Madrid (dpa) – Dass dieses Meer aus Trümmern einmal der Waggon eines Zugs war, ist nur schwer zu erahnen. Da sind Räder, Teile von Fensterscheiben, dazwischen Gepäckstücke und Massen an völlig verformtem Metall und Kunststoff. Auf Luftbildern erkennt man erst das ganze Ausmaß der Tragödie: Zwei Hochgeschwindigkeitszüge sind hier kollidiert, Waggons zu beiden Seiten des Bahndamms heruntergestürzt. Bei dem schweren Unglück am Morgen in Spanien nahe Urda in der Provinz Toledo rund 130 Kilometer südlich von Madrid sind mindestens 68 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Schwerverletzten wurde mit rund 50 angegeben.
Ein geretteter Mann beschreibt Journalisten vor Ort den Unfall. «Der Zug kam von links und alle wurden aus dem Waggon geschleudert», sagt er. Leute seien «durch die Luft geflogen».
Überall Chaos
Eine Frau mit blutbefleckter weißer Bluse schildert einer Reporterin die Kollision als einen sehr heftigen Schlag. Sofort habe Chaos geherrscht, hektische Menschen seien überall um sie herumgelaufen. Dann die Rettung. «Es standen Leute da, die haben uns geholfen», sagt sie. «Das war auch gut so, denn mich mussten sie hochheben, ich war unter dem Sitz stecken geblieben.» Sehr schnell seien Hubschrauber da gewesen, «und es waren Feuerwehrleute und viele Beamte der Guardia Civil da, wirklich viele».
Zahlreiche Menschen posten auf sozialen Medien Szenen, die das Geschehen kurz nach dem verheerenden Unglück zeigen. Da sitzen Überlebende zwischen den Trümmern, mit Löchern in der Kleidung, und weinen. Einsatzkräfte versorgen auf der Wiese neben dem Bahndamm Verletzte, decken sie mit Wärmedecken zu, halten Infusionsbeutel hoch. Andernorts tragen Helfer Leichen weg vom Ort des Geschehens, mit weißen Tüchern bedeckt.
Rettungskräfte berichten der Zeitung «El País», dass seit dem Morgen die Leichen der geborgenen Opfer in Reihen entlang eines Bahndamms aufgebahrt sind. Auf der anderen Seite des Damms wurden den ganzen Tag über verletzte Fahrgäste versorgt. Die Schwerstverletzten wurden umgehend mit Rettungshubschraubern in die nächstgelegenen Krankenhäuser geflogen.
«Alptraum, aus dem man nicht erwacht»
Ein Angehöriger der staatlichen Sicherheitskräfte beschreibt den Anblick als «unbeschreiblich und grauenhaft». Die Leichen lagen «Reihe um Reihe» in einem Mandelhain. «Das werden wir nie vergessen. Es ist ein Alptraum, aus dem man nicht erwacht.»
Auch aus einem der verunglückten Züge selbst gibt es Bilder. Ein User lädt im Internet ein Video hoch. Zu hören: die Durchsage einer Bahnmitarbeiterin unmittelbar nach dem Unfall. Offenbar kann die Frau nur mit Mühe sprechen. Wohl in Gedanken an die vielen Verletzten, die noch auf ihre Versorgung warteten, sagte sie: «Wir müssen uns also in Geduld üben, denn wir bleiben bis auf weiteres hier stehen. Wir müssen uns also in Geduld üben, denn ich glaube, dass es im Moment andere Menschen gibt, die noch mehr Geduld brauchen als wir.»
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