Bundeslagebild
Bandenkriminalität: Gewalt zur Einschüchterung nimmt zu
Ein Toter nach Schüssen auf der Sonnenallee in Berlin
Schüsse im öffentlichen Raum verunsichern die Bevölkerung sehr. Häufig, aber nicht immer geht es dabei um Organisierte Kriminalität. (Archivbild)
Sebastian Gollnow. DPA

Explosionen und Schüsse im Raum Köln sind laut Bundeskriminalamt Beispiele für die wachsende Brutalität krimineller Banden. Die Zahl der Ermittlungsverfahren zu Gewalt steigt deutlich an.

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Berlin (dpa) – Kriminelle Banden in Deutschland greifen immer stärker zu Gewalt, um Opfer einzuschüchtern und Machtansprüche durchzusetzen. Im aktuellen Bundeslagebild Organisierte Kriminalität (OK) werden für das vergangene Jahr 20 vollendete Tötungsdelikte aufgeführt sowie 100 Fälle von vollendeter Körperverletzung. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 13 vollendete Tötungsdelikte und 77 Fälle von Körperverletzung im OK-Bereich. «Insbesondere zur Durchsetzung von Interessen und Machtansprüchen sowie in Konfliktsituationen zeigen OK-Gruppierungen eine erhöhte Gewaltbereitschaft und -anwendung», heißt es in dem Lagebild, das die Situation im Jahr 2025 abbildet.

Sogar 13-Jährige werden für Gewalttaten rekrutiert

Als ein Beispiel für die Brutalität, mit der viele Täter inzwischen vorgehen, nennt das vom Bundeskriminalamt (BKA) erstellte Lagebild eine Serie von Explosionen und Schussabgaben im Großraum Köln seit Sommer 2024, die auf den Diebstahl einer Rauschgiftlieferung zurückzuführen sind. Zugenommen haben demnach zuletzt auch die Fälle, in denen Gewalttaten wie eine Dienstleistung bestellt oder durch eigens dafür rekrutierte Minderjährige verübt werden. Da sich dieses vergleichsweise neue Phänomen der Anwerbung der Täter über soziale Medien «sehr dynamisch entwickelt», sei ein fortlaufender Austausch mit den Service-Providern notwendig, hält das BKA fest. Unter den angeheuerten Tätern seien teils sogar 13-Jährige.

Mehr Ermittlungsverfahren

Zugenommen hat 2025 auch die Zahl der Ermittlungsverfahren zu OK-Gruppierungen. Insgesamt waren es 683 Verfahren und damit so viele wie seit 2021 nicht mehr. Um mehr als 13 Prozent stieg die Zahl der Tatverdächtigen. Unter den 7.988 Tatverdächtigen, die im vergangenen Jahr ermittelt wurden, waren 2.722 deutsche Staatsbürger, 664 Menschen mit türkischem Pass, 402 Syrer, 281 Albaner und 258 Menschen mit polnischer Staatsangehörigkeit.

Rauschgiftkriminalität machte im Berichtsjahr erneut mit Abstand den Großteil der OK-Ermittlungsverfahren aus, gefolgt von Kriminalität im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben, Steuer- und Zolldelikten, Schleuserkriminalität, Eigentumsdelikten und Geldwäsche. In 31 Ermittlungsverfahren ging es primär um Gewaltkriminalität, im Vorjahr waren es 11 OK-Ermittlungskomplexe zu Gewaltkriminalität gewesen.

© dpa-infocom, dpa:260915-930-686798/1

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