Konflikt um Arktisinsel
Nato-Verbündete Dänemarks starten Mission in Grönland
Fliegerhorst Wunstorf
Fliegerhorst Wunstorf
Moritz Frankenberg. DPA

Der Konflikt um Grönland ist ungelöst. Nato-Verbündete Dänemarks wollen zeigen, dass sie die Region schützen können - und beginnen dazu eine Erkundungsmission. Auch deutsche Soldaten fliegen los.

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Berlin/Kopenhagen (dpa) - Nach erfolglosen Gesprächen in Washington zur Beilegung des Grönland-Konflikts schicken mehrere Nato-Verbündete Dänemarks Soldaten auf die Arktisinsel. An der Erkundungsmission beteiligt sich auch die Bundeswehr. Vom Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen startete ein Transportflugzeug vom Typ A400M mit Soldaten an Bord. Ein Krisengespräch zwischen den USA, Dänemark und Grönland hatte am Mittwoch keine Lösung im Konflikt um die Besitzansprüche der USA auf die Insel gebracht. 

«Es geht darum, die Möglichkeiten der Gewährleistung der Sicherheit mit Blick auf russische und chinesische Bedrohungen in der Arktis zu eruieren», teilte das Bundesverteidigungsministerium mit. Dies erfolge auf Einladung und unter der Führung des Bündnispartners Dänemark. «Ziel ist es, dass wir uns ein fundiertes Bild vor Ort verschaffen, für weitere Gespräche und Planungen innerhalb der Nato.» 

Das weitgehend autonome Grönland gehört zum Staatsgebiet Dänemarks, eines Nato-Mitglieds. US-Präsident Donald Trump will die riesige rohstoffreiche Insel jedoch den USA einverleiben. Er begründet seine Forderungen mit der Sicherheit für die Region und die US-Bevölkerung, die er durch China und Russland bedroht sieht. Die Europäer wollen ihn davon überzeugen, dass Grönland am besten im Rahmen der Nato geschützt werden kann. 

Pistorius betont enge Abstimmung besonders mit USA

Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wies zum Abflug des deutschen Kontingents darauf hin, dass Russland und China die Arktis zunehmend militärisch nutzten und damit die Freiheit der Verkehrs-, Kommunikations- und Handelswege infrage stellten. «Die Nato wird dies nicht zulassen und auch weiterhin für die regelbasierte internationale Ordnung eintreten.» Entscheidend sei für ihn, «dass wir uns bei der gemeinsamen Erkundung in Grönland unter dänischer Führung innerhalb der Nato, insbesondere mit unseren US-Partnern, sehr gut abstimmen».

Mehrere Nationen beteiligen sich an Erkundung

Es handelt sich bei der Erkundung unter der Führung Dänemarks nicht um eine Mission der Nato - die beteiligten Länder sind aber Mitgliedsstaaten der Verteidigungsallianz. Für Deutschland kündigte das Verteidigungsministerium 13 Soldaten an. Norwegen schickt zwei Personen, Schweden «einige Offiziere», Finnland zwei und Großbritannien sowie die Niederlande jeweils einen. 

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron erklärte: «Eine erste Gruppe französischer Soldaten ist schon vor Ort und wird in den nächsten Tagen von Land-, Luft- und Marinekräften verstärkt werden.» Auf der Plattform X hatte er in der Nacht von «gemeinsamen Übungen» gesprochen, die Dänemark organisiert habe. Sie liefen unter dem Namen «Operation Arctic Endurance» (auf Deutsch etwa: «Einsatz Arktische Ausdauer»). 

Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles schloss eine spanische Beteiligung nicht aus, mahnte aber zur Vorsicht. Eine Annexion Grönlands durch die USA wäre äußerst besorgniserregend. «Aber wir werden bei unseren Entscheidungen umsichtig vorgehen», sagte sie. «Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Annexion inakzeptabel und äußerst schwerwiegend ist. Aber ich glaube nicht, dass wir uns in dieser Situation befinden.»

Keine Einigung bei Grönland-Verhandlungen in Washington

Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen sagte in Washington nach dem Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance, dass zwischen den Parteien weiterhin eine «fundamentale Meinungsverschiedenheit» bestehe. An dem Gespräch nahm auch die für die grönländische Außenpolitik zuständige Ministerin Vivian Motzfeldt teil.

Trump hatte schon vor dem gut einstündigen Gespräch in einem Gebäude der US-Regierung nahe dem Weißen Haus klargemacht, von seinem Ziel keinen Millimeter abzuweichen. Alles andere als ein Grönland in der Hand der Vereinigten Staaten sei «inakzeptabel», schrieb Trump auf seiner Internet-Plattform Truth Social.

Übung im hohen Norden für Bundeswehr kein Neuland

Die Soldaten der Bundeswehr flogen nicht direkt nach Grönland, sondern zunächst ins dänische Karup, wo sich ein großer Luftwaffenstützpunkt befindet. Dänemark hatte nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums angeboten, mit seinem Erkundungsteam und weiteren Partnern am Freitag gemeinsam nach Grönland zu fliegen. Dies werde mit einem zivilen dänischen Flugzeug geschehen, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in Berlin. Und weiter: «Aus unserer Sicht ist der gemeinsame Flug ein starkes Zeichen unserer Geschlossenheit».

Ein Einsatz im hohen Norden ist für die Bundeswehr kein Neuland. Nach einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag nahmen 2024 und 2025 deutsche Soldatinnen und Soldaten an 40 Übungen jenseits des nördlichen Polarkreises teil. Darüber berichtete zuerst die «taz». Der verteidigungspolitische Sprecher der Linken, Ulrich Thoden, wertete diese Übungen in der Zeitung als Ausdruck eines «abenteuerlichen Expansionskurses» der Bundeswehr.

Bundeswehr hat neuen Fernaufklärer zum Überwachen von Meeren

Wenn die Nato die Überwachung der Gewässer rund um Grönland ausbauen will, könnte sich die Marine zum Beispiel mit ihrem neuen Seefernaufklärer daran beteiligen. Die erste Maschine vom Typ P-8A «Poseidon» wurde erst vor kurzem in Dienst gestellt. Mit dem Flugzeug ist die Besatzung in der Lage, große Seegebiete zu überwachen, Schiffsbewegungen zu verfolgen und U-Boote mit Radar sowie akustischen und optischen Systemen zu orten.

© dpa-infocom, dpa:260115-930-547784/7

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