Washington/Teheran (dpa) - Im Iran-Krieg haben die USA die neunte Nacht in Folge Ziele in der Islamischen Republik bombardiert. Teheran meldete Explosionen in mehreren Landesteilen und reagierte wieder mit Vergeltungsangriffen auf Bahrain und Kuwait. Inmitten der Attacken gibt es erstmals seit Tagen aber auch wieder Zeichen für eine mögliche diplomatische Annäherung.
Das US-Militär teilte nach der jüngsten Angriffswelle am Morgen mit, man habe im Iran militärische Kommandozentralen, Anlagen zur Flugabwehr und Küstenüberwachung, Vorrichtungen für Raketenabschüsse und Drohnenstarts sowie Kommunikationsnetzwerke ins Visier genommen.
Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim wurden Explosionen aus der Stadt Tabris im Norden, der Hafenstadt Tschahbahar am Golf vom Oman, aus Konarak in der südöstlichen Provinz Sistan-Belutschistan, der Hafenstadt Mahschahr in der Provinz Chusestan sowie der Hafenstadt Bandar Imam Chomeini am Persischen Golf gemeldet. Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars berichtete zudem über Detonationen im Raum Sirik nahe der Straße von Hormus sowie aus der Provinz Buschehr.
Die Streitkräfte in Kuwait meldeten am Morgen neue Angriffe aus dem Iran mit Drohnen. Im Golfstaat Bahrain, der die größte US-Marinebasis der Region beheimatet, heulten in der Früh erneut die Sirenen.
Die Ölpreise stiegen erneut und zum ersten Mal seit Anfang Juni über die Marke von 90 US-Dollar. Das US-Militär verlegt Medienberichten zufolge weitere Kampf- und Tankflugzeuge in die Konfliktregion.
US-Außenminister: Wir bleiben gesprächsbereit
Gleichzeitig signalisierte Washington weiter Gesprächsbereitschaft in dem seit mehr als vier Monaten laufenden Krieg, den die USA und Israel begonnen hatten. «Wir sind stets offen für Diplomatie», sagte US-Außenminister Marco Rubio - sofern Teheran bereit sei, eine getroffene Vereinbarung einzuhalten. Man werde es «auch weiterhin versuchen. Sollte sich diese Tür öffnen, würden wir das begrüßen», sagte Rubio.
Der Iran erhielt eigenen Angaben zufolge Vorschläge von Vermittlern für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen. Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai bestätigte eine entsprechende Frage in Teheran, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete. Der Iran werde sich jedoch weiter entschlossen verteidigen, sagte der Sprecher.
Trump: Haben Iran wieder «sehr hart getroffen»
US-Präsident Donald Trump begründete die jüngsten Angriffe mit dem Tod mehrerer US-Soldaten. «Diese großartigen Menschen, diese großartigen Patrioten, waren da draußen im Einsatz, damit der Iran keine Atomwaffen bekommen kann», sagte Trump nach seiner Rückkehr vom WM-Endspiel vor Reportern. Die Angriffe auf den Iran seien «zu Ehren» der Soldaten erfolgt. «Wir haben sie (die Iraner) heute Nacht wieder sehr hart getroffen», sagte Trump.
In der Hauptstadt Teheran wächst in der Bevölkerung unterdessen die Sorge vor Angriffen auch in der Millionenmetropole, sollte der Krieg weiter eskalieren.
Erneut Schiff angegriffen - iranische Seite spricht von «Explosion»
Die Straße von Hormus - diese hat enorme Bedeutung für den Export von Gas und Öl aus der Region, aber auch für den Handel etwa mit Containern - stand weiter im Fokus des Konflikts. Dort wurde ein Schiff nahe der omanischen Küste angegriffen, woraufhin es zum Brand kam und die Besatzung evakuiert wurde, wie die britische Behörde UKMTO in der Nacht meldete.
Irans Revolutionsgarden (IRGC) teilten Fars zufolge mit, zwei Öltanker seien in der Meerenge «explodiert». Diese beiden «Abweichler» hätten versucht, in die Straße von Hormus und aus dieser hinaus über «die unsichere Route» zu fahren. Teheran hatte zuvor wiederholt erklärt, nur eine vom Iran vorgegebene Route durch die Straße von Hormus sei sicher. Der Streit um die Meerenge und die Frage, wie die Durchfahrt geregelt wird, ist weiter ein Kernpunkt im Konflikt.
Trump: Der Iran hat schwere Verluste erlitten
Trump widersprach derweil der Darstellung Teherans. «Wir kontrollieren die Meerenge; sie kontrollieren gar nichts. Mal sehen, was passiert», sagte er. Trump behauptete zudem, der Iran habe im Krieg sehr schwere Verluste erlitten. «Militärisch haben sie fast alles verloren», sagte er. «Sie haben nur noch sehr wenig übrig. Sie haben noch ein paar Raketen. Sie haben noch ein paar Drohnen.» Das «Wall Street Journal» berichtete kürzlich unter Berufung auf US-Beamte, Trump tendiere dazu, die Einsätze gegen den Iran auszuweiten.
Optionen sind demnach, die Luftangriffe zu verstärken, Bodentruppen zur Besetzung iranischer Inseln nahe der Straße von Hormus einzusetzen sowie die Bombardierung einer iranischen Atomeinrichtung, die als «Pickaxe Mountain» bekannt ist. Trump hatte jüngst mit einem Angriff auf den Komplex gedroht, der im Berg Kuh-e Kolang südlich der Nuklearanlage Natans im Zentraliran liegt.
Laut «Wall Street Journal» verlegen die USA nun unter anderem Kampfflugzeuge vom Typ F-16 vom US-Flugplatz Spangdahlem in der Eifel in den Nahen Osten. Zudem würden F-35-Kampfflugzeuge von dem von den USA genutzten Stützpunkt RAF Lakenheath in Großbritannien geschickt, hieß es. Auch Tankflugzeuge befinden sich demnach auf dem Weg in die Region. Das berichtete auch die «New York Times» unter Berufung auf US-Beamte.
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