Berlin/München – Das Champions League-Finale hat einmal mehr gezeigt, dass Deutschland noch ein Twitter-Entwicklungsland ist: Zum Finale gab es sogar deutlich mehr Tweets auf Spanisch als auf Deutsch.
Eine Auswertung des Online-Marketing-Spezialisten ExactTarget zeigt, dass die Bayern – auf dem Rasen spielbestimmend – auf Twitter in allen Belangen unterlegen waren. Chelsea wurde in Tweets fast dreimal so häufig genannt wie Bayern, geht aus der Auswertung von Kyle Lacy hervor, Autor von „Twitter Marketing for Dummies“ und Principal of Marketing Research bei ExactTarget. Die fünf Chelsea-Spieler Drogba, Cech, Luiz und Cole wurden jeweils häufiger genannt als alle Bayern-Spieler zusammen. Und der am häufigsten weitergereichte Tweet stammte von Chelsea selbst – und kam auf mehr als 7000 Retweets.
Chelseas Twitter-Account hat mehr als eine Million Follower bei Twitter, Bayern München bestückt selbst keinen eigenen Account. Der Account @fcbayern_news, der automatisiert Neuigkeiten von der offiziellen Bayern-Seite verbreitet, hat etwas mehr als 90.000 Abonnenten.
ExactTarget zählte fast 3 Millionen Tweets zum Finale, davon 1,12 Millionen während des Spiels, der Verlängerung und des Elfmeterschießens. Twitter macht keine Angaben, wie viele Tweets pro Sekunde in der Spitze während des Finales abgeschickt wurden. Das deutet darauf hin, dass der Rekord vom Superbowl Bestand hat. Da waren in der Spitze 4064 Tweets sekündlich gezählt worden.
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Das Ergebnis dürfte zum einen darin zu erklären sein, dass die Premiere League international noch deutlich präsenter ist als die Bundesliga. Auch hatten etliche deutsche Twitterer ihre Kurznachrichten auf Englisch verfasst. So war der Anteil von Tweets aus Deutschland deutlich höher als der Anteil der Tweets in deutscher Sprache.
Die Zahlen sind aber auch Beleg dafür, dass Twitter in Deutschland längst noch nicht den Stellenwert hat wie in anderen Ländern. „Uns ärgert das Ergebnis in vielfacher Hinsicht“, sagt Constantin Schaible, Senior Account Executive am deutschen Standort von Exact Target in – ausgerechnet – München. „Nicht nur, dass wir zu den Bayern gehalten haben und es bei uns auch ein bisschen um Deutschland gegen England ging. Die Zahlen zeigen auch deutlich, dass Twitter in Deutschland einfach noch nicht so verbreitet ist.“
Twitter selbst hat das als Manko erkannt, eröffnet deshalb in Berlin ein Büro und hat mit Rowan Barnett, den früheren Leiter Social Media bei Bild, zu seinem ersten Deutschland-Chef gemacht. Im Fußball sieht Twitter einen Hebel, die Deutschen noch stärker für Twitter zu begeistern. Deutschland ist auch das erste Land, in dem Twitter einen besonderen Service zum Fußball gestartet hat: Bei der Suche nach Vereinen, -Spielernamen, einem Stadion oder einem der Spiel-Hashtags während eines Spieltages wird im Suchergebnis auch der aktuelle Spielstand in einem neuen Design angezeigt. In einem Ticker werden parallel die Ergebnisse der weiteren Begegnungen angezeigt.
