Hannover/Stuttgart (dpa/tmn) – Es klingelt an der Tür, man öffnet und dann fallen Sätze wie: «Bald wird Ihr DSL abgeschaltet» oder «Rabatte auf Glasfaser sind nur heute gültig». So oder so ähnlich versuchen Vertreter an der Haustür Panik unter DSL-Kunden zu verbreiten. Ziel des Zeitdrucks: Möglichst sofort ein Haustürgeschäft für einen Glasfaseranschluss abschließen zu können.
Beim Thema Glasfaser beobachtet die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg immer wieder ganze Drückerkolonnen mit teils irreführenden Aussagen. Auch das Computermagazin «c't» berichtet darüber.
Abschaltargument greift nicht
Die Argumente lauten oft, bestehende Kupferanschlüsse würden in naher Zukunft abgeschaltet. Nur mit einem sofortigen Vertragsabschluss sei die spätere Versorgung mit Glasfaser gesichert. Wer darauf reinfällt, könnte am Ende mit überteuerten Glasfaserverträgen samt unnötig hoher Datenraten dastehen. Aber darauf sollte sich niemand einlassen. Denn eine flächendeckende, kurzfristige Abschaltung der Kupfernetze steht nicht bevor. Bis dahin dürften noch Jahre vergehen, berichtet die Stiftung Warentest.
Die Verbraucherschützer verweisen auf das zuständige Bundesministerium für Digitalisierung, welches das endgültige Aus des Kupfernetzes zwischen 2035 und 2040 erwartet. Klar ist auch: Bestehende Netze werden erst dann abgeschaltet, wenn Glasfaser nahezu flächendeckend verfügbar und ein Wettbewerb in den neuen Netzen gewährleistet ist.
«Auch gibt es keine gesetzliche Vorgabe, dass ab einem bestimmten Tag nur noch Glasfaser genutzt werden darf. Insofern kann hier nicht von Abschaltung gesprochen werden», fasst es Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zusammen.
Wer wirklich jetzt – sofern schon verfügbar – oder so bald wie technisch möglich einen Glasfaseranschluss möchte, kann und sollte Angebote vergleichen und sich dafür vor Vertragsabschluss genug Zeit lassen. Direkt an der Haustür muss das niemand tun. Also wird man diese Leute am besten bereits über eine Gegensprechanlage los oder wimmelt sie spätestens an der Tür ab.
Wer klingelt da überhaupt?
Die Personen an der Tür treten häufig im Namen bekannter Telekommunikationsfirmen auf. Vielfach seien es aber sogenannte Promoter, die von Agenturen einen Auftrag erhalten haben und den Eindruck erwecken, sie kämen direkt vom Telekommunikationsanbieter, so Buttler. Er kritisiert: «Wenn große Anbieter Verkäufer mit ihrem Logo beauftragen, müssen sie auch ein seriöses Auftreten gewährleisten, was offensichtlich nicht immer der Fall ist.»
«Die meisten Anbieter legen heute Wert darauf, dass sich ein Vertriebsmitarbeiter ordentlich ausweisen kann», schildert «c't»-Redakteur Andrijan Möcker. Manche bieten auch ein Verifikationsverfahren über QR-Code an, das Kunden mit ihrem Smartphone durchführen können. Aber: Da ein standardisiertes, fälschungssicheres Ausweisformat fehle, müsse man bei vielen Vertriebsmitarbeitern auf die Echtheit des Kärtchens vertrauen. «Im Zweifel sollte man sich immer zusätzlich den Personalausweis zeigen lassen», rät Möcker.
Seriöse Mitarbeiter bedrängen nicht, sondern informieren
Seriöse Anbieter lassen meist ausreichend Infomaterial da und bedrängen nicht. Sie geben Kunden genug Zeit, die Angebote in Ruhe zu prüfen.
«Unseriöse Anbieter geben keine Zeit zur Überlegung und zur Information», so Oliver Buttler. Häufig werde mit Dringlichkeit oder sogar Schreckensszenarien Druck aufgebaut – denkbar ist etwa:
- «Da haben Sie ab nächster Woche kein Fernsehen/Internet mehr»
- «Das ist Vorschrift»
- «Das hat die Gemeinde so beschlossen»
- «Sie müssen hier handeln aufgrund der gesetzlichen Grundlage»
- «Die Rabatte sind nur heute gültig»
Generell ist es vor Vertragsschluss Pflicht, Kunden alle wesentlichen Informationen mitzuteilen sowie über das per Gesetz bestehende Widerrufsrecht zu informieren, erläutert Oliver Buttler.
Auch muss ein Produktinformationsblatt vor Vertragsabschluss vorliegen, welches einen Überblick über die zu vereinbarenden Leistungen gibt. Und nach Vertragsschluss sind umgehend alle Vertragsinformationen zu übermitteln – beides ist auch per Mail möglich
Es bleibt ein 14-tägiges Widerrufsrecht
Der Rat: Verträge in Ruhe ansehen, statt sie sofort zu unterschreiben. Es ist generell empfehlenswert, sich bei Interesse an einem Glasfaseranschluss unabhängig zu informieren und verschiedene Angebote zu vergleichen.
Einen an der Haustür abgeschlossenen Vertrag kann man innerhalb von 14 Tagen widerrufen. Wenn nicht ordnungsgemäß aufgeklärt wurde, verlängert sich die Widerrufsfrist – um ein Jahr auf dann ein Jahr und 14 Tage.
Natürlich kann Glasfaser Sinn ergeben – auch jetzt schon
Einerseits setzen also Vertreter mancherorts die Leute mit einer Abschaltungsangst oder anderen Szenarien unter Druck. Und andererseits bemerkt das Computermagazin «c't» in den in sozialen Netzwerken Behauptungen, Glasfaser sei komplett überflüssig. Demnach reichten DSL und Kabel völlig aus. Doch «c't» zufolge führen beide Extreme in die Irre.
Glasfaser habe echte Vorteile, so «c't». DSL-Kupferleitungen stießen irgendwann physikalisch an Grenzen, denn die Telefonleitungen wurden ursprünglich nie als Datenautobahn vorgesehen.
Je höher die Frequenz und je länger die Leitung, desto schlechter die Übertragungsqualität. Glasfaserkabel nutzen stattdessen Lichtsignale. Das mache sie unempfindlich gegen elektromagnetische Störungen und ermögliche deutlich höhere Geschwindigkeiten.
Wer profitiert vom Umstieg?
In der Regel kann ein Glasfaseranschluss interessant für Haushalte sein, in denen mehrere Bewohner zugleich streamen, Videokonferenzen abhalten oder große Dateien übertragen. Auch kann es laut Stiftung Warentest für Eigentümer sinnvoll sein, sich in einem Ausbaugebiet Glasfaser ins Haus oder in die Wohnung legen zu lassen. Wer beim ausbauenden Anbieter einen Zweijahres-Vertrag dazubucht, bekomme den Anschluss in der Regel kostenlos, so die Warentester. Ansonsten könnten dafür 500 bis 1.000 Euro fällig werden.
Auch wenn Mieter bei vorhandenem oder geplantem Hausanschluss von Vertriebsmitarbeitern angesprochen werden, sollten sie die genannten Tipps befolgen: In Ruhe prüfen, ob und wann man zu welchem Tarif abschließen will.
Fazit: «Wer mit seinem jetzigen Anschluss zufrieden ist, muss nicht sofort handeln», rät «c't». Was immer gilt: Die Entscheidung sollte auf Basis des eigenen Bedarfs fallen, nicht wegen Panikmache an der Haustür.
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