Singapur (dpa) – US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat bei einer großen Sicherheitskonferenz in Singapur europäische Verbündete scharf kritisiert und zugleich vor einer möglichen Vorherrschaft Chinas im Indopazifik gewarnt. Die USA wollten verhindern, dass ein einzelner Staat die Region dominiere und das bestehende Machtgleichgewicht zerstöre, sagte Hegseth beim Shangri-La-Dialog in der südostasiatischen Wirtschaftsmetropole.
Ziel der USA sei eine Ordnung, in der «kein Staat, einschließlich China, seine Hegemonie durchsetzen kann». Zugleich schlug der Minister versöhnliche Töne gegenüber Peking an. Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und China seien «besser als seit vielen Jahren». Die Regierung von US-Präsident Donald Trump strebe «stabilen Frieden, fairen Handel und respektvolle Beziehungen» zu Peking an.
Denkfabrik warnt vor Taiwan-Konflikt
Erst vor zwei Wochen hätten Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping direkte Gespräche geführt, die die Grundlage für eine «konstruktive Beziehung strategischer Stabilität» gestärkt hätten. Das Streitthema Taiwan, das Peking immer wieder als «rote Linie» in den US-China-Beziehungen bezeichnet, sprach Hegseth nicht an. Auch auf den Konflikt im Iran ging er nicht näher ein.
Kurz vor dem Forum hatte die Londoner Denkfabrik IISS, die den Shangri-La-Dialog ausrichtet, Folgen eines Taiwan-Konflikts skizziert. Angesichts der strategischen Bedeutung Taiwans für Peking würde ein Konflikt mit China für die USA die Gefahr einer Eskalation bergen, möglicherweise bis hin zu einem nuklearen Konflikt, schrieben die Experten. «Selbst ein begrenzter nuklearer Schlagabtausch wäre für die Region katastrophal», hieß es. Chinas Verteidigungsministerium hielt den Bericht für realitätsfern.
Scharfe Kritik an Europa
In seiner Rede griff Hegseth auch europäische Verbündete ungewöhnlich scharf an. Asiatische Partner verfolgten traditionell einen pragmatischen Ansatz in Bündnissen, betonte er. «Wenn unsere Interessen auseinandergehen, passen wir uns pragmatisch an – ohne Drama oder Moralisieren. Ich denke, Westeuropa könnte sich daran ein Beispiel nehmen.»
Hegseth bekräftigte die Forderung der Regierung Trumps nach einer gerechteren Lastenteilung unter Verbündeten. «Die Ära, in der die Vereinigten Staaten die Verteidigung wohlhabender Nationen subventionieren, ist vorbei», sagte er. Die USA bräuchten «Partner, keine Protektorate». Europa habe Forderungen nach höheren Verteidigungsausgaben lange ignoriert.
Hegseth: «Weniger Foren, mehr Schiffe»
Zugleich drängte Hegseth die Verbündeten in Asien zu höheren Verteidigungsausgaben. «Wir brauchen nicht mehr Konferenzen, wir brauchen mehr Kampfkraft», sagte er. Mit Blick auf das Forum fügte er hinzu: «Weniger Shangri-La, mehr Schiffe, mehr U-Boote.»
Bei dem Treffen in Singapur diskutieren jedes Jahr Hunderte Minister, Militärs und Experten aus aller Welt über die aktuellen Krisenherde und Bedrohungslagen. China schickte statt des Verteidigungsministers nur Experten des Militärs.
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