München (dpa) – Die verstärkten Geschwindigkeitskontrollen während der Speedweek in mehreren Bundesländern haben die Autofahrer wohl ein Stück weit gebremst. Eine Auswertung des Verkehrsdatenanbieters TomTom in mehreren Großstädten zeigt zumindest teilweise niedrigere Geschwindigkeiten. Ein einheitliches Bild ergibt sich aber nicht.
Für die Auswertung wurden die Geschwindigkeiten in Berlin, Bremen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover und Stuttgart an den Werktagen der vergangenen Woche mit den Werten der Werktage im Juli verglichen. Zudem wurden Leipzig und München als Vergleichsstädte ausgewertet – dort hatte es keine Speedweek gegeben.
In Bremen, Frankfurt und Hannover lagen die ermittelten Durchschnittsgeschwindigkeiten während der Speedweek über weite Teile der Tage unter denen aus dem Juli. Besonders deutlich fielen die Unterschiede dabei auf den Autobahnen in den Städten aus.
Schnelle Fahrer wurden langsamer
Ebenfalls überdurchschnittlich fielen die Unterschiede bei den schnellen Autofahrern aus – also genau jenen, bei denen Geschwindigkeitsüberschreitungen am wahrscheinlichsten sind. Bei der 90. beziehungsweise 95. Perzentile – das sind jene Werte, die nur von 10 beziehungsweise 5 Prozent überschritten werden – zeigten sich unter anderem auf den Autobahnen in Stuttgart, Bremen, Hannover, Frankfurt und Hamburg Rückgänge.
In München und Leipzig, den beiden Vergleichsstädten ohne Speedweek, sah die Geschwindigkeitsentwicklung anders aus: In München fuhren die Menschen im Schnitt schneller – wohl weil dort die Sommerferien begonnen haben, so dass es weniger Verkehr gibt. In Leipzig blieb es im Vergleich zum Juli weitgehend unverändert.
Dass sich auf einzelnen Strecken gerade die hohen Geschwindigkeiten teils deutlich reduzierten, obwohl die Verkehrsdichte dort unverändert blieb, passe zur Annahme, dass verstärkte Geschwindigkeitskontrollen vor allem Fahrer beeinflusst haben könnten, die sonst besonders schnell unterwegs sind, heißt es von TomTom.
Kein eindeutiger Beleg
«Beweisen lässt sich ein solcher Zusammenhang mit den Daten allerdings nicht», schränken die Verkehrsdatenexperten ein. «Auch Baustellen, Staus, Ferienreiseverkehr oder andere lokale Besonderheiten können die Geschwindigkeiten beeinflussen. Insgesamt zeigen die Daten deshalb keinen eindeutigen Beleg dafür, dass die Speedweek den Verkehr insgesamt langsamer gemacht hat. Sie liefern aber Hinweise darauf, dass sich die Aktionswoche in einzelnen Städten und besonders auf stark befahrenen Autobahnen eher bei den sehr hohen Geschwindigkeiten bemerkbar gemacht haben könnte.»
Weltweit erfasst TomTom täglich anonymisierte GPS-Daten von rund 600 Millionen mobilen Geräten. In Deutschland erfasst das Unternehmen auf diese Weise nach eigenen Angaben etwa 20 bis 25 Prozent der Fahrzeuge, die am Straßenverkehr teilnehmen. Aus den Daten werden unter anderem Geschwindigkeiten und Verkehrsbewegungen auf einzelnen Straßenabschnitten abgeleitet.
Die Speedweek ist eine vom europäischen Polizeinetzwerk Roadpol europaweit abgestimmte Aktion. Jedes Jahr im April und im August finden dabei solche Kontrollwochen statt, bei denen die Polizei die Geschwindigkeit auf den Straßen strenger überwacht. In Deutschland nahmen nicht alle Bundesländer teil. Bundesweite Zahlen liegen nicht vor, alleine in Schleswig-Holstein wurden aber laut Landespolizeiamt Kiel fast 15.000 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt.
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