Washington (dpa) – «Es war nicht einfach nur eine blaue Welle, es war ein amerikanischer Tsunami», sagte der demokratische Minderheitsführer im US-Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, nach dem überwältigenden Wahlsieg seiner Partei. Der Tsunami hat auch eine Strategie der Republikaner zunichtegemacht: Sie wollten ihre Macht in Washington mit Hilfe riesiger Spenden von Milliardären und Unternehmen verteidigen.
Vielerorts setzte sich nicht das große Geld durch, sondern Kandidatinnen und Kandidaten, die auf Kleinspender, Freiwillige und die direkte Mobilisierung ihrer Anhänger bauten. Mehr noch: Die Millionenspenden für ihre Gegner könnten ihnen sogar bei der Mobilisierung des eigenen Lagers geholfen haben.
Dabei war dieser US-Wahlkampf so teuer wie keiner zuvor. Rund 12 Milliarden Dollar (aktuell rund 10,7 Milliarden Euro) wurden nach Angaben der Werbefirma AdImpact für politische Werbung ausgegeben – sogar mehr als bei der Präsidentschaftswahl 2024. Allein die 40 größten Geldgeber steuerten laut einer Untersuchung der Denkfabrik Brennan Center for Justice bis Mitte Oktober rund 2,4 Milliarden Dollar bei. Das waren rund 50 Prozent mehr als die Vergleichszahl für den gesamten Wahlkampf 2022. Klarer Nutznießer waren die Republikaner: Sie erhielten von den ausschließlich einer Partei verbundenen Großspendern mehr als dreimal so viel Geld als die Demokraten.
David gegen Goliath in Texas
Wie wenig Geld allein allerdings über einen Wahlsieg entscheidet, zeigte sich vor allem in Texas. Dort verlor der republikanische Gouverneur Greg Abbott sein Amt an die Demokratin Gina Hinojosa – obwohl dieser für seinen Wahlkampf fast achtmal so viel Geld ausgegeben hatte.
Hinojosa setzte stattdessen stärker auf soziale Medien, Influencer und die direkte Mobilisierung ihrer Unterstützer. Ihre Kampagne finanzierte sich zu einem großen Teil durch Kleinspenden – durchschnittlich rund 53 Dollar. Zwar bekam auch sie Unterstützung wohlhabender Geldgeber, doch gegen Abbotts finanziellen Vorsprung kam sie damit nicht an.
Ähnliches spielte sich bei der Senatswahl in Texas ab. Der Demokrat James Talarico gewann gegen den Republikaner Ken Paxton, hinter dem ein gewaltiges Netzwerk finanzstarker Unterstützer stand. Allein Tech-Milliardär Elon Musk überwies 168 Millionen Dollar an einen republikanischen Wahlkampffonds, von dem ein Großteil an ein Komitee zur Unterstützung Paxtons weitergeleitet wurde.
Talarico machte den Einfluss der Superreichen selbst zum Wahlkampfthema. Er verglich den Kampf gegen die Milliardäre und das politische Establishment mit der biblischen Geschichte von David gegen Goliath. Nach seinem Sieg erklärte er: «Heute Abend haben wir Goliath besiegt.»
Wenn die Millionen zum Wahlkampfthema werden
Deutlich zeigte sich die Kehrseite großer Wahlkampfausgaben auch in Michigan. Dort setzte sich der linke Demokrat Abdul El-Sayed zunächst in der parteiinternen Vorwahl gegen die Kongressabgeordnete Haley Stevens durch. Für Stevens war nach Angaben der «Washington Post» fast neunmal so viel Geld in Wahlwerbung geflossen wie für El-Sayed, darunter enorme Summen von einer proisraelischen Lobbyorganisation.
El-Sayed machte daraus ein Argument gegen seine Konkurrentin: Er warf dem politischen Establishment vor, sich von reichen Interessengruppen abhängig zu machen. Seine Kampagne setzte auf eine Bewegung von Tausenden Freiwilligen. Die Strategie erinnerte an den Überraschungserfolg des linken Demokraten Zohran Mamdani bei der New Yorker Bürgermeisterwahl 2025. Auch er setzte auf eine volksnahe Ansprache und ein Heer von Freiwilligen, um gegen finanziell besser ausgestattete Kandidaten zu triumphieren.
Nicht mal Elon Musks Millionen reichen dafür aus
Niemand hat bei der Niederlage der Republikaner so viel Geld versenkt wie Musk. Der reichste Mensch der Welt steckte laut «Washington Post» rund 446 Millionen Dollar seines eigenen Vermögens in den Wahlkampf 2026 – mehr als jeder andere bekannte Einzelspender in der modernen US-Geschichte. Sein Geld floss unter anderem in die Unterstützung republikanischer Kandidaten in Texas, Ohio und Maine. Sie verloren wichtige Rennen.
Bereits im April 2025 hatte er mit enormen Summen versucht, eine Richterwahl im Bundesstaat Wisconsin zugunsten eines konservativen Kandidaten zu beeinflussen. Laut Brennan Center wurde es die teuerste Richterwahl der US-Geschichte. Eine von Musk finanzierte Wahlkampforganisation bot Menschen sogar Geld dafür an, dass sie eine Petition gegen «aktivistische Richter» unterschrieben. Drei Unterzeichner erhielten Schecks über jeweils eine Million Dollar, teils persönlich überreicht von Musk. Doch es half nicht: Sein Wunschkandidat verlor deutlich gegen eine eher linke Richterin.
Die Macht der Tech-Milliardäre und Ärger über Rechenzentren
Laut Brennan Center investieren inzwischen vor allem Unternehmen und Milliardäre aus der Technologiebranche immer größere Summen in die Politik. Vor allem die Branchen für künstliche Intelligenz und Kryptowährungen versuchen, durch die Unterstützung von Kandidaten Einfluss auf die künftige Regulierung ihrer Geschäfte zu nehmen.
Doch gerade der Ausbau von KI-Rechenzentren stieß zuletzt vielerorts auf Widerstand, aus Sorge vor steigenden Strompreisen, hohem Wasserverbrauch und Umweltbelastungen. Mamdani sagte nach der Wahl: «Die Amerikaner haben es satt, dass Politiker, die von den reichsten Menschen des Landes gekauft wurden, ihnen erklären, ihre Bedürfnisse seien unrealistisch.»
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