Mainz
jugendschutz.net: Bedeutung von Porno geht zurück - Kritik an "Löschen statt Sperren"
Jugendmedienschutz
Jugendschützer sind alarmiert: Die Zahl der Verstöße im Internet steigt.
DPA

Mainz - Die Bedeutung von Pornografie für den Jugendschutz nimmt nach Einschätzung von jugendschutz.net ab. Zahlenmäßig bleibt Porno allerdings das größte Jugendschutzproblem. Die Zentralstelle der Länder hat 2010 insgesamt rund 2600 unzulässige Internetangebote registriert. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl insgesamt um sieben Prozent gestiegen, teilte die Organisation zur Vorstellung ihres Jahresberichts mit.

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Mainz – Die Bedeutung von Pornografie für den Jugendschutz nimmt nach Einschätzung von jugendschutz.net ab. Zahlenmäßig bleibt Porno allerdings das größte Jugendschutzproblem. Die Zentralstelle der Länder hat 2010 insgesamt rund 2600 unzulässige Internetangebote registriert. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl insgesamt um sieben Prozent gestiegen, teilte die Organisation zur Vorstellung ihres Jahresberichts mit.

jugendschutz.net hält die Regelung 'Löschen statt Sperren„ für unzureichend, obwohl die “Löschung kinderpornografischer Angebote „in fast allen Fällen möglich“ sei. Die Stelle fordert ein „nachhaltiges Gesamtkonzept gegen den sexuellen Missbrauch im Internet“.

Seit Oktober leitet jugendschutz.net kinderpornografische Angebote im Ausland nicht mehr nur ans BKA, sondern auch an INHOPE-Partner weiter, also Internet-Beschwerdestellen weltweit. Zusätzlich würden Diensteanbieter kontaktiert.

Löschungen alleine helfen nicht weiter, heißt es im Jahresbericht, weil kinderpornografische Inhalte schnell wieder online seien. Die Stelle räumt aber auch ein, dass viele Angebote mit Sperrmaßnahmen nicht zu blockieren, weil einzelne Inhalte keine Sperrung ganzer Download-Plattformen rechtfertigen. „Sehr effektiv“ sei der Kontakt zu Hostprovidern und Plattformbetreibern bei schweren Verstößen im Ausland.

Bei Angeboten aus Deutschland gelinge es in vier von fünf Fällen, dass problematische Angebote schnell geändert oder gelöscht werden. Die Erfolgsquote steigerte sich 2010 nochmals leicht auf 78 Prozent (2009: 75 Prozent).

Insgesamt kontrollierte die Zentralstelle im vergangenen Jahr mehr als 39.000 Internetangebote, etwa doppelt so viele wie 2009. Die Anzahl deutscher Angebote, auf denen Magersucht verherrlicht wird, steige weiter an. Sie machten 29 Prozent der unzulässigen Angebote aus – 2009 waren es 22 Prozent. Der Anteil der Pornografie an den Verstößen ging von 42 auf 39 Prozent zurück.

Ein vergleichsweise neues Phänomen seien Saufforen und Online-Videos, die Würgespiele zeigten. In den zum Nachahmen animierenden Filmchen strangulierten sich die Akteure bis zur Ohnmacht, teilte jugendschutz.net mit.

Die Zentralstelle forderte einen besseren Schutz von jungen Internetnutzern. Kinder und Jugendliche seien etwa durch Mobbingplattformen, Belästigungen in Zufallschats sowie Hasskommentare in Sozialen Netzwerken vermehrt bedroht. Der Jugendschutz im Internet müsse zeitgemäß gestaltet werden. Eine grundlegende Freiheit des Netzes sei nicht möglich. Nötig sei vielmehr eine „Kultur gemeinsamer Verantwortung“, erklärte jugendschutz.net.

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