Kurioses zum Übergang
75 Jahre Zebrastreifen: Von der High Street in die Popkultur
75 Jahre Zebrastreifen
Fußgänger überqueren in der Berliner Innenstadt im Juni 1964 einen Zebrastreifen. (Archivfoto)
Konrad Giehr. DPA

Wer über einen Zebrastreifen geht, kann Autos zum Anhalten bringen. Das war allerdings nicht immer so. Woher der tierische Name stammt und wo alles genau anfing: Fakten zur Geschichte des Übergangs.

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Berlin (dpa) – Schwarz-weiße Streifen auf der Straße kennt jeder. Doch wann und wo gab es den ersten Zebrastreifen? Die Geschichte führt 75 Jahre zurück nach Großbritannien – und von dort nach Deutschland bis in die Popkultur.

Schwarz-weiß markant: Offizielle Premiere in England

Das westlich von London gelegene Slough gilt nach Angaben des dortigen Museums als Geburtsort des Zebrastreifens. Laut Guinness-Buch der Rekorde wurde dort 1951 der erste dauerhaft markierte Übergang eingerichtet. Er lag auf der High Street, wo heute eine Fußgängerzone ist.

Am 31. Oktober 1951 traten in Großbritannien die Regeln für solche Übergänge in Kraft. Dem Fußgänger müsse Vorrang gewährt werden, wenn er sich «innerhalb dieser Begrenzungslinien auf der Fahrbahn befindet», hieß es in der Regelung.

Zuvor waren bereits verschiedene Markierungen getestet worden. Ende der 1940er Jahre gab es in London erste Versuche an Kreuzungen. Diese Übergänge waren aber nicht gut genug zu erkennen. Neu dazu kamen daher breite weiße Streifen für eine deutlich bessere Sichtbarkeit. Zusammen mit dem dunklen Straßenbelag entstand so das markante Muster.

Aus der «Dickstrichkette» wird das Fell des Zebras

In der Bundesrepublik ging es acht Monate später los: In München wurde am 8. Juli 1952 der erste Zebrastreifen auf der Straße markiert. Vorreiter war aber die DDR: Dort gab es schon im März 1952 einen entsprechenden Übergang in Ost-Berlin am S-Bahnhof Schöneweide. Als der Gesetzgeber im Westen 1953 den Fußgängerüberweg in die Straßenverkehrsordnung aufnahm, hieß die Markierung im Amtsdeutsch «Dickstrichkette».

Warum der Straßenübergang heute «Zebrastreifen» heißt, liegt auf der Hand: Die Streifen erinnern an das Fell eines Zebras. In Deutschland gibt es aber noch eine zweite Erklärung. Das «Hamburger Abendblatt» startete am 24. April 1954 die «Aktion Zebra». Polizisten beobachteten Autofahrer an den Übergängen und zeichneten besonders rücksichtsvolle Fahrer mit einer Zebra-Plakette aus. «Zebra» stand dabei für «Zeichen eines besonders rücksichtsvollen Autofahrers». Der Begriff blieb jedenfalls hängen.

Vorrang für Fußgänger und trotzdem gefährlich?

Heute scheint die Sache klar: Wer am Zebrastreifen gehend über die Straße will, hat Vorrecht. In der Bundesrepublik galt das im Gegensatz zu Großbritannien aber nicht von Anfang an. Erst 1964 erhielten Fußgänger ausdrücklich Vorrang. Heute müssen Autofahrer Menschen, die den Überweg erkennbar benutzen wollen, das Überqueren ermöglichen. Das gilt auch für Rollstuhlfahrer und Fahrer von Krankenfahrstühlen. Straßenbahnen sind von dieser Wartepflicht ausgenommen.

Trotz der Regelung passieren dort mitunter schwere Unfälle. Den Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge kam es 2025 zu insgesamt 1.502 Unfällen mit Personenschaden, bei denen falsches Verhalten gegenüber Fußgängern an Fußgängerüberwegen als Ursache erfasst wurde. 15 Menschen kamen dabei ums Leben. Im Vorjahr waren es 1.487 solcher Unfälle mit 9 Todesopfern.

In der Popkultur von den Beatles bis zum «Silly Walk»

Einer der bekanntesten Übergänge der Welt liegt in London. Am 8. August 1969 spazierten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr für das Cover ihres Albums «Abbey Road» über den Zebrastreifen vor den damaligen EMI-Studios. Seitdem kommen Beatles-Fans aus aller Welt genau hierhin, um die Szene nachzustellen. Der Übergang wurde 2010 sogar in die britische Denkmalliste aufgenommen.

Und dann gibt es noch den «Silly Walk»: Im niederländischen Spijkenisse erinnert ein Verkehrsschild an Monty Pythons berühmten Sketch von 1970 «Ministry of Silly Walks». Darauf ist ein Mann mit Melone und Aktentasche zu sehen, der ein Bein hoch in die Luft schleudert. Die Idee stammt von einem Fan. Die Verkehrsregeln gelten auch in diesem Fall: Autos müssen anhalten.

Statistisches Bundesamt zu Straßenverkehrsunfällen

Guinness-Buch der Rekorde zum ersten Zebrastreifen

Britische Verordnung von 1951

Entwicklung der schwarz-weißen Markierung und Sichtbarkeit

WDR zur Geschichte des Zebrastreifens und zur «Aktion Zebra» von 1954

BBC-Bericht von 1951 über Zebrastreifen

Bevölkerungsdaten für Slough

Slough Museum zum ersten Zebrastreifen 1951

Gesellschaft für deutsche Sprache zur Herkunft des Wortes Zebrastreifen

DDR-Gesetzblatt vom 4. Juni 1964, Seite 371

Foto des ersten Zebrastreifens in Slough in den UK National Archives

Bundesgesetzblatt – Verordnung zur Änderung der Straßenverkehrs-Ordnung vom 24. August 1953, S. 1163

Geschichte über das Fotoshooting für das «Abbey Road»-Cover

Niederländischer Sender NOS zum Verkehrsschild in Spijkenisse

Historic England zum Zebrastreifen in der Nähe der Abbey Road Studios

Nennung 31. Oktober 1951 im Protokoll des britischen Parlaments

BR zum ersten Zebrastreifen in München

Nationale Statistik zu Zebrastreifen seit 1951

Straßenverkehrs-Ordnung, Paragraf 26 zu Fußgängerüberwegen

Berliner Zentrum Industriekultur zum ersten Zebrastreifen in Schöneweide

© dpa-infocom, dpa:261030-930-915900/1

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