzfahrt mit der A-ROSA Sena den Rhein hinunter werden gleich 3 Radtouren angeboten. Wir haben sie alle getestet - und noch eine vierte Tour für uns entdeckt. Was soll ich sagen? Vergessen Sie alles, was Sie von unseren Rad-Erlebnissen zwischen Vinschgau und Costa Rica bisher gelesen haben!

Rotterdam ist Großstadt. Aber keine Angst! Hier Fahrrad Vorfahrt.
Santosh Laxmanan von der A-ROSA Sena führt die Radler auf interessanten Routen durch Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen.
Santosh Laxmanan ist auf der A-ROSA Sena nicht nur für die geführten Radeltouren, sondern auch für die Massagen im großzügigen S
Santosh Laxmanan ist auf der A-ROSA Sena nicht nur für die geführten Radeltouren, sondern auch für die Massagen im großzügigen Spa-Bereich an Bord zuständig.
Jörg Peter Herrmann

„Rotterdam ist Großstadt. Aber keine Angst! Hier Fahrrad Vorfahrt.“ Santosh Laxmanan hat diesen angenehmen indischen Akzent, wenn er seiner deutschen Radelgruppe die heutige Tour kurz schmackhaft macht. Wir sind gespannt. Vielleicht sogar ein wenig verspannt. Wie beruhigend, dass der Mann mit dem samtigen Teint und der noch samtigeren Stimme auf dem Schiff nicht nur für die Radeltouren, sondern auch für die Massagen im großzügigen Spa-Bereich an Bord zuständig ist. Minuten später fahren wir mit den E-Bikes der A-ROSA Sena auf einem Radweg, der es locker mit einer Kreisstraße in Eifel oder Hunsrück aufnehmen könnte.

Auf den Ampeln leuchten kleine Fahrräder. Grün kommt ruckzuck - viel schneller als für die Autos, deren Fahrstreifen auch nicht breiter ist als die Radelstrecke. Die erste Überraschung: Rotterdam hat nicht nur viel Wasser, sondern ist auch viel grüner als erwartet. Überall Bäume, Wiesen, Parks. Die Großstadttour wirkt eher wie ein Landausflug.

Der Museumspark von Rotterdam ist nur eines der städtischen Ziele, an denen die Radler mit viel Grün begrüßt werden.
Der Museumspark von Rotterdam ist nur eines der städtischen Ziele, an denen die Radler mit viel Grün begrüßt werden.
Jörg Peter Herrmann

Nach den ersten Kilometern wird uns langsam klar: Das einzige Verkehrshindernis für die Rotterdamer Radler sind wir selbst, die unerfahrenen Freizeitradler vom Mittelrhein. Der Rest rollt, saust und rauscht an uns vorbei, kreuzt unseren Weg, bremst selten und klingelt nie. Eine eigene Welt. Wie rollende Ameisen.

Wir stoppen vor einem Betonklotz. Schiebetüren öffnen sich. Die anderen gehen mit ihren Rädern hinein - na ja, dann machen wir das auch mal. Der Rad-Lift fährt 20 Meter in die Tiefe und gibt den Weg auf einen riesigen, gekachelten, hell erleuchteten „Vietstunnel“ unter dem Wasser der Maas frei. Die unterste Etage des Ameisenhaufens sozusagen. Am anderen Ufer wieder ein Lift. Wir probieren stattdessen die Spezialrolltreppe für Zweiräder. Irre!

Rushhour auf der Erasmusbrücke in Rotterdam - ein Erlebnis der besonderen
Art.
Rushhour auf der Erasmusbrücke in Rotterdam - ein Erlebnis der besonderen Art.
Jörg Peter Herrmann

Und gleich noch eine Premiere: Rushhour auf dem Radweg. Die Strecke zurück zum Schiff führt über die Erasmus-Brücke. Ein nicht enden wollender Strom von Fahrrädern zuckelt über die Brücke - nebeneinander, dicht hintereinander. Mittendrin die E-Roller mit den dicken Reifen, die sich gefährlich von hinten „anschleichen“. So stellten wir uns bisher nur eine Fahrt durch Peking vor.

Zwischendurch ein Wort zum Fahrrad selbst. Die blauen E-Bikes, mit denen A-ROSA uns auf die Piste schickt, sind robuste Tiefeinsteiger mit reichlich Akkuleistung, lassen sich leicht auf die eigene Größe einstellen und verzeihen auch mal eine etwas grobere Schaltweise. Wir haben gern eine Kombi-Rucksack-Satteltasche und die eigenen Helme dabei. Aber das muss nicht sein. Die Helme, Warnwesten und Regencapes von A-ROSA sind völlig in Ordnung und tun ihren Job.

Geschafft! Das Rad-Abenteuer in Rotterdam war ein Erlebnis. Aber wir sind froh, dass am nächsten Tag in Amsterdam ein Ausflug weit hinaus aus der Hauptstadt - ja, ich weiß: Regierungssitz ist Den Haag - nach Norden bis hinter Zaandam auf dem Programm steht. Klingt seltsam, ist aber so: Diesmal sehen wir nicht mehr Grün als auf der Citytour durch Rotterdam. Oft führen die Fahrradwege parallel an großen Autostraßen entlang. Spaß macht‘s trotzdem. Selbst als zwischendurch die Regencapes zum Einsatz kommen müssen.

Und auch diesmal gibt‘s wieder etwas Neues: Abfalleimer speziell für Zweiradfahrer. Die großen Trichter aus Metall hängen über Sattelhöhe schräg am Radweg. So müssen wir und all die anderen rollenden Ameisen nicht mal stoppen, um den Reisemüll zu entsorgen. Witzig! Auch wenn das Konzept sicher noch Verbesserungspotenzial hat. Oft lag die Hälfte des Mülls daneben auf dem Boden. Radfahren können sie, die Niederländer. Zielen offenbar weniger.

Der denkmalgeschützte Sankt-Anna-Tunnel für Fußgänger und Radfahrer führt in Antwerpen unter der Schelde hindurch.
Der denkmalgeschützte Sankt-Anna-Tunnel für Fußgänger und Radfahrer führt in Antwerpen unter der Schelde hindurch.
Jörg Peter Herrmann

Eine Nacht und ein paar Schleusen weiter südlich läuft die A-ROSA Sena über die Grenze nach Belgien und legt schließlich in Antwerpen an - nur einen Steinwurf von der schmucken Altstadt entfernt. Da können wir am Abend schon mal auf ein Bierchen in eine der zahlreichen schnuckeligen Jazz-Kneipen gehen, die an jedem Wochentag Live-Musik auf ihren kleinen Bühnen bieten. Ein Genuss! Also, die Musik. Mit dem bitteren Bolleke-Bier aus dem typischen Glaskelch dagegen konnten wir uns nicht auf Anhieb anfreunden. Da hat die Heimat doch Besseres zu bieten …

Die dritte Radtour dieser Reise fällt ins Wasser. Es regnet sanft, aber unaufhörlich. Wir fahren natürlich trotzdem und lernen noch einen dieser wunderbaren Fahrradtunnel kennen, den ich gern auch daheim unterm Rhein hätte. Okay, wenn schon kein Tunnel, dann wenigstens eine dieser im schnellen Takt pendelnden Fähren, die für Fußgänger und Radler kostenfrei nutzbar sind.

Genug der neidischen Schwärmerei! Antwerpen kommt auf die Merkliste: Hier geht‘s noch mal hin - bei besserem Wetter. Nach Amsterdam und Rotterdam sowieso.

Die Solo-Tour auf dem E-Bike der A-ROSA Sena von Rotterdam nach Delft wird eine einzige Genussfahrt - Fotostopps entlang des Weg
Die Solo-Tour auf dem E-Bike der A-ROSA Sena von Rotterdam nach Delft wird eine einzige Genussfahrt - Fotostopps entlang des Wegs inklusive, wie hier an einem prächtigen Herrenhaus.
Jörg Peter Herrmann

Das war’s eigentlich mit den geplanten Radtouren. Aber wir haben noch nicht genug: Zurück in Rotterdam schnappen wir uns noch ein viertes Mal die E-Bikes und radeln ohne Santosh Laxmanan los - nordwärts Richtung Delft. Die Fahrt ist ein einziger Genuss. Es geht immer an einem der zahllosen Kanäle entlang, oft unter Bäumen, selten mit Autoverkehr daneben. So bleibt schon unterwegs genug Entspannung, um die Fahrt zu genießen.

Fazit für Aktive oder solche, die es werden wollen: Einfach mal losfahren! Unsere Nachbarn bieten nicht nur wunderbare Radwege, sondern auch jede Menge Entdeckerpotenzial entlang des Wegs. Und bei der Rückkehr zur A-ROSA Sena wird jedem klar: Die Freude am Fahren ist doppelt groß - mit Flussschiff und Fahrrad.

In Amsterdam kann schon die Suche nach dem eigenen Rad auf dem Parkplatz
zur Herausforderung werden.
In Amsterdam kann schon die Suche nach dem eigenen Rad auf dem Parkplatz zur Herausforderung werden.
Jörg Peter Herrmann

Wissenswertes für Reisende

Die A-ROSA Sena ist das größte Flusskreuzfahrtschiff Europas. Sie wurde 2022 in Dienst gestellt, ist 135 Meter lang, 17,7 Meter breit und bietet auf fünf Decks Platz für rund 280 Gäste. Das Schiff ist vor allem für den innovativen Hybrid-Antrieb und familienfreundliche Angebote bekannt.

Die Radtouren von A-ROSA sind auch für Gelegenheitsradler ohne sportliche Ambitionen geeignet. Für die Tour durch Rotterdam sollte man sicher im Sattel sitzen. 

Tipps für die Stunden nach der Fahrradtour:

Rotterdam: Die berühmten Kubushäuser besichtigen, dann direkt darunter in die Szene voller Cafés und Restaurants eintauchen - freier Blick auf den Oude Haven (Alter Hafen) inklusive.

Amsterdam: In ein x-beliebiges Café setzen und einfach die Seele baumeln lassen. 

Antwerpen: den laut Time-Magazin drittschönsten Bahnhof der Welt bestaunen, direkt daneben im Zoo vorbeischauen und am Abend eine Jazz-Kneipe besuchen.

Dieser Rad-Reise-Test wurde unterstützt von der A-ROSA Flussschiff GmbH.

www.a-rosa.de/radeln

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