Berlin (dpa) - Künstliche Intelligenz ist endgültig im Alltag der deutschen Wirtschaft angekommen. Erstmals setzt mit 57 Prozent die Mehrheit der Unternehmen ab 20 Mitarbeitern hierzulande entsprechende Technologien ein - fast dreimal so viele wie noch vor zwei Jahren. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen Studie des Digitalverbands Bitkom hervor. In der Umfrage äußern die Firmen aber auch Sorgen über die Schattenseiten, die sie mit KI verbinden: Jedes dritte Unternehmen (34 Prozent) fürchtet mittlerweile, durch KI die eigene Existenz zu verlieren, und eine wachsende Zahl an Betrieben fühlt sich durch europäische Regulierungsvorgaben ausgebremst.
Erfolgserlebnisse treffen auf Existenzangst
In der Erhebung unter 603 Unternehmen berichten zwei Drittel der Anwender von einer verbesserten Wettbewerbsposition, fast die Hälfte konnte interne Prozesse beschleunigen oder verbucht messbare Erfolge. Andererseits glauben 61 Prozent, dass Betriebe ohne KI keine Zukunft mehr haben. Jedes dritte anwendende Unternehmen räumt ein, vor allem aus Furcht vor dem Zurückfallen eingestiegen zu sein.
«Wir sehen rund um KI viel Zuversicht, aber auch Verunsicherung», bilanzierte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. «Dieselben Unternehmen, die in KI die entscheidende Technologie der kommenden Jahre erkennen, fürchten gleichzeitig, durch sie um ihre Existenz gebracht zu werden.»
Einstieg geschafft, Potenzial kaum gehoben
Aus der Studie geht weiterhin hervor, dass der Großteil der Anwender bei der KI-Nutzung erst ganz am Anfang steht. Kein einziges Unternehmen schöpft das Potenzial der Technologie nach eigener Einschätzung bereits vollständig aus. Während erste Schritte meist im Kundenservice oder Marketing stattfanden, wandert die Technologie nun tiefer in die Organisation - etwa ins Controlling, die Produktion oder das Wissensmanagement.
Wachsende Kritik am europäischen AI Act
Als gravierendes Hindernis erweist sich für die Unternehmen die Rechtslage. Vor allem der europäische AI Act gerät massiv in die Kritik. Mehr als ein Drittel der Firmen sieht sich direkt als Anwender von der EU-Regulierung betroffen, ein weiteres Drittel prüft die Betroffenheit gegenwärtig. Von diesen Betrieben rechnen 89 Prozent mit einem hohen bis sehr hohen bürokratischen Umsetzungsaufwand, zumal sie im Schnitt zwei KI-Systeme betreiben, die in die streng kontrollierte Hochrisikoklasse fallen. Zwei Drittel der Gesamtwirtschaft meinen deshalb inzwischen, der AI Act bringe mehr Nachteile als Vorteile für deutsche Unternehmen.
Praxiserfahrung dämpft die Job-Sorgen
Entwarnung gibt es dagegen vorerst beim Blick auf den Arbeitsmarkt. Zwar rechnet knapp die Hälfte der Betriebe in den kommenden zwei Jahren mit einem leichten Rückgang der Beschäftigung. Doch je mehr praktische Erfahrung Unternehmen sammeln, desto geringer werden die Sorgen vor Jobverlusten. Anwender befürchten deutliche Einschnitte weit seltener als Nicht-Anwender und erwarten zugleich doppelt so häufig einen Beschäftigungszuwachs. Zudem investieren sieben von zehn Firmen bereits in die Weiterbildung ihrer Belegschaft.
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