München (dpa) – Fasten, Verzichten – Freiheitsberaubung? Der Karfreitag soll ein Tag zum Innehalten und zum Trauern sein, zumindest im christlichen Glauben. Für viele ist es jedoch einfach ein freier Tag. Traditionen wie dem Fleischfasten oder gar dem Gang zur Kirche wird eher sporadisch nachgegangen. Der Gang ins Kino ist ein Streitthema.
Damit ein Film am Karfreitag öffentlich gezeigt werden darf, braucht er eine Feiertagsfreigabe, die Detailregelungen können sich je nach Bundesland unterscheiden. Das nervt Verfechter der Trennung von Staat und Kirche – zum Beispiel Ricarda Hinz vom Düsseldorfer Aufklärungsdienst.
Das Leben des Brian am Karfreitag – (k)eine Provokation?
Der Verein hat in Düsseldorf erstritten, dass die Satire «Das Leben des Brian» gezeigt werden darf – mit Hilfe einer Ausnahmegenehmigung des Düsseldorfer Regierungspräsidenten. Der Film ist seit Jahren eine Art Symbol für den Kampf zur Abschaffung der Feiertagsregelung. In der Komödie aus dem Jahr 1979 wird die Zeit von Jesus Christus aufs Korn genommen. Besonders brisant also, oder aber besonders passend zu den Ostertagen?
Für Ricarda Hinz jedenfalls ist die Vorführung des Films vielmehr ein politisches Zeichen als eine Provokation. Die Mehrheit der Düsseldorfer Stadtbevölkerung gehört laut dem Verein Düsseldorfer Aufklärungsdienst längst keiner christlichen Kirche mehr an. Somit sei ein Aufführungsverbot «weder zeitgemäß noch akzeptabel».
Es sei keine Störung der Religionsausübung, wenn derartige Filme gezeigt würden. In einer offenen Gesellschaft solle stattdessen gelten: «Ich lass dich beten, lass du mich lachen.»
Pfarrer: «Diese Tage sind uns sehr sehr wichtig und heilig»
Für gegenseitige Akzeptanz plädiert auch Rainer Maria Schießler, katholischer Pfarrer aus München. Er findet jedoch: «Auch wenn die Mehrheit in unserem Land nicht mehr in den christlichen Kirchen engagiert ist, kann doch das Anliegen der Besinnung an diesen Tagen alle Bewohner des Landes ein wenig miteinander verbinden.» Die Einschränkungen an den sogenannten stillen Feiertagen halte er für «absolut in Ordnung».
«Deplatzierte» Veranstaltungen oder Gewaltfilme würden das Leid anderer Menschen ignorieren, das gerade an diesen Tagen Beachtung bekommen soll. Eine solche Solidarität könne die Gesellschaft stärken, findet Schießler.
Und schließlich hat der Pfarrer eine Bitte: «Habt an diesen Tagen etwas Respekt und Toleranz für uns bekennende Christen übrig; diese Tage sind uns sehr sehr wichtig und heilig. Wollt ihr sie uns nicht gönnen?»
Ein Relikt aus der Weimarer Republik
Ob ein Film feiertagsfrei ist oder nicht: Diese Einstufung übernimmt die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK). Laut Peter Kaun von der FSK genießen «stille Feiertage» wie Totensonntag, Allerheiligen und Karfreitag besonderen Schutzstatus. Der «ernste Charakter» dieser Tage müsse gewahrt werden, in Einzelfallentscheidungen bestimme dann ein Gremium, ob ein Film die Freigabe für Feiertage bekomme oder nicht. Einen festen Kriterienkatalog gebe es nicht.
Allerdings gelten solche Beschränkungen nur für Kinos, nicht aber für Streamingdienste und TV. Der Hintergrund: Die Regelung stamme noch aus der Weimarer Republik, damals war das Kino der einzige Ausspielweg für Filme. Wie zeitgemäß das Ganze sei, lasse sich also durchaus infrage stellen, sagt Kaun. Das spiegele sich auch darin wider, dass seit 1950 immer weniger Filme als nicht feiertagsfrei eingestuft würden.
«Die Feuerzangenbowle» darf mittlerweile gezeigt werden
In den 1950er Jahren galten laut Peter Kaun noch fast 60 Prozent der geprüften Kino-Spielfilme als nicht feiertagsfrei. Von 2020 bis 2025 waren es nur noch 0,4 Prozent. Von insgesamt 659 geprüften Kinofilmen bekam im vergangenen Jahr den Angaben nach nur ein einziger Streifen keine Feiertagsfreigabe. Auch Filme, die zunächst keine Freigabe erhalten haben, können demnach erneut geprüft werden. So darf beispielsweise «Die Feuerzangenbowle» mittlerweile gezeigt werden.
In einem sind sich alle Parteien einig: Freiwilligkeit ist besser als staatliche Vorgaben. Wie man die Ostertage verbringt und welchen Fokus man für sich setzt, entscheidet am Ende jeder Mensch selbst.
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