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Bald «Superman»-Schurke: Lars Eidinger wird 50
Schauspieler Lars Eidinger
Schauspieler Lars Eidinger
Sebastian Christoph Gollnow. DPA

Einer der besten Schauspieler Deutschlands, nachts auch DJ und bei öffentlichen Auftritten nicht leicht zu durchschauen. Lars Eidinger ist vieles - demnächst auch Bösewicht in Hollywood.

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Berlin (dpa) – Dass Lars Eidinger auch in Hollywood viel zugetraut wird, zeigt eine Nachricht aus dem Superheldenuniversum. Der Berliner Schauspieler soll der neue Gegenspieler von Superman werden – und im nächsten Abenteuer «Man of Tomorrow» die Schurkenrolle übernehmen. Eidinger wird an diesem Mittwoch (21. Januar) 50 Jahre alt und steht damit vor einer großen Rolle.

Bei ihrer weltweiten Suche nach einer Besetzung habe sich Eidinger durchgesetzt, verkündete Regisseur James Gunn auf Instagram. Spielen soll er den superintelligenten Schurken Brainiac.

Wenn Eidinger ein Bonbon lutscht

Als Schauspieler kann Eidinger eine Wirkung entfalten, noch bevor er überhaupt etwas sagt. Im Dokumentarfilm «Lars Eidinger – Sein oder nicht sein» erinnert sich ein Schauspiellehrer daran, wie beeindruckend eine Szene von Eidinger gewesen sei, in der er – ein Bonbon lutschte.

In Interviews kann Eidinger druckreif sprechen, mit einer großen Ruhe und Nachdenklichkeit. Mitgespielt hat er in der Serie «Babylon Berlin» und Filmen wie «Alle anderen», «25 km/h» oder jüngst in «Jay Kelly» mit George Clooney. Erleben muss man ihn aber vor allem im Theater.

«Hamlet» seit Jahren ausverkauft

Seit 18 Jahren verkörpert er an der Berliner Schaubühne den Hamlet und noch immer sind die Tickets schnell weg. Wie ein Wahnsinniger verausgabt er sich auf der Bühne. Die «New York Times» schrieb mal, Eidinger sei vielleicht der großartigste Shakespeare-Darsteller, von dem man noch nie gehört habe. In den USA ist er bisher weniger bekannt.

Geboren 1976 in Berlin, besuchte Eidinger die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Manchmal sieht man ihn im Westen der Hauptstadt, erkennt ihn aber nicht immer sofort. An der Schaubühne laufen derzeit die Proben für ein neues Theaterprojekt mit Regisseur Thomas Ostermeier, das erste gemeinsame seit einem Jahrzehnt. Die Premiere von «Der Geizige» ist am 2. April.

«Da ist ein großes Ego»

Eidinger spielt Verunsicherte, Unperfekte, Machtmenschen mit Rissen. Er sei ein Schauspieler mit ungewöhnlicher Präsenz, sagt Schauspielerin Isabelle Huppert, die mit ihm auf der Berlinale auch in einem neuen Film zu sehen sein wird. Man sei einfach von ihm angezogen. Ähnlich äußert sich Kollegin Juliette Binoche in «Sein oder nicht sein»: «Da ist ein großes Ego. Aber gleichzeitig hat man das Gefühl, dass er damit einer Sache dient, die größer ist als er selbst.»

In dem Dokumentarfilm sieht man auch, wie Eidinger während der Proben für den «Jedermann» bei den Salzburger Festspielen die Fassung verliert, als der Regisseur in einer emotionalen Szene nebenher noch etwas anderes regelt. Ob er nicht verstehen könne, dass das ein sehr sensibler Prozess sei, ärgert sich Eidinger. Später entschuldigt er sich dafür.

Eidinger ist auch DJ und fotografiert, postete eine Weile Bilder aus Hotelzimmern. Seine Auftritte geraten manchmal selbst zur Attraktion. Etwa als ihm bei der Berlinale mal die Tränen kamen, als er über den Zustand der Welt sprach. Missverstanden fühlte er sich, als ein Bild Schlagzeilen machte, das ihn mit einer selbst designten Tasche im Stil einer Discountertüte neben einem Obdachlosenlager zeigte.

«Ich finde Hochglanzwerbung, die Armut ausklammert, wesentlich zynischer», sagte er danach der «Neuen Osnabrücker Zeitung». «Genauso wie Produkte zu tragen und auszublenden, wer sie zusammennäht.»

«Ich möchte überhaupt über nichts drüberstehen»

Das Kränkendste an seinem Beruf und an der Konfrontation mit der Öffentlichkeit sei, dass man so missverstanden werde, erzählt er im Dokumentarfilm. «Ich fühle mich tatsächlich oft missverstanden.» Leute sagten dann auch oft, dass sie sich wunderten und dass er da doch drüber stehen müsse. Er stehe aber, so Eidinger, über nichts drüber.

Das widerspreche auch dem Verständnis seines Daseins. «Ich möchte überhaupt über nichts drüberstehen.» Er wolle, dass ihn alles im besten Fall treffe und bewege. Er glaube, dass man verloren habe, wenn man als Schauspieler im Leben über den Dingen stehe. Oder als Künstler. «Wahrscheinlich sogar als Mensch.»

© dpa-infocom, dpa:260121-930-573940/1

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