Cali (dpa) – Nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien stehen die Rettungskräfte bei der Suche nach Überlebenden vor kritischen Stunden: Das entscheidende 72-Stunden-Zeitfenster, um unter Trümmern eingeschlossene Menschen noch lebend bergen zu können, schließt sich heute. Danach sinken die Erfolgschancen deutlich. Die Regierung des südamerikanischen Landes hat angekündigt, den Einsatz mit Bergungsteams aus den USA und drei weiteren Ländern zu verstärken.
Bei dem Beben der Stärke 7,4 im Westen des Landes vom Montag sind mindestens 265 Menschen ums Leben gekommen und rund 3.500 weitere verletzt worden. Wie Präsident Abelardo de la Espriella mitteilte, gelten offiziell 496 Menschen als vermisst. Deren Zahl könnte jedoch deutlich höher sein: Angehörige suchen laut einer inoffiziellen Datenbank nach rund 4.200 Menschen.
«Das ist zweifellos eine Tragödie großen Ausmaßes», sagte der Präsident in einer Ansprache. Mehr als 53.000 Menschen seien betroffen, 140 Gebäude seien komplett eingestürzt und Zehntausende Wohnungen beschädigt worden. De la Espriella kündigte die Ausrufung eines «wirtschaftlichen Notstands» an, um schneller über Mittel für den Wiederaufbau verfügen zu können.
Präsident ernennt einen neuen Katastrophenmanager
Nach Kritik an seinem Krisenmanagement hat der rechtsgerichtete Präsident zudem einen neuen Leiter der Katastrophenschutzbehörde (UNGRD) eingesetzt. Der Staatschef ist erst seit wenigen Tagen im Amt. Der bisherige Verantwortliche war von der linken Vorgängerregierung ernannt worden.
Der neue Leiter, David Tamayo, sagte, dass Such- und Rettungsteams aus den USA, Israel, Ecuador und El Salvador die Bergungsarbeiten unterstützen würden. Die Teams würden die örtlichen Einsatzkräfte nach mehrtägigem Dauereinsatz ablösen, damit diese sich erholen könnten, sagte er.
Auslandshilfe ist «ohne politische Erwägungen» willkommen
Laut Außenminister Omar Bula sind humanitäre Hilfsgüter aus verschiedenen Staaten unterwegs – und nicht nur aus Ländern, die der Regierung ideologisch verbunden sind wie jene vier, aus denen Suchteams entsendet werden. «Wir arbeiten mit anderen Ländern zusammen, ohne dabei ideologische oder politische Erwägungen anzustellen, und nehmen ihre Hilfe dankbar an», sagte Bula. Unter anderem kündigte die linksgerichtete Regierung Mexikos Hilfslieferungen an.
Das Beben ereignete sich am Montagmorgen um 7.34 Uhr Ortszeit nahe San José del Palmar im Westen des Landes in einer Tiefe von rund 103 Kilometern. Im Anschluss wurden zahlreiche Nachbeben registriert.
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