Nahost
Was bedeutet die Einigung im Iran-Krieg?
US-Präsident Trump
US-Präsident Donald Trump verkauft die Einigung als Erfolg für die Vereinigten Staaten - aber wie geht es jetzt weiter?
Julia Demaree Nikhinson. DPA

Erst Erleichterung, jetzt viele Fragzeichen: Nach der Verkündung einer Feuerpause im Iran-Krieg bleibt wenig Zeit zum Aufatmen - die nächsten zwei Wochen sind entscheidend.

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Washington/Teheran (dpa) - Nach der Einigung ist vor der Einigung? Eine zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg und eine angekündigte Öffnung der Straße von Hormus ließen die Welt in der Nacht zunächst aufatmen. Doch wohin führt das? Ein Zehn-Punkte-Plan soll die Basis weiterer Verhandlungen sein. Viele Fragen sind offen. 

Ist der Krieg jetzt zu Ende?

Das bleibt abzuwarten. Die zweiwöchige Waffenruhe soll genutzt werden, um eine Einigung für eine dauerhafte Beilegung des Konflikts zu erzielen. Wird das nicht erreicht, ist ein Wiederaufflammen der Angriffe wahrscheinlich.

Einige internationale Stimmen sehen die Waffenruhe als wichtigen ersten Schritt, aber noch nicht als endgültige Lösung. Pakistans Informationsminister Atta Tarar, dessen Land die Vereinbarung vermittelt hat, sprach von einem großen Erfolg. «Aber die Arbeit ist noch nicht getan.»

Halten sich alle Parteien an die Waffenruhe? 

Pakistan zufolge sollte die Waffenruhe sofort greifen. In der Nacht hatte es jedoch noch weiteren iranischen Raketenbeschuss auf Israel gegeben. Tagsüber gab es zudem Berichte aus Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu Beschuss aus dem Iran. Dem iranischen Staatsfernsehen zufolge handelte es sich um eine Reaktion auf Bombardierungen iranischer Ölanlagen am Persischen Golf. 

Die israelische Armee teilte zudem am Vormittag mit, im Iran nachts noch Raketenabschussrampen ins Visier genommen zu haben. Gleichwohl hieß es von Israels Militär, «das Feuer im Einsatz gegen den Iran» mittlerweile eingestellt zu haben. 

Widersprüchliche Angaben gab es zudem zur Frage, ob die Feuerpause auch für den Libanon gilt. Während sie nach iranischen Angaben an allen Fronten greifen soll, hat Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bereits angekündigt, dass dies für den Libanon nicht der Fall sein werde. Laut Angaben des israelischen Militärs gehen auch die Bodeneinsätze gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Süden des Nachbarlandes weiter.

Wie steht Israel generell zu der Abmachung?

Israel war an den Verhandlungen nicht beteiligt, unterstützt Trumps Entscheidung, die Angriffe auf den Iran für zwei Wochen einzustellen, nach Angaben von Netanjahu aber. Voraussetzung sei, dass der Iran die Straße von Hormus öffnet und seine Angriffe ebenfalls aussetzt. Israel pocht demnach zudem weiterhin darauf, dass der Iran mit seinem Atom- und Raketenprogramm keine Bedrohung mehr für die USA, Israel und die arabischen Nachbarn Teherans darstellen darf. 

Was steht in dem Zehn-Punkte-Plan? 

Offiziell haben bisher weder die Islamische Republik noch die USA den Inhalt des vom Iran vorgelegten Dokuments öffentlich gemacht. Nachrichtenagenturen, die den mächtigen Revolutionsgarden nahestehen, berichten jedoch über Details. 

Laut Tasnim beinhaltet das Papier die Forderung nach einer dauerhaften Einstellung von Aggressionen. Der Iran soll die Kontrolle über die Straße von Hormus behalten und Uran anreichern dürfen. Auch die Aufhebung der harten internationalen Sanktionen und Strafmaßnahmen des UN-Sicherheitsrats wird gefordert. Ebenso will Teheran Resolutionen des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aufgehoben sehen, wie es heißt. Weiter werden Kriegsentschädigungen und ein Abzug der US-Streitkräfte aus der Region gefordert.

Die Informationen der Nachrichtenagentur Fars decken sich weitgehend mit dem Tasnim-Bericht. Hier heißt es jedoch auch, dass sich der Iran gemäß dem Plan verpflichten werde, niemals Atomwaffen herzustellen. Die Urananreicherung soll nach Verhandlungen eingeschränkt werden. Teheran stimme außerdem zu, mit anderen Ländern in der Region über Friedensabkommen zu sprechen. 

Im Widerspruch zu den iranischen Berichten kündigte US-Präsident Trump hingegen einen vollständigen Stopp der Urananreicherung im Iran an. Die USA wollten demnach gemeinsam mit Teheran nukleare Rückstände beseitigen. 

Wer hat sich durchgesetzt? Die USA oder der Iran?

Zwar verkauft Trump die vorläufige Einigung als großen Erfolg für die Vereinigten Staaten. Der Iran dürfte nach mehr als einem Monat Krieg militärisch geschwächt sein. Von einem wirklichen Sieg der USA könne aber zunächst - auch mit Blick auf die bisher zutage getretenen Details aus dem Zehn-Punkte-Plan - keine Rede sein, so das internationale Echo. 

«Das, was jetzt erreicht worden ist, sieht eher nach einer strategischen Niederlage der Vereinigten Staaten von Amerika aus», sagte der Sicherheitsexperte Carlo Masala im Deutschlandfunk. In dem Zehn-Punkte-Plan «ist ja wenig iranisches Entgegenkommen gegenüber den amerikanischen Forderungen von Beginn an drin».

Der Iran sieht sich selbst unterdessen als Sieger und nahezu alle seine Kriegsziele als erreicht an. 

Wie geht es jetzt weiter?

Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif lud Delegationen der USA und des Iran für weitere Gespräche am Freitag in die Hauptstadt Islamabad ein, wo sie über ein endgültiges Abkommen zur Beilegung des Konflikts beraten sollen. 

Pakistanischen Quellen zufolge werden in Islamabad bereits erste Sicherheitsvorbereitungen getroffen, um die Delegationen zu empfangen. Demnach könnten auch Vertreter aus Saudi-Arabien, der Türkei und Ägypten an den Gesprächen teilnehmen. 

Regierungschefs aus Europa wollen sich ebenfalls diplomatisch einbringen. Der britische Premier Starmer etwa wird am Mittwoch in die Golfregion reisen, um mit den Verbündeten in der Region über diplomatische Bemühungen zur Aufrechterhaltung der Waffenruhe zu sprechen. Dabei soll es auch um Maßnahmen zur Wiederherstellung der freien Schifffahrt in der Straße von Hormus gehen.

Auch Kanzler Friedrich Merz teilte mit, die Bundesregierung unterstützte diplomatischen Bemühungen. Man stehe in engem Austausch mit den USA und anderen Partnern.

© dpa-infocom, dpa:260408-930-918034/2

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