Vorgetäuschte Liebe
Love Scamming trifft Ältere: Woran Sie den Betrug erkennen
Dating-Apps auf einem Smartphone
Vorsicht ist geboten: Auf den Dating-Portalen und -Apps können auch Betrüger unterwegs sein, sogenannte Love- oder Romance-Scammer.
Sina Schuldt. DPA

Komplimente, liebevolle Worte, große Gefühle: Was schön beginnt, kann eine Falle sein. Oft tappen ältere Menschen hinein. Bei welchen Indizien die Alarmglocken schrillen sollten.

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Baierbrunn (dpa/tmn) – Wer die rosa-rote Brille aufhat, schaut vielleicht nicht mehr so genau hin. Genau das nutzen Betrüger beim Love Scamming aus. Sie täuschen eine emotionale Beziehung in sozialen Netzwerken vor – und versuchen dann, ihre Opfer abzuzocken.

Es ist eine moderne Version des Heiratsschwindlers – mit Fake-Profilen. Der Kontakt entsteht meist über soziale Netzwerke wie Facebook oder Instagram, Dating-Plattformen oder Singlebörsen.

In der Zeitschrift «Senioren Ratgeber» erklärt der ehemalige Polizeikommissar und Seniorensicherheitsberater Wolfgang Sinn, wie man die Betrugsmasche erkennt – und gibt Tipps, wie man sich schützen und wehren kann.

Große Versprechen

Sinn beschreibt das Vorgehen: Die Betrüger machen Komplimente, schreiben ihrem Gegenüber viele schöne Worte und machen große Versprechen. So wird wochenlang romantisch hin und her gechattet – und plötzlich bitten sie um Geld. Und dann häufen sich die Forderungen.

Objektiv betrachtet scheint diese Masche sehr durchschaubar. Doch im Trubel der Gefühle ist es nicht immer so offensichtlich. Oft manipulieren die Täter ihre Opfer. Sie seien sehr geschickt, «mit Wort und Schrift die Gefühlswelt der Betroffenen zu erreichen und durcheinanderzubringen», so Sinn.

Zwar kann es auch jüngere Leute treffen, doch häufig seien es ältere Menschen, die neugierig oder einsam sind und einen Partner für den letzten Lebensabschnitt suchen, die in die Falle tappen.

Meist merken Angehörige oder Freunde, dass etwas nicht stimmt – können aber mit ihren Sorgen nicht immer durchdringen.

Wie Sie die Masche erkennen

Mögliche Indizien sind:

  • Das Gegenüber schickt selten oder erst nach mehrmaliger Bitte ein Bild. Die Fotos seien dann meistens aus dem Internet kopiert, so Wolfgang Sinn.
  • Mögliche Treffen werden immer wieder herausgezögert, schreibt die Internetseite «Weisser Ring», eine Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer.
  • Die große Liebe soll ein Geheimnis bleiben, weil der Rest der Welt sonst neidisch wäre. Häufig gibt der oder die Gegenüber auch an, dass er oder sie im Ausland lebt – und Geld für einen Flug, ein Visum oder für die kranke Familie braucht. Das Geld bekomme man zurück, wenn man nur noch einmal investiere, lautet das (leere) Versprechen.
  • Bereits nach kurzer Zeit ist oft schon die Rede von Hochzeit. Und die Liebesbekenntnisse überschlagen sich.

Wer Zweifel hat, sollte versuchen, möglichst viel über sein Gegenüber herauszubekommen. Doch Fotos und Profile im Internet können natürlich Fake sein, erinnert Wolfgang Sinn. Er rät: Auf keinen Fall Geld schicken! Auch wenn die Begründung noch so gut ist oder die Not noch so groß klingt.

Doch darauf hereingefallen – was nun?

Wer bemerkt, dass er auf Love Scamming hereingefallen ist, kann sich wehren. Auch um andere Opfer davor zu schützen, ist es wichtig, keine falsche Scham zu haben. Stattdessen empfiehlt die Zeitschrift «Senioren Ratgeber»:

  • Sofort den Kontakt abbrechen.
  • Bei Bedarf eine neue Handynummer oder Mailadresse besorgen.
  • Anzeige bei der Polizei erstatten – dabei gesammelte Daten wie Fotos, Mails, Chatverläufe übergeben.
  • Und um andere zu schützen: Das Profil beim sozialen Netzwerk oder dem Betreiber der Internetseite oder Plattform melden – falls es nicht schon gelöscht wurde.

Außerdem können Selbsthilfegruppen und Hilfsorganisationen wie Weisser Ring (weisser-ring.de) weiterhelfen.

© dpa-infocom, dpa:260511-930-66264/1

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