Moskau/Kiew/Washington (dpa) - Die USA nehmen nach einer Pause ihre Vermittlungsversuche für ein Ende des Ukraine-Kriegs wieder auf. Die Unterhändler von Präsident Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, trafen für ein Gespräch mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin in Moskau ein. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte, dass ein Treffen geplant sei. Am Sonntag sollen die Unterhändler erstmals auf ihrer Vermittlungsmission die ukrainische Hauptstadt Kiew besuchen.
Trump bestätigte im Weißen Haus auf Reporternachfrage, dass er seine beiden Unterhändler entsandt habe. Sie brächten einen Vorschlag mit, um den Ukraine-Krieg zu beenden - Details blieb er allerdings schuldig. «Wir haben sie dorthin geschickt, um zu prüfen, ob wir etwas erreichen können», sagte er lediglich.
Wie schon bei vorherigen Vermittlungsbemühungen der USA in dem Krieg gab sich der Republikaner optimistisch, dass das gelingen könnte. Ein echter Durchbruch für ein Ende des seit viereinhalb Jahren dauernden russischen Angriffskriegs wurde bislang aber nicht erzielt - obwohl Trump einst verkündet hatte, er könne den Krieg binnen 24 Stunden beenden.
Moskau und Kiew schrauben Erwartungen zurück
Auch die Regierungen in Moskau und Kiew gaben sich skeptisch. Die Voraussetzungen für ein Kriegsende seien bislang nicht gegeben, sagte Kremlsprecher Peskow am Freitag. Auch der Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Kyrylo Budanow, rechnete nicht mit einem Ende der Kämpfe vor Frühjahr 2027. Russland werde versuchen, die Ukraine mit weiteren strategischen Bombenangriffen über den Winter gefügig zu machen, sagte er der «New York Times».
Derzeit setzen beide Seiten auf militärische Eskalation. Für Putin bleibt die vollständige Eroberung des Industriereviers Donbass in der Ostukraine erklärtes Ziel. Die ukrainischen Streitkräfte wollen diesen Rest des Gebietes Donezk nicht räumen. Mit einer neuen Taktik tagelanger Drohnenangriffe versuchen die russischen Streitkräfte, das Leben in der Hauptstadt Kiew zu erschweren.
Die Ukraine setzt weiter auf ihre Drohnenangriffe auf die Ölindustrie und Online-Händler im russischen Rückraum. Das soll die Wirtschaft des Gegners zu schwächen und die Kriegsmüdigkeit der Bevölkerung zu verstärken. Eine monatelange Phase von relativer militärischer Stärke der Ukraine geht aber nach Einschätzung von Experten zu Ende.
Erste Reise für Witkoff und Kushner nach Kiew
Für Witkoff ist das geplante Treffen mit Putin das achte seit Anfang 2025, der Besuch in Kiew bei Selenskyj wird aber der erste sein. Selenskyj sagte, Ziel sei es, einen möglichst konstruktiven und inhaltsreichen Besuch und Verhandlungen mit der US-Seite zu ermöglichen, damit dieser Krieg zu Ende gebracht werden könne.
Er kündigte an, dass die Ukraine - «wie es bei vorherigen diplomatischen Besuchen der US-Seite war» - die Sicherheit des russischen Luftraums gewährleisten werde, damit die Verhandler sicher ankommen. Von ukrainischer Seite werde es keine Luftangriffe geben, versprach er. Auch Putin ordnete mit Tagesbeginn am Sonntag einen dreitägigen Stopp von Luftangriffen auf Kiew an, wie Peskow sagte.
In der Nacht auf Samstag wurden vier Menschen bei einem russischen Luftangriff auf die Stadt Kamjanske im südlichen Gebiet Dnipropetrowsk getötet. Selenskyj warf dem russischen Militär auch vor, vor Witkoffs Anreise demonstrativ die Kiewer Flughäfen Schuljany und Boryspil beschossen zu haben.
Trumps Regierung durch Iran-Krieg abgelenkt
Witkoff und Kushner, Trumps Schwiegersohn, sind in der Trump-Regierung für die Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs zuständig. In den vergangenen Monaten lagen die Gespräche allerdings auf Eis, weil Trump sein Augenmerk auf den von ihm begonnen Krieg gegen den Iran richtete. Zuletzt saßen die USA im Februar bei direkten Gesprächen zwischen Russland und der Ukraine in der Schweiz als Vermittler am Tisch.
Vor dem jetzigen Doppelbesuch hatten sich laut «New York Times» die Verhandlungen über Wochen hingezogen. Die US-Regierung habe darauf bestanden, dass die Ukrainer ihre Drohnenangriffe auf Moskau und die russische Energieinfrastruktur vorübergehend einstellen, solange sich Trumps Unterhändler in Russland aufhalten. Umgekehrt sei von den Russen verlangt worden, die Raketenangriffe auf Kiew auszusetzen, schrieb die Zeitung.
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