Datensouveränität
Microsoft wirbt um Vertrauen deutscher Kunden
Microsoft AI Tour Köln
Der Vorstandsvorsitzende von Microsoft, Satya Nadella, wirbt um das Vertrauen europäischer Kunden.
Oliver Berg. DPA

Ob Word, Outlook oder Copilot, Anwendungen der US-Firma Microsoft sind stark präsent im Alltag. Vielleicht zu stark? In Köln lud die Firma zu einem Werbeevent, auch um solche Sorgenfalten zu glätten.

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Köln (dpa) – Vor dem Hintergrund der Debatte über die digitale Souveränität Europas und die Abhängigkeit von den USA wirbt der amerikanische Softwareriese Microsoft um Vertrauen. Konzernchef Satya Nadella trat in einer Kölner Messehalle vor rund 5.000 Zuhörerinnen und Zuhörern und stellte mit Kollegen ein etwas verändertes Produktportfolio vor, in dem der Aspekt der Datensouveränität gestärkt wird. «Du kannst bestimmen, was wohin geht und wie du es dynamisch ändern kannst», sagte der Manager.

Es geht etwa darum, dass Kunden ihre Daten lokal abspeichern oder sehen können, wo genau die Daten in der Cloud abgespeichert sind. Solche Möglichkeiten über die Microsoft-Cloud Azure gibt es schon, die Kontrolle über die Daten wird nun aber flexibler gestaltet und erweitert. So können Daten leicht aus der Cloud auf einen lokalen Server gezogen werden und sogar komplett vom Internet getrennt werden.

Ein weiteres Beispiel ist die Funktion «Azure Confidential Clean Rooms», mit der eine Firma sensible Daten mit einem Partner analysieren kann, ohne sie preisgeben zu müssen. Das liegt daran, dass die Daten verschlüsselt sind, wodurch die Gefahr des Datenmissbrauchs entschärft werden soll. «Selbst bei der Nutzung ist alles verschlüsselt», sagt Microsoft-Chef Nadella.

Die Software-Programme von Microsoft wie etwa die Textverarbeitung Word sind nicht nur unter Privatleuten weit verbreitet, sondern auch unter Behörden und Firmen. Dabei setzt Microsoft immer stärker auf die Künstliche-Intelligenz-Anwendung Copilot, die Kunden eine effizientere Recherche und Datennutzung ermöglichen soll.

Unter den Kunden sind Autobauer und Pharmafirmen

Zu den Microsoft-Kunden gehört der Volkswagen-Konzern, der kürzlich Copilot-Lizenzen für 330.000 Beschäftigte bestellt hat. Weitere Kunden sind der Agrarchemiekonzern Bayer, die Airline Lufthansa und der Hausgerätehersteller Miele.

Bei der Marketing-Veranstaltung in Köln wurden zudem Beispiele für den Mehrwert von KI-Anwendungen vorgestellt. So nutzt das Düsseldorfer Unternehmen TK Elevator einen KI-Assistenten von Microsoft, damit seine Techniker bei Wartungs- und Servicearbeiten besser vorbereitet sind und das Ergebnis ihrer Arbeit präzise ausgewertet wird.

Durch die KI sei die Anzahl von «Callbacks» um 40 Prozent gesunken. Damit ist gemeint, dass ein Techniker einen Aufzug erneut aufsuchen muss, weil er das Problem bei seinem ersten Einsatz nicht lösen konnte. TK Elevator hat weltweit 25.000 Techniker, die sich um 1,4 Millionen Aufzüge und Rolltreppen kümmern.

Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim nutzt etwa digitale Zwillinge von Patienten, um deren Krankheitsverlauf zu simulieren und dadurch schneller Medikamente entwickeln zu können.

Kritische Worte aus der Politik

In Deutschlands Politik sorgt die starke Marktposition von Microsoft für gemischte Gefühle. «Wir brauchen Microsoft für die Digitalisierung Deutschlands mit KI-Anwendungen, aber hoffentlich nur für eine gewisse Zeit», sagt der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Schätzl, der dpa. «Letztlich sind wir abhängig von dem US-Konzern, aus dieser Abhängigkeit müssen wir raus.»

In das Unternehmen Microsoft habe er zwar «ein Grundvertrauen», aber es handele sich nun mal um einen US-Konzern, der über den US-Cloud-Act dem Willen der US-Regierung unterworfen sei. Alle Beteuerungen von Microsoft Deutschland, dass man europäische Daten schützen und sich an EU-Vorgaben halten werde, seien wenig wert. «Am Ende ist es eine Deutschlandtochter, die abhängig ist von ihrem amerikanischen Mutterkonzern.»

Zudem weist der Sozialdemokrat darauf hin, dass Microsoft durch seine Marktmacht recht hohe Preise verlangen könne. «Auch finanziell wäre es gut für uns, wenn es mehr Wettbewerb gäbe bei Softwarelösungen für den Alltag der Bürger, Behörden und Firmen.»

© dpa-infocom, dpa:261022-930-877918/1

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