Berlin (dpa/tmn) – Die Urlaubskasse ist ein sensibles Thema. Wird sie nach der Rückkehr durch eine unerwartet hohe Mobilfunkrechnung noch einmal arg strapaziert, kann das die schönen Erinnerungen an die Ferien trüben.
Die gute Nachricht: Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert, ist relativ gering – dank der verbraucherfreundlichen EU-Gesetzgebung samt verpflichtenden Kosteninformationen per SMS fürs Ausland.
Die schlechte Nachricht: Die wenigen Situationen, in denen auf Reisende Mobilfunkkosten zukommen können, die sie so gar nicht auf dem Schirm hatten, haben es in sich.
In jedem Fall Pflicht, um keine teuren Überraschungen zu erleben: Vor der Reise den eigenen Vertrag und die zugehörige Preisliste dahingehend prüfen, was Telefonieren und Surfen im Reiseland kosten, wenn dort die EU-Roaming-Regeln nicht gelten, rät die Stiftung Warentest.
Mailbox, Datenroaming, WLAN-Calls: Das kann teuer werden!
Bei Zielen außerhalb der Europäischen Union oder auf Kreuzfahrten sollte man im Zweifel Mailbox, eventuelle Rufumleitungen und das Datenroaming deaktivieren. Alternativen im jeweiligen Urlaubsland können lokale SIM-Karten, eSIMs und WLAN-Hotspots sein.
- Achtung: Sogenannte WLAN-Calls (WiFi-Calling), die neuere Smartphones für stabile Telefonate mit hoher Tonqualität in WLAN-Netzen nutzen können, zählen selbst bei Reisen in EU-Länder teils als teure Auslandsgespräche. Deshalb WLAN-Calls vor Auslandsreisen am besten immer deaktivieren.
EU-Roaming: Nicht alle sind drin!
Dank der EU-Roaming-Verordnung kosten Telefonate, SMS und mobiles Internet in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und auch in einigen Überseegebieten wie La Réunion oder Martinique genauso viel wie zu Hause, wenn das Gespräch nach Deutschland oder in die Netze des jeweiligen EU-Urlaubslandes geht. Auch eingehende Anrufe aus Deutschland kosten nichts extra.
In Großbritannien erheben 1&1, Vodafone, Telefónica (O2) und die Telekom trotz des Brexits nach wie vor keine zusätzlichen Roaming-Gebühren. Wer also beispielsweise eine Allnet-Flat mit einem bestimmten Datenvolumen hat, kann beides in all diesen Ländern wie daheim ohne Zusatzkosten nutzen.
Monaco, San Marino, Andorra, die Isle of Man, die Kanalinseln, Gibraltar, Vatikanstadt und andere fallen dagegen nicht unter die EU-Roaming-Verordnung. Einige Mobilfunkanbieter ordnen diese Gebiete allerdings trotzdem der EU-Länderliste zu oder gewähren günstige Konditionen. Also vor der Reise in die Preisliste schauen oder beim Anbieter nachfragen.
- Achtung: Nicht unter die EU-Roaming-Verordnung fallen die Schweiz oder die Türkei. Aber auch hier keine Regel ohne Ausnahme: Postpaid-Kunden der Telekom können ihr Handy in der Schweiz beispielsweise zu EU-Konditionen nutzen, erklären die Warentester.
Weltweit, auf dem Wasser und in der Luft: Vorsicht ist geboten!
In Nicht-EU-Ländern drohen nach wie vor extrem hohe Kosten. So kann schon die Telefonminute in Kuba oder auf den Malediven je nach Anbieter beispielsweise 4 Euro kosten, die Nutzung mobiler Daten schlägt dort den Angaben zufolge teils mit 17 Euro pro Megabyte (MB) zu Buche.
Tipp: Datenroaming lieber deaktivieren und stattdessen WLAN-Hotspots nutzen. Wenn sensible Daten verwendet werden, etwa beim Onlinebanking oder beim Onlineshopping, sind öffentliche WLAN-Netze aus Sicherheitsgründen aber nicht geeignet.
Immerhin müssen die Provider nach der Flugzeuglandung oder nach Passieren einer Grenze per SMS über die Mobilfunkkosten im jeweiligen Land informieren. So werden auch unvorbereitete Reisende noch gewarnt – und sollten die Info-SMS auch genau lesen.
- Achtung: Die Mobilfunknetze von Schiffen und Flugzeugen unterliegen ebenfalls nicht den EU-Roaming-Regelungen – auch dann nicht, wenn die Reise innerhalb der EU stattfindet.
Aktive Mailbox und Aufenthalte in Grenznähe: Das sind Kostenfallen!
In Nicht-EU-Ländern kann die Mailbox teuer werden, weil teils eine sogenannte bedingte Rufumleitung dafür sorgt, dass man für die Abfrage dreifach zahlt: Kostenpflichtig sind die Weiterleitung ins Auslandsnetz, die Umleitung zurück zur deutschen Mailbox und das Abhören.
Die Mailbox lässt sich aber leicht ausschalten – oftmals mit dem Code ##002#, den man auf der Telefon-Tastatur eintippt und dann abhebt.
- Achtung: In Grenzregionen in der Nähe von Nicht-EU-Ländern, wie etwa der Schweiz, kann das Handy unbemerkt in ein fremdes Netz wechseln und unerwartete Kosten produzieren. Im Zweifel schaltet man in solchen Regionen die mobilen Daten besser aus.
Alternativ-SIM oder Messenger: Es geht auch günstiger!
Vor Fahrten ins EU-Ausland prüft man am besten, ob sich kostengünstige Auslandsoptionen zum eigenen Tarif dazubuchen lassen. Diese sogenannten Reisepakete sind bei vielen Mobilfunkanbietern für Telefonie, SMS und Datenvolumen in Nicht-EU-Ländern zu haben.
In vielen Ländern sind aber vor Ort im Reiseland gekaufte SIM-Karten günstiger als der eigene Heimat-Tarif mit oder ohne Reisepaket. Besonders einfach zu handhaben und oft sehr günstig sind eSIM-Tarife nur für Daten in Nicht-EU-Ländern, die man parallel zum Heimat-Tarif nutzen kann.
Wer Daten nutzen kann, egal ob über eine SIM oder in einem WLAN, kann natürlich auch Apps nutzen, die Telefonate und SMS ersetzen: also etwa Messenger-Dienste wie Signal, Threema, iMessage/Facetime oder WhatsApp.
- Achtung: Viele eSIM-Tarife lassen sich innerhalb der Türkei seit Mitte Juli 2025 offenbar nicht mehr buchen oder aktivieren. Urlauber, die in dem Land einen Datentarif ohne physische SIM-Karte nutzen möchten, sollten die eSIM deshalb noch daheim kurz vor der Abreise herunterladen, installieren und aktivieren, rät das Telekommunikationsportal «Teltarif.de».
EU-Kosten-Airbag: Funktioniert nicht immer!
Damit selbst moderate Datennutzung auf Reisen in Nicht-EU-Länder keine vier- oder gar fünfstellige Handyrechnungen mehr produziert, hat die EU den sogenannten Kosten-Airbag eingeführt.
Er gilt weltweit und funktioniert so: Sind 80 Prozent der voreingestellten Kostengrenze von 50 Euro netto oder einer anderen selbst festgelegten Obergrenze erreicht, muss der Anbieter eine Warn-Nachricht schicken. Ist die Grenze überschritten, wird der Daten-Speed so stark gedrosselt, dass Surfen mühselig bis unmöglich wird.
- Achtung: Der Kosten-Airbag funktioniert aber nur, wenn der Datenverbrauch im jeweiligen Land in Echtzeit erfasst wird. Immerhin tappt man auch hier nicht völlig blind in die Falle: Arbeitet der Airbag in einem bestimmten Land nicht, erhalten Nutzerinnen und Nutzer bei Einreise eine Warn-SMS.
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