Die Lage im Überblick
Waffenruhe um Frontstadt Oleschky - Zeichen aus Moskau?
Ukraine-Krieg - Oleschky
In der Stadt Oleschky soll es bald eine lokale Waffenruhe geben. (Archivbild)
Ukrainian 34th Separate Marine B. DPA

Die Menschen in der Kleinstadt Oleschky an der Front leiden. Nach einer US-Mitteilung über eine lokale Waffenruhe kommen auch aus Moskau und Kiew positive Signale. Gehen sie über den einen Ort hinaus?

Lesezeit 3 Minuten

Moskau/Kiew (dpa) - Nach der Pendeldiplomatie von US-Unterhändler Steve Witkoff kommt wieder etwas Bewegung in die Friedensbemühungen im Ukraine-Krieg. Russland und die Ukraine bestätigten nach einer entsprechenden US-Ankündigung eine lokal begrenzte Waffenruhe in der seit Monaten abgeriegelten Frontstadt Oleschky ab Dienstag.

Der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow sagte dem Verteidigungsministerium zufolge, im Rahmen einer humanitären Operation im Bereich von Oleschky würden die russischen Streitkräfte das Feuer in der Richtung Cherson dann einstellen. Auch Kiew stimmte einer Waffenruhe zu.

Die beiden Seiten teilten mit, die Waffenruhe solle am Dienstag ab 2.00 Uhr MEZ gelten. Wie lange sie dauern soll, war zunächst nicht bekannt.

Lieferung humanitärer Hilfsgüter

Der Kiewer Generalstab kündigte in sozialen Medien an, die ukrainischen Streitkräfte würden alles tun, um den Einwohnern Oleschkys zu helfen und die Sicherheit und Rettung ihrer Mitbürger zu gewährleisten. Laut dem ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez soll gemäß der Vereinbarung eine Waffenruhe gewährleistet werden. Zudem sollen humanitäre Hilfsgüter nach Oleschky geliefert werden.

Die seit Monaten abgeriegelte Kleinstadt liegt auf russischem Besatzungsgebiet im Süden der Ukraine am Ufer des Dnipro. Die Stadt ist von der Versorgung abgeschnitten. Nach ukrainischen Angaben hält Russland dort etwa 2.000 Menschen fest. Hilfsorganisationen beklagen seit langem die prekäre humanitäre Lage. Die Gebietshauptstadt Cherson ist in ukrainischer Hand und nur neun Kilometer entfernt. Dazwischen verläuft die Front.

Kremlsprecher: Evakuierung wird einige Tage dauern

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge, die Evakuierung werde mindestens einige Tage dauern. Wer wolle, könne Oleschky verlassen.

Der Fraktionsvorsitzende der Partei des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, David Arachamija, erklärte auf der Plattform Telegram, in Kürze werde eine Operation zur «Entsperrung» von Oleschky beginnen. Das Ziel sei die Schaffung eines dauerhaften humanitären Korridors für eine sichere Evakuierung der Zivilbevölkerung und die Lieferung von Hilfsgütern.

Putin zeigt sich verhandlungsbereit - Dreiergespräche geplant

Nach einem Gespräch mit US-Unterhändler Witkoff hatte sich Kremlchef Wladimir Putin zuletzt bereit gezeigt, die Kontakte mit Vertretern der USA und der Ukraine wiederaufzunehmen. Kremlsprecher Peskow bestätigte, dass für Mitte November ein Treffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten vorbereitet werde. Als möglicher Zeitraum für ein Dreiertreffen in Abu Dhabi wurde ein Termin ab dem 10. November genannt.

Witkoff hatte sich nach Gesprächen mit Selenskyj und Europäern mit Putin in St. Petersburg getroffen. Wie bald auch EU-Vertreter an Gesprächen zwischen den beiden Kriegsparteien teilnehmen könnten, bleibt ungewiss. Russland sieht nach eigenen Angaben bei Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs erst in einer späteren Phase eine Rolle für die Europäer. Zunächst werde wieder im Dreierformat Russland, USA und Ukraine gesprochen, sagte Kremlsprecher Peskow laut Tass.

270 gegen 270: Moskau und Kiew tauschen Gefangene aus

Unterdessen tauschten die Ukraine und Russland jeweils 270 Kriegsgefangene aus. «270 unserer Leute sind zu Hause», schrieb der ukrainische Präsident Selenskyj auf der Plattform X. Zu den Freigelassenen zählten seinen Angaben nach Soldaten der Streitkräfte, der Nationalgarde und anderer Einheiten sowie neun Zivilisten. Viele seien seit 2022 in russischer Gefangenschaft gewesen.

Der Austausch fand wie zuletzt üblich an einem Grenzübergang zwischen Belarus und der Ukraine statt. 270 russische Soldaten seien in Empfang genommen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Sie sollten in Russland medizinisch und psychologisch betreut werden.

Die Verhandlungen zum Gefangenentausch und der Rückgabe toter Soldaten sind einer der wenigen funktionierenden Gesprächsfäden zwischen den Kriegsparteien. Russland führt seit mehr als viereinhalb Jahren einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland.

Kiew: Starlink bleibt weiter gedrosselt

Das Starlink-Satelliteninternet in der Ukraine läuft entgegen einer Ankündigung von US-Präsident Donald Trump nach Kiewer Angaben indes weiter gedrosselt. Es gebe noch immer Geschwindigkeitsbeschränkungen, sagte der ukrainische Präsident Selenskyj in einer Videoschalte mit dem Thinktank Hudson Institute. Er sprach dabei von Starlink und Starshield. Letzteres ist ein gesondertes Produkt von SpaceX, das auf der Starlink-Technologie basiert, aber für staatliche und militärische Anwendungen ausgelegt ist.

Trump hatte am Donnerstag in Washington gesagt, SpaceX-Gründer Elon Musk habe die Drosselung aufgehoben. Am Freitag erklärte er dann vor Journalisten, dass er nicht mit Musk gesprochen habe. «Ich habe gehört, das Problem sei behoben, aber falls nicht, werde ich mit ihm sprechen», sagte Trump.

Das ukrainische Militär leidet seit vergangener Woche darunter, dass Flugobjekte bei einer Geschwindigkeit von mehr als 160 Kilometern in der Stunde ihre Verbindung zu den Starlink-Satelliten verlieren. Dies trifft Drohnenflüge zur Abwehr schneller russischer Jetdrohnen wie eigene ukrainische Angriffe.

Von Musk und der US-Regierung gab es widersprüchliche Angaben, warum das Satelliteninternet Starlink langsamer läuft. Politisch setzen die USA die Ukraine derzeit unter Druck, um sie kompromissbereiter gegenüber dem Angreifer Russland zu machen.

© dpa-infocom, dpa:261023-930-885303/3

Ressort und Schlagwörter

Politik

Top-News aus der Region