Kabul/Islamabad (dpa) - Nach einer Offensive der afghanischen Taliban hat Pakistans Luftwaffe in der Nacht militärische Einrichtungen im Nachbarland angegriffen. Dabei wurden auch Ziele in der afghanischen Hauptstadt Kabul und den Provinzen Kandahar und Paktia bombardiert. Das bestätigte der Sprecher der islamistischen Taliban-Regierung, Sabiullah Mudschahid, auf der Plattform X. Es gebe keine Berichte über Opfer der Luftangriffe. Die pakistanische Seite sprach von Dutzenden getöteten Taliban-Kämpfern.
Afghanistan hatte zuvor pakistanische Stellungen entlang der umstrittenen Grenze angegriffen. Dabei seien 55 pakistanische Soldaten getötet worden, teilte das afghanische Verteidigungsministerium in einer Stellungnahme auf X mit. Pakistanische Stellungen im Grenzgebiet seien eingenommen worden.
Pakistans Präsident Asif Ali Zardari schrieb in der Nacht auf X, die Reaktion der pakistanischen Streitkräfte sei umfassend und entschlossen. Sein Land werde keine Zugeständnisse in Bezug auf Frieden und territoriale Integrität machen. 133 afghanische Taliban-Kämpfer seien bei Gegenschlägen getötet worden, teilte der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar auf X mit. Bei Angriffen seien unter anderem Waffenlager, Panzer und Militäranlagen zerstört worden. Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
UN-Generalsekretär António Guterres forderte Afghanistan und Pakistan angesichts der jüngsten gegenseitigen Angriffe zur Deeskalation auf. Die Parteien sollten versuchen, alle Differenzen auf diplomatischen Weg beizulegen, sagte Guterres nach Angaben seines Sprechers Stéphane Dujarric.
Konflikt zwischen den Nachbarn flammt wieder auf
Erst am vergangenen Wochenende hatte Pakistan Stellungen in Afghanistan angegriffen. Die UN-Hilfsmission für Afghanistan (UNAMA) teilte im Nachgang mit, 13 Zivilisten seien bei den Luftschlägen ums Leben gekommen, sieben weitere verletzt worden. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid hatte die folgenden Angriffe auf Pakistan als Gegenoffensive bezeichnet.
Die Beziehungen zwischen den Nachbarländern Afghanistan und Pakistan haben sich zuletzt massiv verschlechtert. Erst im Herbst war es zu Gefechten gekommen. Laut UN-Angaben starben damals 70 afghanische Zivilisten bei pakistanischen Angriffen. Friedensverhandlungen unter Vermittlung des Golfemirats Katar und der Türkei brachten keine nachhaltige Lösung des Konflikts.
Was steckt hinter den Gefechten?
Islamabad wirft Kabul vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul bestreitet das.
Insbesondere die Gruppe Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) - weithin als Pakistanische Taliban bekannt - und ein regionaler Ableger des Islamischen Staates (IS) verüben in Pakistan seit Jahren immer mehr Anschläge. Nach Angaben des Pakistan Institute for Peace Studies stieg die Zahl der Terroranschläge in Pakistan 2025 auf fast 700.
Auch die Vereinten Nationen schreiben in einem jüngst veröffentlichten Bericht, dass die Regierung in Kabul verschiedenen Terrorgruppen im Land ein günstiges Umfeld biete und die Pakistanischen Taliban unterstütze. Die regierenden Taliban bestreiten das.
Die Nachbarländer teilen sich eine rund 2.400 Kilometer lange Grenze, die 1893 zwischen dem damaligen Britisch-Indien und dem Emirat Afghanistan entstand. Der Verlauf der als «Durand-Linie» bekannten faktischen Grenze ist zwischen den Ländern umstritten.
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