Braga (dpa) - Wütend stapfte Abwehrchef Matthias Ginter vom Rasen und warf eine Jacke auf den Boden. Sein Ärger über das Last-Minute-Gegentor bei Sporting Braga war kaum zu übersehen. Lange sah die Ausgangslage des SC Freiburg gut aus für das Rückspiel in der Europa League. Durch die 1:2 (1:1)-Niederlage gehen die Breisgauer nun aber mit einer Hypothek in das entscheidende Wiedersehen am Donnerstag (21.00 Uhr/RTL) in Freiburg. Schon in der vergangenen Woche hatte der Sport-Club gegen den VfB Stuttgart im DFB-Pokal einen Finaleinzug auf bittere Weise verspielt.
Mario Dorgeles gelang in der zweiten Minute der Nachspielzeit das Siegtor für die Gastgeber. Umso bitterer, zumal Freiburg das Spiel bis dahin weitgehend im Griff hatte. «Wir haben es in wenigen Momenten nicht gut verteidigt und sind bestraft worden. Das darf uns nicht passieren», sagte SC-Trainer Julian Schuster bei RTL. «Es ist sehr, sehr ärgerlich.»
Schon der Start in die Partie verlief aus SC-Sicht denkbar ungünstig: Der Bundesligist geriet durch Demir Tiknaz früh in Rückstand (8.). Freiburg meldete sich dann aber rasch durch Vincenzo Grifo (16.) zurück und durfte sich noch vor der Pause bei Atubolu bedanken. Der Keeper entschärfte einen umstrittenen Foulelfmeteter von Rodrigo Zalazar (45.+2).
Die Freiburger hatten sich zuletzt Selbstvertrauen erarbeitet: Im Viertelfinale gegen Celta Vigo behauptete sich das Team von Coach Julian Schuster souverän (3:0 und 3:1). Dadurch hatten die Freiburger laut Kapitän Christian Günter «Blut geleckt». Man wolle das Märchen «auf jeden Fall weiterschreiben», hatte der Außenverteidiger gesagt.
Freiburgs historische Premiere
Mit Eintracht Frankfurt konnte erst ein deutsches Team den Nachfolgewettbewerb des UEFA-Cups bisher gewinnen. Für Freiburg ist bereits das Halbfinale historisch - insbesondere für Stürmer Igor Matanovic ist es laut eigener Aussage «das größte Spiel meiner Karriere». Der Torjäger meinte, er verspüre eine «gesunde Nervosität».
Auf dem Platz zeigte sich jedoch zunächst ein anderes Bild, denn Freiburgs Defensive wurde früh unter Druck gesetzt. Braga hatte sich in einem furiosen Rückspiel bei Betis Sevilla qualifiziert und knüpfte an diese Leistung an. Pau Victor verpasste die Führung noch (5.), doch nur drei Minuten später jubelte Tiknaz.
Beste findet Grifo
Freiburg Antwort folgte prompt. Dabei profitierten die Gäste von einem Missverständnis im Aufbauspiel. Jan-Niklas Beste fand den mitgelaufenen Grifo, der Braga den ersten von zwei Dämpfern zufügte. Keine zehn Minuten danach musste auch noch Kapitän Ricardo Horta angeschlagen vom Feld.
Der Sport-Club leistete sich trotz der Unterstützung von gut 2.000 mitgereisten Fans verhältnismäßig viele Fehler im Passspiel und schaffte es nur selten, Akzente zu setzen. Aber auch Freiburgs Keeper Atubolu wurde nach dem frühen Gegentor kaum geprüft. Als der 23-Jährige jedoch im Fokus stand, war er zur Stelle und parierte kurz vor dem Seitenwechsel einen Elfmeter gegen den früheren Bundesliga-Profi Rodrigo Zalazar.
Nach Wiederbeginn taten sich beide Mannschaften über weite Strecken weiter schwer. Immer wieder wurde die Spieleröffnung unterbunden, immer wieder fehlte die letzte Konsequenz. Die beste Chance in der regulären Spielzeit vergab Freiburgs Eggestein nach etwas mehr als einer Stunde. In der Nachspielzeit bestrafte Dorgeles die Freiburger dann doch noch.
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